VDKF-Mitgliederversammlung in Timmendorfer Strand

Smarte Kälte und die „Bonner Stimme“

VDKF-Mitgliederversammlung in Timmendorfer Strand

1998 veranstaltete der VDKV seine Mitgliederversammlung in Husum. 19 Jahre später hatte der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe mit Timmendorfer Strand erneut einen Ort in Schleswig-Holstein für sein Jahrestreffen gewählt. Parallelen gibt es auch bei den Themen: Damals wie heute ging es dabei auch um das Thema Kältemittel – 1998 um den R12-Ausstieg, heute ist es die F-Gas-Verordnung. Aber auch die Kooperation mit dem BIV stand gut 20 Jahre später erneut auf der Tagesordnung.

Timmendorfer Strand – mit dem Ostseebad hatte der VDKF (www.vdkf.de) einen attraktiven Standort für seine diesjährige Mitgliederversammlung am 12. Mai 2017 gewählt. Aber trotz der reizvollen Kulisse, einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm, einem Seminar am Vortag der Versammlung und wichtigen Branchenthemen auf der Tagesordnung hatten sich wieder nur gut 60 Mitglieder eingefunden, um sich aus erster Hand zu informieren. Ein Vergleich zur erwähnten Versammlung 1998 in Husum: Damals waren 123 stimmberechtigte Mitglieder erschienen. Doch die Zeiten, in denen es für viele quasi Pflicht war, eine Verbandsmitgliedschaft auch durch die persönliche Teilnahme bei den Versammlungen mit Leben zu füllen, scheinen unwiederbringlich vorbei. Die, die nach Timmendorfer Strand gekommen waren, werden die lange Anreise im Nachhinein sicher nicht bereut haben, denn die Verbandsführung hatte viele wichtige Themen vorbereitet.

 

„SuperSmarte“ Kältetechnik

Bevor es um verbandsinterne Punkte ging, sorgte eine Expertenrunde mit dem Thema „SuperSmart – die neue Kältetechnik“ für eine informative und unterhaltsame Abwechslung. Friedhelm Meyer (Cool Expert), Lars Bluhm (Danfoss), Dr. Heinz Jürgensen (Bitzer) und Egon Schrezenmaier als Vertreter des Anlagenbaus diskutierten unter der Moderation von VDKF-Präsident Wolfgang Zaremski über Herausforderungen der Zukunft für das Kälteanlagenbauerhandwerk. In seinem Eröffnungsvortrag sorgte Friedhelm Meyer gleich für den nötigen Zündstoff für die anschließende Podiumsdiskussion, indem er große Unternehmen wie Chemours, Honeywell, Epta, Carrier und Viessmann mit Seerosen verglich, die ihren Teich – sprich unsere Branche – dominieren würden und ihm sämtliche Nährstoffe entzögen. Das Kälteanlagenbauerhandwerk – sprich die übrige Flora im Teich, um in der Metapher zu bleiben – könne neben den in der Biologie als „Starkzehrern“ bezeichneten Seerosen nur schwer bestehen. Er sah für das Handwerk nur eine Chance auf künftige Eigenständigkeit, wenn es sich auf seine Stärken besinne und mit seinem kältetechnischen Know-how im Bereich der natürlichen Kältemittel punkte. Mit dem „Blue Cool Concept“ seines Unternehmens hatte er zumindest für den Supermarktbereich ein passendes technisches Konzept in der Tasche, von dem (neben seiner Firma) auch das Handwerk profitieren kann. „SuperSmart“ im Sinne von „smart = schlau“ mag dieser Ansatz sicher sein, aber ob sich die doch recht komplexe Technik bei Betreibern durchsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt. Dr. Jürgensen hielt auch entgegen, dass sich aus seiner Sicht statt komplexer Systeme eher einfache, vernetzte (smarte) Lösungen durchsetzen würden. Dies stieß wiederum im Auditorium auf Widerspruch: „Wenn zu einfache Systeme zum Einsatz kommen, kann das auch ein Heizungsbauer installieren. Wir dürfen uns nicht zu Erfüllungsgehilfen degradieren lassen“, war von einem VDKF-Mitglied zu hören. Im Folgenden wurde die Diskussion leider etwas fahrig; zu viele Aspekte wurden ergebnislos nur kurz andiskutiert, das eigentliche Thema „SuperSmart“ im Sinne von vernetzten, intelligenten Systemen nahezu komplett aus dem Blick verloren. An Unterhaltungswert mangelte es der Runde dabei zumindest nicht.

