Phase-Down für fluorierte Treibhausgase  

Studenten erforschen Folgen für Betreiber und Fachbetriebe

Im Rahmen der Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Kälte- und Klimasystemtechnik fertigen Studierende an der Bundesfachschule in Maintal im Laufe ihres letzten Semesters in Gruppen eine Projektarbeit an. Ziel dieser Arbeit ist es, Kompetenzen erwerben, um Aufgaben aus dem Bereich der Kälte-Klima-Technik selbständig analysieren, strukturieren und lösen zu können. Eine Projektarbeit widmete sich dem Thema F-Gase-Verordnung.

An der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Maintal (Hessen) wurde im Februar und März 2018 von einer Gruppe von Studierenden eine Projektarbeit zu dem Thema Phase Down gemäß F-Gase-Verordnung angefertigt.

Teil der Aufgabenstellung war es, die kurzfristigen und langfristigen Folgen des Phase Downs abzubilden. Um die aktuelle Situation und die Trends für die Zukunft besser erfassen zu können, wurde eine Befragung von Kältefachbetrieben und Betreibern von Kälteanlagen durchgeführt. Es wurden Fragebögen entwickelt, ausgewählten Betrieben zugesandt, ausgewertet und zu einem Ergebnis zusammengefasst. Bei der Wahl der Befragten wurde darauf geachtet, Betriebe verschiedener Größe und Spezialisierung zu kontaktieren, um ein Spektrum an verschiedenen Darstellungen zu gewinnen; jedoch kann diese Befragung nicht als repräsentativ für die gesamte Branche angesehen werden, da eine Umfrage dieser Größenordnung den Rahmen der Projektarbeit weit überschritten hätte. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

 

Befragung der Fachbetriebe

Die F-Gase-Verordnung (EU) Nr. 517/2014 betrifft die ganze Branche und bewirkt somit einen Wandel in all ihren Bereichen. Die Befragung ergab, dass ein Großteil der Bestandsanlagen immer noch mit den vor der F-Gase-Verordnung konventionell verwendeten Kältemitteln (wie z.B. R134a und R404A) befüllt ist. Durch diesen Umstand und den Einfluss des Phase Downs kommt es zu starken Preissteigerungen und Engpässen auf dem Kältemittelmarkt.

Das bewirkt, dass sich alle Fachbetriebe zwangsläufig mit der F-Gase-Verordnung auseinandersetzen müssen, um ihre Kunden auch zukünftig kompetent betreuen zu können. Daher wurde die Frage gestellt, seit wann und in welchem Ausmaß sich die befragten Betriebe bislang mit der Verordnung auseinandergesetzt haben. Die meisten der Befragten antworten, dass sie sich seit dem Inkrafttreten der Verordnung mit dieser befassen, ein kleiner Teil der Unternehmen gibt an, dass sie Schwierigkeiten haben, sich ausreichend über die Verordnung zu informieren, und ein weiterer Teil der Befragten, vor allem größere Unternehmen, die besonders gut vernetzt sind, geben an, sich schon seit langem aktiv mit der Verordnung auseinanderzusetzen.

Letztere haben in Folge dessen kaum Probleme, sich mit der aktuellen Marktlage zurechtzufinden, da sie bereits entsprechende Strategien entwickelt haben. Ein wirkliches Problem ergibt sich bei den Unternehmen, die bislang Schwierigkeiten haben, sich in ausreichenden Maß mit den Gegebenheiten vertraut zu machen; diese Unternehmen verlieren wertvolle Zeit, da ihnen ein Ansatz für die Umsetzung der neuen Verordnung fehlt.

Aus diesen Antworten lässt sich ableiten, dass entsprechende Informationskanäle zur F-Gase-Verordnung entweder nicht ausreichend waren oder nicht wahrgenommen wurden. Kältefachbetriebe bemängeln die fehlenden Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Verordnung und die daraus erfolgende Umsetzung in der Praxis. Es ist erkennbar, dass Informationen in der aktuellen Situation einen besonderen Stellenwert einnehmen. Das schließt nicht nur Informationen über die F-Gase-Verordnung und deren Verlauf ein, sondern auch Informationen über Kältemittelalternativen, allgemeine technische Neuerungen und das benötigte Know-how zur Umsetzung. Wichtig ist auch, dass man die Neuerungen, die sich aus diesen Informationen ergeben, auch an die Kunden weitertragen muss, da es die Kunden sind, die letztendlich entscheiden, welche Maßnahmen an ihren Anlagen durchzuführen sind.

