Der Fiat Talento im KKA-Praxistest

Chancenreiches Talent

Der Fiat Talento im KKA-Praxistest

Mit dem Talento bietet Fiat einen neuen Transporter im Segment zwischen 1 und 3 t und hat damit die Lücke zwischen Doblo und Ducato geschlossen. Der italienische Hersteller verspricht sich von dem Fahrzeug eine großes Wachstum und neue Kunden. Die KKA-Redaktion überzeugte sich bei einer Testfahrt von den Talenten des „Neuen“.

Das klassische Transporter-Segment der Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht zwischen 1 bis rund 3 t macht rund 40 % des Gesamtmarktes für leichte Nutzfahrzeuge aus. In diesen Markt will jetzt Fiat mit dem im Juni 2016 präsentierten Talento stoßen. Denn der bisher in dieser „Klasse“ angebotene Vorgänger Scudo traf mit seinem relativ kurzen Laderaum nicht die Marktanforderungen. Anders der Talento: Mit einer Laderaumlänge von gut 2,5 m bei kurzem Radstand und 40 cm mehr bei langem Radstand bietet er viel Platz. Schon bei kurzem Radstand passen drei Euro-Paletten in den Wagen. Fiat schließt damit die Lücke zwischen dem Doblo und dem Ducato. Die Italiener haben dabei allerdings auf eine Eigenentwicklung verzichtet; wie der Opel Vivaro und der Nissan NV300 ist der Talento ein Ableger des Renault Trafic.

Unterwegs mit 600 kg

Doch das muss ja nicht negativ sein – bei unserer Fahrt macht der Talento jedenfalls einen sehr ausgereiften und durchdachten Eindruck. Wir fahren einen Fiat Talento-Kastenwagen mit kurzem Radstand. Angetrieben wird er von einem 1,6 Liter EcoJet TwinTurbo-Motor mit 92 kW – insgesamt stehen drei weitere 1,6-Liter-Turbodiesel in den Leistungsstufen 70, 88 und 107 kW zur Auswahl. Doch unser Antrieb ist durchaus ausreichend: Er beschleunigt den Transporter mit guter Dynamik im Stadtverkehr wie auch auf der Autobahn. Allerdings merkt man auf der Teststrecke am Rand des Taunus bei Steigungen doch, dass unser Fahrzeug eine Testladung von rund 600 kg befördert. Man muss öfters zwischen den sechs Gängen wechseln. Die maximale Nutzlast der von uns gefahrenen Version beträgt sogar bis zu 1142 kg. Wer also in hügeligen Gegenden unterwegs ist, öfters schwere Ladung transportiert oder einen Anhänger zieht, der sollte eventuell doch den 107 kW-Motor wählen.

Komfortables, ruhiges Fahren

Sehr angenehm fallen bei dem neuen Mitglied der Fiat-Transporter-Familie die geringen Fahrgeräusche auf: Vom Motor hört man wenig, auch wenn es bergauf geht oder man ordentlich beschleunigt, auch Abrollgeräusche und der Fahrtwind stören nicht. Überhaupt fühlt man sich in der Fahrerkabine sehr wohl: Der Talento bietet eine großzügige Innenraumbreite, große Fenster vermitteln ein offenes Raumgefühl. Die Anordnung von Lenkrad und Bedienelementen sorgt dafür, dass auch längere Fahrten entspannter und sicherer vor sich gehen. Schick wirkt die Innenraumausstattung unseres Wagens durch die Kombination von Elementen in „Living-Braun“ mit schwarz-braunem Armaturenbrett und schwarzer Hochglanzverkleidung. Praktisch ist auch das „mobile Büro“, das einen klappbaren Beifahrerdoppelsitz mit Ablagefläche, ein Klemmbrett, sowie ein Staufach unter dem Sitz umfasst. Ein nettes Detail ist der „ViewPlus“-Spiegel auf der Sonnenblende des Beifahrers: Er reduziert den toten Winkel und verbessert die seitliche Sicht.

Ordentlich Laderaum auch mit kurzem Radstand

Das Ladevolumen unseres Testwagens beträgt 5,2 m³. Eine Stahltrennwand schottet den Laderaum von der Fahrerkabine ab. Auch hier findet sich wieder ein pfiffiges Detail: Öffnet man die sogenannte „CargoPlus“-Klappe in der Trennwand, so können lange Gegenstände bis unter den Beifahrersitz durchgeschoben werden. Damit lassen sich bis zu 3,75 m lange Bauteile transportieren. Allerdings ist die Klappe recht klein – mehr als drei vier Balken können nicht dadurch geschoben werden, eine Leiter würde zum Beispiel nicht passen. Grundsätzlich ist der Zugang zum Laderaum dank der ausgeprägten Rechteckform und der bis zu einem Winkel von 255 Grad öffnenden Hecktüren komfortabel. Die Ladekante ist nur 0,552 m hoch, die seitliche Schiebetür bis zu 1,03 m breit. Unser Testwagen ist zudem noch mit einer optionalen zweiten Schiebetür ausgestattet.

Sinnvolle Assistenzsysteme

Auch bei den Assistenzsystemen geizt der Fiat nicht: Serienmäßig an Bord sind unter anderem Bremsen-ABS komplett mit elektronischer Bremskraftverteilung und Notbrems­assistent sowie eine elektronische Fahrstabilitätskontrolle inklusive Berganfahr-Hilfe und Traktionskontrolle. Wer oft mit Anhänger unterwegs ist, sollte zusätzlich das Anhängerstabilisierungssystem ordern. Es bringt im Notfall Zugfahrzeug und Anhänger gleichzeitig durch Modulation der Motorleistung und gezieltes Abbremsen einzelner Räder unter Kontrolle. Unser Testwagen verfügt zudem über eine Rückfahrkamera, die ihr Bild auf einen Monitor im Rückspiegel überträgt.

Alles in allem hat Fiat mit dem Talento einen Transporter im Portfolio, mit dem das Unternehmen tatsächlich die Chance hat, neue Kunden zu gewinnen. Das Fahrzeug macht in der Summe einen guten Eindruck, ist komfortabel und bietet hohen Nutzwert. Der Basispreis unseres Testwagens mit der SX-Ausstattung (Optik-Paket, Bluetooth, Mobil-Office-Beifahrerdoppelsitzbank usw.) liegt bei 27.230 Euro (zzgl. MwSt.).