 

Josef-Biber-Haus in neuem Glanz

Der VDKF-Verbandssitz in Bonn – das Josef-Biber-Haus – wurde in den vergangenen Monaten aufwändig saniert. VDKF-Geschäftsführer Norbert Hengstermann konnte auf der Versammlung berichten, dass die Umbaumaßnahmen weitestgehend abgeschlossen seien. Dabei sei man komplett im geplanten Kostenrahmen geblieben. Jetzt stünden nur noch einige Arbeiten im Eingangs- und Außenbereich an (Impressionen von den Baumaßnahmen finden sich unter www.josef-biber-haus.de). Dem Einzug des BIV steht nun nichts mehr entgegen. Der Mietvertrag sei unter Dach und Fach und man freue sich auf die intensivere Zusammenarbeit, betonte Wolfgang Zaremski. 1998 in Husum hatte es diese Situation übrigens schon einmal gegeben (siehe Editorial). Auch damals hatten VDKF und BIV entschieden, die Geschäftsstellen unter einem Dach zu vereinen. Man darf (wohl zu Recht) hoffen, dass die Ehe dieses Mal länger halten wird und dass es nicht eine reine Wohngemeinschaft bleibt. Die Anzeichen hierfür stehen gut. Das zeigt zum Beispiel die Entscheidung, dass VDKF und BIV den Branchen- und Betriebsvergleich 2017 erstmals gemeinsam durchführen wird. Die Teilnahme hieran ist kostenlos. Jeder Teilnehmer erhält anschließend einen Ergebnisband. Eine individuelle Auswertung und Kommentierung für den eigenen Betrieb ist hingegen kostenpflichtig (500 Euro). Je mehr Fachfirmen teilnehmen, umso aussagekräftiger wird das Ergebnis. Dies gilt auch für die derzeit laufende Konjunkturumfrage, für die der VDKF noch um weitere Teilnehmer warb.

 

Wachsende Mitgliederzahl

Wolfgang Zaremski und Norbert Hengstermann berichteten weiterhin über zahlreiche Themen, die den VDKF derzeit beschäftigen bzw. im vergangenen Jahr beschäftigt haben. Zudem standen die üblichen Vereinsformularien auf der Tagesordnung. Aufgrund der Fülle der Punkte seien diese im Folgenden nur stichpunktartig erwähnt:

Die VDKF-Mitgliederzahlen entwickeln sich positiv. 2016 kamen 48 neue Firmen hinzu, sodass die 1000er-Marke bald geknackt werden kann.

Das Jahr 2016 wurde mit einem positiven Haushalt abgeschlossen.

Die Vize-Präsidenten Reinhard Jeschkeit und Kai-Michael Kuder wurden ohne Gegenkandidaten wiedergewählt.

Rolf Egly und André Knipping sind die alten und neuen Sprecher des VDKF-Verwaltungsrats.

Das Präsidium hat beschlossen, sich intensiver bei der Nachwuchsinitiative N.I.K.K.I. einzubringen.

Die LEC-Software wurde um eine sogenannte Betreiberbox erweitert. Betreiber mit nur wenigen Anlagen erhalten damit eine einfache Gesamtübersicht über alle Anlagen und deren Zustand.

Für die Zielgruppe der Betriebsnachfolger soll eine ERFA-Gruppe etabliert werden, in der die jungen Unternehmer auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet werden sollen.

Ende Oktober 2017 wird es in Brüssel eine Neuberechnung zu den Erfolgen bzw. Misserfolgen der F-Gas-Verordnung geben. Mit einer Revision ist dann 2018 zu rechnen. Der Ausgang ist ungewiss. Der VDKF hofft, dass es nicht zu einer weiteren Verschärfung kommen wird.

Der Antrag auf Fördermitgliedschaft eines großen Herstellers aus dem SHK-Bereich wurde seitens des VDKF abgelehnt.

Attraktives Rahmenprogramm

Zu einer VDKF-Versammlung gehört immer auch ein ansprechendes Begleitprogramm. Schließlich sind es nicht unbedingt die Fachthemen, sondern es ist das gesellige Miteinander, das das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärkt. Der VDKF-Landesvorsitzende Axel Schnoor und sein Stellvertreter Markus Storm hatten hier mit Unterstützung der Geschäftsstelle in Bonn ein tolles Angebot zusammengestellt. Neben einer Festveranstaltung im Grand Hotel Seeschlösschen in Timmendorfer Strand am 12. Mai mit dem spannenden Vortrag eines ehemaligen Geheimagenten gab es am 13. Mai einen Ausflug in die Hansestadt Lübeck mit Schifffahrt und Stadtführung.

Inhalte, Organisation und Location der VDKF-Mitgliederversammlung stimmten also – dies ist vielleicht ein Anreiz für die nicht erschienenen Mitglieder, im kommenden Jahr auch einmal persönlich zu erscheinen.

Der Termin für die nächste VDKF-Mitgliederversammlung steht schon fest. Diese findet am 20. April 2018 in Bonn statt. Dann haben auch alle Teilnehmer die Gelegenheit, das neue Josef-Biber-Haus zu begutachten.