Hieraus ergeben sich gleich mehrere Fragen, die den Befragten gestellt werden und deren Antworten jeweils eine starke Auswirkung auf deren Geschäftspraxis haben.

Wie informiert man sich als Fachbetrieb ausreichend über technische Neuerungen, Kältemittelalternativen, und wie gewinnt man das erforderliche technische Know-how zur Umsetzung? Diese Fragen werden sehr unterschiedlich beantwortet, da hier die Unternehmensgröße und die Unternehmenspolitik maßgebliche Rollen spielen. Somit gibt es also unterschiedliche Ansätze, sich mit den einzelnen Bereichen zu beschäftigen. Wer ist im Unternehmen für die Umsetzung verantwortlich; nur die technische Leitung, die Mitarbeiter, die man speziell dazu beauftragt oder jeder einzelne Mitarbeiter? Zudem stellt sich die Frage, auf welchem Wege die Neuerungen innerhalb des Unternehmens kommuniziert werden. Es bietet sich an, alle Mitarbeiter in diesen Prozess mit einzubinden, da sich verschiedene Vorteile daraus ergeben:

Dadurch, dass alle Mitarbeiter mit der Thematik befasst sind, kann ein Dialog zwischen den Mitarbeitern entstehen, der es ermöglicht, bessere Abwägungen zu treffen und diese auch besser in Betriebsabläufe zu integrieren.

Sind alle Mitarbeiter gut informiert, fällt es leichter, den Kunden gegenüber kompetent aufzutreten.

Weiterhin muss abgewogen werden, wie viele Ressourcen man einsetzen möchte, um auf dem Laufenden zu bleiben, da dieser Punkt unter anderem darüber entscheidet, welche Methoden eingesetzt werden können. Besonders aufwendige Methoden zur Informationsgewinnung sind zum Beispiel eigene Forschungsarbeiten oder die Umsetzung von Projektanlagen. Für durchschnittliche Fachbetriebe eignen sich dagegen eher der Besuch von Schulungen, Seminaren und Veranstaltungen (z.B. Messen), aber auch das Lesen von Fachzeitschriften, Internetrecherchen oder Anfragen an Lieferanten, Komponentenhersteller oder Bildungseinrichtungen.

Die gewonnenen Informationen helfen bei der Abwägung, wie in der Praxis weiter zu verfahren ist.

Eine Schüsselrolle nimmt der Kunde ein. Wie aufgeschlossen reagiert er auf die Situation, in der sich die Kältebranche befindet? Wie gut ist er informiert? Und für den Fall, dass der Kunde bisher keine Information zu dem Thema zur Verfügung hatte: Wie informiert man ihn am besten? Auf die Frage, wie gut der Informationsstand der Kunden zur Kältemittelsituation ist, geben die meisten Unternehmen an, dass ihre Kunden nur schwer Zugang zu der Thematik finden. Die Aufgabe, den Betreiber über die Verbote und Einschränkungen beim Einsatz fluorierter Treibhausgase zu informieren und zu sensibilisieren, verbleibt damit in den meisten Fällen beim Kälte-Klima-Fachbetrieb.

Durch die Tatsache, dass der Kunde seinen betreuenden Fachbetrieb Vertrauen schenken muss und die finanzielle Belastung dabei auch eine große Rolle spielt, ist es also wichtig, Neuerungen gut zu kommunizieren und gemeinsam mit dem Kunden Abwägungen zu treffen.

