Der Lohn ist ein besonderer Beruf

Der Weg zum „Mechatroniker/-in für Kältetechnik“ – Teil 4

Das vierte und gleichzeitig letzte Lehrjahr steht auch im Zeichen der Prüfungsvorbereitung. Hinzu kommt ein wachsendes Maß an Eigenverantwortung bei der Arbeit. Ist mit der Gesellenprüfung Teil 2 aber die letzte Hürde genommen, winkt ein äußerst abwechslungsreicher und gut dotierter Handwerksberuf mit besten Zukunftsaussichten.

Rund 1000 Auszubildende im Beruf Mechatroniker für Kältetechnik traten in Deutschland im vergangenen Jahr zu ihrer Gesellenprüfung Teil 2 an. Einer von ihnen heißt Florian Städtgen. Und er hat es geschafft. Seit Januar 2018 zählt er zu den 23 Gesellen, die in Thüringen frei­gesprochen wurden – darunter übrigens auch drei junge Frauen. „Frei- oder auch Lossprechung“ nennt man im Handwerk den feierlichen Akt, der gleichzeitig das Ende der 3,5-jährigen Lehrzeit bedeutet. Zu diesem Anlass kamen neben Florian Städtgen noch einmal alle erfolgreich geprüften Auszubildenden, ihre Ausbilder, die Berufsschul- und Fachlehrer gemeinsam mit Vertretern des Gesellenprüfungsausschusses an der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Harztor zusammen. Es ist immer der Höhepunkt eines Ausbildungsjahrgangs, verbunden mit der Gesellenbriefübergabe. Anschließend startet jeder seinen Weg ins Berufsleben.

Guter Nachwuchs ist sehr gefragt

Für Florian Städtgen bleibt aber erst einmal alles beim Alten. Seine Reifezeit erlebte er bei der Klaus Töpfer GmbH im Thüringischen Bad Salzungen. Dort wird er auch bleiben. Und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? „Eigentlich wollte ich einmal studieren“, erinnert sich der 21-jährige zurück. „Während meines Fachabiturs im Verwaltungssektor wurde mir aber klar, dass ich nicht weiter in einem Büro sitzen werde, sondern Abwechslung brauche und auch gerne unterwegs sein möchte.“ Seinen Ausbildungsbetrieb fand er dann über Bekannte und machte zunächst ein freiwilliges Praktikum. Dann unterschrieb er seinen Vertrag. „Es war tatsächlich Zufall und glückliche Fügung zugleich. Denn von Kälte-Klima-Fachbetrieben hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört, Geschweige denn, was für spannende Arbeiten damit verbunden sind. Mein jetziger Beruf machte mir aber vom ersten Tag an sehr viel Spaß und die Ausbildungszeit konnte ich in einem tollen Unternehmen mit hilfsbereiten Kollegen absolvieren.“

Auch Olaf Töpfer ist stolz auf seinen neuen Gesellen. „Für mich war bald klar, dass ich Florian gerne übernehmen würde. Er war schon in der Ausbildungszeit sehr wissbegierig und auch fleißig. Das ist eine notwendige Grundvoraussetzung, um im Handwerk zu bestehen. Besonders dann, wenn es um ein anspruchsvolles Vollhandwerk gemäß Anlage A der Handwerksordnung wie das unsere geht.“ Olaf Töpfer weiß genau, wovon er spricht. Zu seiner geschäftsführenden Tätigkeit eines mittelständischen Unternehmens mit 30 Mitarbeitern kommen noch Aufgaben im Gesellenprüfungsausschuss der Landesinnung Kälte-Klimatechnik Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg hinzu. In dieser Funktion hat er seit vielen Jahren einen guten Überblick über die Nachwuchssituation und die damit verbundenen Herausforderungen. „Zeitweise hatten wir vier Lehrlinge über alle Lehrjahre hinweg. Derzeit sind es zwei, weil kaum mehr Bewerbungen direkt auf meinem Schreibtisch landen. Es gibt aber nicht nur bei uns in Thüringen wachsende Nachwuchsprobleme, sondern überall in Deutschland.“ Töpfer geht darum hinaus in Haupt- oder Realschulen, stellt seinen Beruf vor, hat dafür eine funktionstüchtige Kleinkälteanlage mit dabei. „Es geht nur noch so. Denn leider ist der Bekanntheitsgrad unseres Handwerks tatsächlich noch immer viel zu gering“, mahnt er mit Blick auf die Zukunft.

Das letzte Lehrjahr

Wurde von einem handwerksorientierten Jugendlichen aber der Weg zum Kälteanlagenbau eingeschlagen, dann fordert jedes Lehrjahr seine individuellen Schwerpunkte. Die „Verordnung über die Berufsausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik“ und der Rahmenlehrplan für diesen Ausbildungsberuf legen dafür alles genau fest. Angekommen im vierten Lehrjahr, ist das meiste abgehandelt. Neben der täglichen Arbeit geht es in den dann noch ausstehenden sechs Monaten vor allem um die Prüfungsvorbereitung. Das betrifft die Theorie, aber auch die Praxis. Jetzt heißt es vor allem, noch an handwerklichen Defiziten zu arbeiten. Denn kein Kälte-Klima-Fachbetrieb oder Indus­trieunternehmen deckt das breit gefächerte Tätigkeitsspektrum im Kälteanlagenbau komplett ab, um wirklich alles zu schulen.

