Exakte Temperaturregelung ist ein Muss

Wärmeträgereinsatz in der Schaumwein-Produktion

Rivarose ist der älteste und bedeutendste Hersteller von Schaumweinen der Provence. Mit Sitz in Salon-de-Provence im Departement Bouches-du-Rhône produziert das Unternehmen jedes Jahr 5 Mio. Flaschen Schaumwein. Hiervon werden 3,5 Mio. nach einer Gärung in Tanks in Flaschen umgefüllt. Im gesamten Produktionsprozess ist die Einhaltung exakter Temperaturen von großer Bedeutung. Dabei kam ein umweltfreundlicher Wärmeträger zum Einsatz.

Gegründet 1909, beschränkt sich die Firma Rivarose nicht nur auf die Vermarktung von Schaumweinen. Eine weitere Tätigkeit ist die Umwandlung von „stillen“ Weinen in schäumende Weine durch die Zugabe von Zucker und Hefe, die bei ihrer Gärung Kohlensäure freisetzen. Abhängig vom gewünschten Ergebnis setzt Rivarose ein traditionelles Gärverfahren (Flaschengärung) oder ein schnelleres Verfahren in Gärtanks ein.

Regelung der Temperatur

Erfolgt die Umwandlung des „stillen“ Weins in Flaschen, kann sich das Degorgieren, d. h. die Entfernung der Hefe nach der Gärung, als heikel erweisen. Damit die Flaschen problemlos ohne zu große Verluste degor­giert werden können, wird die Hefe im Flaschenhals konzentriert und das Hefedepot bei -20 °C durch Eintauchen des Flaschenhalses in ein Kältebad aus mit Glykol versetztem Wasser eingefroren. Beim Öffnen der Flaschen sind die Verluste an Wein und Kohlensäure minimal, da der Wein bei niedriger Temperatur nur wenig schäumt.

Die Gärung in Tanks ist ein viel schnelleres Gärver­fahren, aber auch sie erfordert eine präzise Regelung der Weintemperatur. Nicolas Quiles, Technischer Leiter und Önologe bei Rivarose, erklärt hierzu: „Über die Temperatur können wir den Gärprozess steuern und den Druck des Weins beim Abfüllen verringern. Auf diese Weise schäumt der Wein nicht, wenn er in Flaschen abgefüllt wird. Bei Raumtemperatur würde schon die kleinste Verunreinigung bewirken, dass der Wein reagiert und zu schäumen beginnt.“

Auswahl des Wärmeträgers ist stra­tegische Entscheidung

2016 hat die Firma Rivarose entschieden, ihre beiden Produktionswerke an einem einzigen Stand­ort in Salon-de-Provence zusammenzulegen. Rivarose beauftragte die Firma SMEF Azur, einen Spezialisten für thermische Anlagen, mit der Überprüfung der Rivarose-Kälteanlage, um die Kontinuität ihres Pro­zesses sicherzustellen.

In seinem Pflichtenheft formulierte das Unternehmen den Wunsch, weiterhin Mono­propylenglykol (MPG) einsetzen zu können, einer der im Lebensmittelbereich am häufigsten verwenden Wärmeträger. SMEF Azur wandte sich an Josiane Marin, Key Account Mana­ger bei Climalife (http://de.climalife.dehon.com), die ihm eine technologische und umweltfreundliche Alternative anbot: „Greenway Neo“.

Nach eingehenden Prüfung aller technischen Merkmale dieses neuartigen Wärmeträgers, der auf Basis von 1,3-Bio-Propandiol hergestellt wird, wandte sich Jean-Pierre Leplatre, der technische Leiter von SMEF Azur, an seinen Kunden und empfahl ihm, sich für diese neue und nachhaltige Lösung zu entscheiden. „Als Installateur haben wir auch die Aufgabe zu beraten. Für uns ist es wichtig, die technischen Entwicklungen zu verfolgen und die beste Lösung anzubieten“, erklärt der Installateur.

Niedrige Viskosität macht sich bezahlt

Mit „Greenway Neo“ kann die Umwelt geschützt und gleichzeitig der Energieverbrauch des Produktionss­tandortes spürbar verringert werden. Tatsächlich stellt Jean-Pierre Leplatre fest, dass, berücksichtigt man alle physikalischen Eigenschaf­ten der beiden Fluide, die Viskosität von „Greenway Neo“ bei den Betriebsbedingungen des Gärprozesses der Rivarose-Weine halb so groß ist wie die des MPG-Wärmeträgers. Somit liegt bei einer auf -20 °C zu regelnden Temperatur die Viskosität des MPG bei 80 cSt (Centistokes) gegenüber 40 cSt für „Greenway Neo“. Die Viskosität des Wärmeträgers hat aber einen enor­men Einfluss auf den Energieverbrauch der Anlage – ein wichtiger Vorteil für Rivarose.

Ursprünglich besitzt das Unternehmen ein Kälteagg­regat mit einer Leistung von 120 kW, das durch ein 200 kW-Aggregat ergänzt werden soll, um mit der Erhö­hung der Produktion am Standort Salon-de-Provence Schritt zu halten. Die Entscheidung für den neuen Wärmeträger machte es aus diesem Grund möglich, dass das vorhandene Kälteaggregat bleiben konnte und nur die Isolierung der Rohrleitungen verbessert werden musste. (Quelle: Climalife Contact #11)

Anlagenbeschreibung

Tanks mit 24.000 l Fassungsvermögen

20 Wärmetauscher

Kühlaggregat der Marke MTA mit 120 kW Leistung

8000 l „Greenway Neo“

Über „Greenway Neo“

Der Wärmeträger „Greenway Neo“ ist ein Produkt auf Basis des „Susterra“- Propandiols der Firma DuPont Tate & Lyle Bio Products LLC.  Das „Susterra“-Propandiol wird in einem Gärprozess im Einklang mit einer nachhaltigen Entwicklung aus erneuerbaren landwirtschaftlichen Ressourcen hergestellt.

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