Einige der zu treffenden Abwägungen sind, ob Bestandsanlagen mit technischem Aufwand auf ein anderes Kältemittel umgestellt werden oder durch Neuanlagen ersetzt werden sollten. Wenn ja, welches Kältemittel soll dabei zum Einsatz kommen? Darf es eine Übergangslösung sein, damit mehr Zeit bleibt abzusehen, wie sich der Markt entwickelt? Möglich wäre auch die Nutzung eines natürlichen bzw. synthetischen Kältemittels, welches unter Umständen brennbar ist, oder dann doch lieber abwarten und hohe Preise für das Nachfüllen von „alten“ Hoch-GWP-Kältemitteln in Kauf nehmen, unter dem Risiko, dass diese dann wegen des Phase Downs nicht wie erwünscht verfügbar sind?

Auf die Frage hin, ob ein brennbares Kältemittel zur Verwendung kommen soll, sind die Meinungen der befragten Fachbetrieben sehr unterschiedlich. Während ein Teil den Einsatz dieser befürwortet, wird deren Verwendung von verschiedenen Fachbetrieben eher kritisch betrachtet. So sind die mangelnde Erfahrung im Umgang mit diesen, Bedenken bei der Sicherheit sowie Fragestellungen rechtlicher Natur Gründe, den Einsatz von brennbaren Kältemitteln erst einmal kategorisch abzulehnen.

Das sind viele offene Fragen. Um diese in Zusammenarbeit mit dem Kunden besser bearbeiten zu können, werden von den befragten Fachbetrieben verschiedene Informationswege genutzt. Neben dem Verteilen von Flyern und Broschüren oder dem Versand von Newslettern werden Fachgespräche geführt, wird zu Informationsveranstaltungen oder Workshops einladen und auch auf entsprechende Quellen verwiesen.

 

Befragung der Betreiber von Kälteanlagen

Wie bereits aus dem Ergebnis der Befragung der Kältefachbetriebe hervorgeht, nimmt die Seite der Betreiber im Bezug auf die F-Gase-Verordnung den wichtigsten Platz in der Betrachtung ein. Um die aktuelle Situation besser bewerten zu können, mussten in Bezug auf die aktuelle Lage unterschiedliche Fragestellungen betrachtet werden. Um eine Gesprächsbasis zu schaffen, wurde zunächst erfragt, ob und inwiefern die Befragten über die F-Gase-Verordnung informiert sind. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die meisten kleineren Betriebe nur sehr schlecht oder kaum über die Verordnung informiert sind, die größeren Unternehmen jedoch umfassend von ihrem betreuenden Unternehmen (Kälte-Klima-Fachbetrieb) unterrichtet wurden. Außerdem lässt sich aus diesen Antworten ableiten, dass einige Fachbetriebe keine oder nur wenig Informationsarbeit geleistet haben.

Die Anlagen der befragten Betreiber reichen von kleinen Getränkekühlapparaten über kleine und große Kühlanlagen für Metzgereien bis zu großen Verbundanlagen für Supermärkte.

In den Kreisläufen wurden hauptsächlich die Kältemittel R134a und R404A sowie R407C eingesetzt. Hier ist anzumerken, dass der Supermarkt im Verlauf der Projektarbeit mit einer neuen Anlage mit CO2 als Kältemittel ausgestattet wurde.

Sollten Eingriffe in bestehende Anlagen oder ein größerer Umbau der Anlagen erforderlich sein, kann es zu Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen Anlagenbetreiber und Fachbetrieb kommen, besonders bei der Wahl der Maßnahmen. Hier muss der Fachbetrieb ausführlich erklären, aus welchem Grund er wie vorgeht, da der Betreiber in Bezug auf seine Anlage langfristig planen muss und kurzfristige Lösungen oftmals nicht gewünscht sind. Jedoch ist die Art der Vorgehensweise oftmals davon abhängig, wie gut der jeweilige Anlagenbetreiber auf die Folgen der F-Gase-Verordnung vorbereitet ist und damit auch die entsprechenden Rücklagen gebildet hat. Ein weiteres Problem ist es, eine entsprechend langfristige Lösung zu finden, da sich gegenwärtig die Meinungen, wie man zukunftssichere Anlagen erstellt, auseinander bewegen. Bei der Auswahl des einzusetzenden Kältemittels muss den Betreibern verständlich gemacht werden, welche Vor- und Nachteile unterschiedliche Kältemittel und Anlagenaufbauten haben. Allerdings gibt es bei einigen Betreibern bereits konkrete Pläne zur Umsetzung zur technischen Erneuerung der Kälteanlagen.