So auch im Unternehmen Töpfer. Es besteht seit der Wende. 1990 gegründet, hatte das damalige Geschäft zur Zeit des Wiederaufbaus noch viel mit gewerblichen Kälteanlagen für kleine Verkaufsstellen und für die Lebensmittelkühlung zu tun. „Dann kamen Großanbieter/-anlagenbauer und drängten kleinere Betriebe aus diesem Markt. Seit 2010 gibt es bei uns praktisch keine Neugeschäfte mehr im Lebensmitteleinzelhandel“, erinnert sich Olaf Töpfer. „Derzeit steigt allerdings wieder die Nachfrage. Heute installieren wir überwiegend Klimatechnik, dazu Industrie- und Prozesskälte mit Kaltwasser, Datacenter-Kühlung, teilweise auch Wärmepumpen. Darum sind Lehrlinge bei uns schon früh mit auf Montage. Denn Klimaanlagen sind ein bundesweites Projektgeschäft.“ Dabei lernen Auszubildende, was Montagetechniken anbelangt, wie Kabel gezogen, Rohre verlegt und verlötet werden, was es braucht, ein solches „fertiges“ System komplett zu installieren. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: „Bei uns gibt es heute fast keinen Werkstattbetrieb wie vor zehn Jahren mehr, als wir Verbund- oder Kleinkälteanlagen noch komplett selbst gefertigt haben“, merkt Olaf Töpfer an. „Darum sind wir sehr froh über die überbetriebliche Lehrunterweisung (ÜLU) an der Bundesfachschule in Harztor oder im hessischen Maintal, bei denen unseren Lehrlingen zusätzliches handwerkliches Rüstzeug mitgegeben wird. Will oder muss ein Prüfling dazu noch das eine oder andere vertiefen, dann zeigen wir natürlich alles nach Feierabend oder auch am Wochenende. Aber er muss schon eigeninitiativ sein und auch nachfragen.“

Das bestätigt Florian Städtgen. „Das halbe Jahr vor der Abschlussprüfung habe ich viel gelernt und wiederholt, habe auch privat einiges an Zeit investiert. Es ist tatsächlich viel Vorbereitung notwendig. Es braucht ein gewisses Maß an Eigenmotivation, und auch Selbständigkeit ist dann schon sehr wichtig. Denn neben der Prüfungsvorbereitung geht das Tagesgeschäft ja weiter. Auf der Baustelle begegnest du dann anderen Handwerksgesellen oder Lehrlingen, musst erste Entscheidungen treffen und schon mal deinen Mann stehen. Aber mir machte das nichts aus, im Gegenteil. Und als es an die Prüfung ging, half mir mein Chef immer, wenn es noch die eine oder andere Frage gab. Das ist wichtig und besser einmal zuviel, als einmal zuwenig fragen. Ich fühlte mich gut vorbereitet, habe aber auch einiges dafür getan.“ Mit Erfolg!

Die Gesellenprüfung

Die abschließende Gesellenprüfung Teil 2 fordert einiges an Wissen. Außerdem gibt es ein Zeitlimit, das manch einem zu schaffen macht, wie der Gesellenprüfungsausschussvorsitzende Olaf Töpfer weiß. „Es gibt in der Prüfung tatsächlich alles zu erleben. Und gerade die Vorbereitung auf die Theorie hat in den letzten Jahren gelitten. Technisch sind die meisten aber gut vorbereitet, haben höchstens ein Zeitproblem beim Bau der geforderten Anlage. Übung macht einfach den Meister, darum rate ich jedem Auszubildenden, auf seinen Ausbilder zuzugehen, wenn er das Gefühl hat, noch etwas ausprobieren zu müssen, um auf die Prüfung optimal vorbereitet zu sein.“ Und wenn es an der Theorie hängt, lieber um eine Freistellungswoche bitten, um sich in Ruhe gut vorzubereiten und um den ganzen Stoff nochmals zu wiederholen. Das ist nämlich möglich, wie Olaf Töpfer verrät.