Die Meinungen über die Verschärfungen der Gesetzgebung durch die F-Gase-Verordnung von 2014 sind unterschiedlich. Einige Betreiber fühlen sich teilweise als nicht von ihr betroffen. Andere kritisieren zu kurze Planungszeiträume, um mit der Situation gut umgehen zu können. Für solch hohe Investitionskosten benötige man mehr Vorlaufzeit. Eine weitere Meinung ist, dass man sich der Umwelt verbunden fühle und Gesetze zum Klimaschutz respektiere, das aber nicht zu jedem Preis.

Es wurde weiterhin kritisiert, dass Zwischenlösungen (fluorierte Treibhausgase mit niedrigerem GWP-Wert) keine langfristige Perspektive böten und aus diesen Gründen nicht umgesetzt werden sollen. Einzelne Befragte äußerten sich negativ zur gesetzlichen Veränderung, da es immer mehr Regulierungen gäbe, die schwierig umzusetzen seien.

 

 

Fazit

Aus diesen Befragungen und weiteren Teilen der Projektarbeit geht folgendes Fazit hervor:

Durch den Phase Down befindet sich die Branche im Wandel, Fachbetriebe und Betreiber von Kälte- und Klimaanlagen sind gleichermaßen betroffen. Starke Preissteigerungen und kommende Verbote von Kältemitteln verursachen zum einen Verunsicherung, fördern aber andererseits Neuentwicklungen. Dieser Aspekt fordert von den Fachbetrieben Flexibilität und die Fähigkeit, sich dem neuen Marktgeschehen anzupassen.

Ein Ergebnis dieser Projektarbeit ist die Wichtigkeit Informationen zu sammeln, sich weiterzubilden, Informationen zu verarbeiten und gewonnene Erkenntnisse in den eigenen Betriebsablauf zu integrieren. Dabei sollte jede verfügbare Quelle genutzt werden. Auch die Art, auf der man alle Neuerungen kommuniziert, sei es mit eigenen Mitarbeitern oder Kunden, gewinnt zunehmend an Wichtigkeit.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass es für die meisten Anwendungen von Kälte- und Klimatechnik Ersatzkältemittel gibt. Jedoch ist es für die Fachbetriebe erforderlich, sich sehr ausführlich mit diesen auseinanderzusetzen. Aktuell gehandelte Kältemittelalternativen haben in den meisten Fällen Eigenschaften, die für oder gegen sie sprechen können. In die Abwägung sollte unter anderem der GWP, die Sicherheit, die Leistungsfähigkeit und, in Verbindung mit den vorher genannten Punkten, auch die Meinung des Betreibers einfließen. Dabei ist immer Teil der Überlegung, ob man eine Übergangslösung oder eine Langzeitlösung anstrebt.

Eine zusätzliche Erkenntnis ist, dass die Vorgaben, nach denen gearbeitet wird, immer einem Wandel unterliegen. Diese Vorgaben und deren Auswirkungen richten sich nach dem politischen Geschehen, der Umsetzbarkeit, der Akzeptanz und deren Bekanntheitsgrad. Eine gewerkübergreifende Regulierung wie der Phase Down, der in erster Linie dem Klimaschutz dienen soll, hat seine Vor- und Nachteile. Leider kommt der Phase Down nur sehr langsam in den Köpfen der Betroffenen an, unter anderem auch, weil die Öffentlichkeitsarbeit seitens Behörden und Ministerien gegenüber Betreibern zu wünschen übrig lässt. Zusätzlich sind in einigen Bereichen vollständige technische Lösungen noch ausstehend.

Abschließend lässt sich sagen, dass ein sicherer Weiterbetrieb der Kälte- und Klimaanlagen nur dann gewährleistet ist, wenn Fachbetriebe und Betreiber vor dem Hintergrund des Phase Downs vorausschauend planen und handeln. Um das zu ermöglichen, sind die verschiedenen Problemstellungen in guter Kooperation mit allen Beteiligten – Fachbetrieben, Anlagenbetreiber, Komponentenhersteller, Lieferanten und Politik – gemeinsam zu behandeln.

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