Tatsächlich ist die Ausbildung nicht einfacher geworden. Seien es neben der Technik auch die vielen neuen Kältemittel und damit verbundene Systemvarianten, oder Normen, Gesetze und Verordnungen, immer mehr Elektro- und Regelungstechnik, Inverteranlagen, Funknetzwerke und so weiter. Neben der Mechanik und Thermodynamik geht es häufig um elektronisches Verständnis, bis hin zu Software und den Umgang mit Laptop, Smartphone zur Ferndiagnose als Rüstzeug des Kälteanlagenbauers. „Allerdings kommt das immer mehr jungen Menschen schon wieder entgegen, wenn sie sich nämlich für derartiges schon privat interessieren“, erklärt Olaf Töpfer. „Für unsere Situation ist das von Nutzen. Denn tatsächlich funktioniert heute kein großes Klimasystem für bis zu 100 Inneneinheiten mehr, ohne die Notwendigkeit zu programmieren, oder das Verständnis für die mitgelieferten Maintenance-Tools.“ So hat sich das Handwerk in den letzten Jahren sehr gewandelt, der Titel „Mechatroniker“ ist treffend gewählt. Teil 2 der Gesellenprüfung steht dann ganz im Zeichen dieser Prüfungsbereiche:

Kundenauftrag (10 Stunden) + Fachgespräch (20 Minuten)

Kälte- und Klimatechnik (4 Stunden)

Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)

Mit unterschiedlich starken Gewichtungen. „Es geht los mit der Theorie in den drei Prüfungsbereichen“, erinnert sich Florian Städtgen zurück. „Die folgenden beiden Tage stehen dann im Zeichen der Praxis. Anhand der Materialliste war schon zu erahnen, was für eine Anlage gebaut wird, aber es gab noch eine Sonderaufgabe. Dafür musste der Schaltschrank umverdrahtet werden.“ Tatsächlich war die Zeit sehr knapp. So setzte Städtgen seine Priorität auf die Funktionstüchtigkeit der Anlage, was gelang. Und auch ohne die Sonderaufgabe reichte sein Gesamtprüfungsergebnis für einen guten Abschluss.

Start ins Berufsleben

„Ich bin sehr froh, weiter bei der Firma Töpfer bleiben zu können“, freut sich der junge Mechatroniker für Kältetechnik. „Jetzt will ich erst einmal in die Arbeit einsteigen.“ Er hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, was in ein paar Jahren sein wird, will jetzt Erfahrungen sammeln. Ob dann der Meister oder Techniker noch anstehen könnten, dass wird die Zeit zeigen. Auch sein Chef merkte, dass sich der Junge tüchtig und geschickt anstellt. „Er passt ideal in die langfristige Personalplanung, wurde gerne übernommen.“ Tatsächlich zeigt sich oft erst im Laufe der 3,5 Ausbildungsjahre, wohin der Weg führen kann. Ob jemand lieber im Feld arbeitet, Anlagen plant, Wartung und Service macht, oder vielleicht auch gewillt ist, Verantwortung zu tragen, um als Meister später selbst einen Betrieb zu gründen.

Davor steht aber das Sammeln von Erfahrungen. „Ich rate dringend, erst einmal zwei bis drei Jahre nach der Lehre zu arbeiten. Wer gleich seinen Meister aufsattelt, wird große Probleme bekommen, da jede praktische Erfahrung fehlt“, mahnt Olaf Töpfer. „Auch in Sachen Akzeptanz gegenüber anderen, um Jahre älteren Gesellen kann es für zu junge Meister zu großen Problemen kommen. Und menschlich gesehen ist ein frisch gebackener Geselle in der Regel noch gar nicht soweit, die Anforderungen eines Meisters zu erfüllen. Denn dann muss man alles beherrschen, Markt und Technik kennen, Personal führen, ggf. in der Lage sein, eine Abteilung oder einen ganzen Betrieb zu leiten.“ Vieles davon gilt übrigens auch für einen eventuellen Wechsel in die Industrie oder zu einem Großhändler. „Dort hat man mit Kunden zu tun, die sofort merken, wenn jemand nicht sattelfest ist.“ Darum sind die Gesellenjahre im Kälteanlagenbauerhandwerk so wichtig und die beste Zeit, sich ein solides Fundamt aufzubauen. Dann hat man aber auf einen krisensicheren, abwechslungsreichen wie auch gut dotierten Handwerksberuf gesetzt. Und arbeitslose Mechatroniker für Kältetechnik gibt es nicht. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Überbetriebliche Lehrunterweisungen ÜLU (1 Woche)
Auszubildende im 4. Lehrjahr – KK4

Installieren von elektronischen Anlagenteilen der Kälte- und Klimatechnik⇥75%

Prüfen und Messen⇥15%

Planen und Steuern von Arbeitsabläufen⇥10%

NEU: Überbetriebliche Lehrunterweisungen ÜLU (1 Woche)
Auszubildende im 4. Lehrjahr – KK5

Grundlagen vor CO2-Kälteanlagen⇥25%

Instandsetzung und Wartung von CO2-Kälteanlagen ⇥20%

Montieren einer CO2-Anlage⇥35%

Umgang mit Propananlagen⇥20%

Lernfelder laut Rahmenlehrplan im 4. Lehrjahr (Berufsschule)

Bauen von kälte- und klimatechnischen Anlagen und Systemen⇥60 h

Instandhalten und Entsorgen von kälte- und klimatechnischen Anlagen⇥80 h

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