Ein Hesse im Vorstand

BIV-Delegiertenversammlung 2019

Bei der Delegiertenversammlung des Bundesinnungsverbands des deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV) am 11. April 2019 in Würzburg standen neben der Neuwahl des Vorstands unter anderem die Hintergründe der F-Gase-Verordnung und Fragen zur Unternehmensnachfolge auf dem Programm. Während Nachwuchsmangel und die aktuelle Kältemittelsituation bereits zu den Standardthemen auf Branchenveranstaltungen zählen, zeigten sich dennoch neue Aspekte. Und auch die Vorstandswahl bot eine kleine Überraschung.

Vorstandswahlen

Einen wesentlichen Tagesordnungspunkt bei der Delegiertenversammlung des BIV (www.biv-kaelte.de) am 11. April 2019 stellte die Neuwahl des Vorstands dar, die turnusgemäß alle drei Jahre durchgeführt wird. Mit Ausnahme von Richard Bockel, der im Ruhestand nicht mehr zur Wahl antreten wollte, standen alle bisherigen Vorstandsmitglieder für eine Wiederwahl zur Verfügung. So wurden dann auch Heribert Baumeister als Bundesinnungsmeister, Wilfried Otto und Frank Heuberger als stellvertretende Bundesinnungsmeister sowie Gerhard Frisch als weiteres Vorstandsmitglied von den 28 stimmberechtigten Delegierten einstimmig wiedergewählt.

Die noch offene Position von Richard Bockel bot die Möglichkeit, eine Brücke zur Landesinnung Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg (LIK) zu schlagen, die vor einigen Jahren aus dem BIV ausgetreten war: Markus Freund, Vorstandsmitglied bei der LIK, war vor einigen Wochen mit seinem Betrieb in Hessen dem BIV als Einzelmitglied beigetreten. Als frisch ernannter Sprecher der Einzelmitglieder im BIV, unter denen sich bereits zahlreiche hessische Betriebe befinden, konnte er für das Vorstandsamt kandidieren und wurde ebenfalls einstimmig in den BIV-Vorstand gewählt – ein Zeichen dafür, wie ernsthaft der BIV an einer weiteren Annäherung an die Landesinnung Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg interessiert ist.

Der Vorstand begrüßt diesen Schritt ausdrücklich und hatte dazu im Vorfeld zahlreiche Gespräche geführt. Markus Freund betonte seinerseits, dass er sich als „Brückenbauer“ verstehe, um auf diesem Wege wieder gegenseitiges Vertrauen zu schaffen und einen eventuellen Wiedereintritt der Landesinnung in den BIV voranzubringen.

Rückblick auf 2018 und weitere Themen

Zur Mitgliederversammlung gehören immer auch die üblichen Tagesordnungspunkte wie Jahresrechnung, Haushaltsplan und Berichte von BBA und ZVKKW etc. Die Ausführungen und Regularien ergaben folgende Ergebnisse:

Die beiden Rechnungsprüfer Burkhard Rüssmann und Frank Strakerjahn wurden einstimmig in ihrem Amt bestätigt.

Der Haushaltsplan 2019 wurde ebenfalls einstimmig genehmigt.

Die Zusammenarbeit zwischen BIV und VDKF soll gemeinsam weiter ausgebaut werden.

Die Noten der Auszubildenden sind abgesunken. Dennoch sollen die Ausbildungsinhalte nicht vereinfacht werden.

Das digitale Betriebsheft wird in den meisten Betrieben nicht umgesetzt.

Der Bundesleistungswettbewerb 2019 findet bei der IKKE statt.

Kritik am Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)/Umweltbundesamt (UBA), da auf www.kaeltemittel-info.de ausschließlich natürliche Kältemittel aufgeführt sind. Jedoch sollten sich Firmen, die natürliche Kältemittel anbieten, dort registrieren.

Der Kältemittel-Folder des ZVKKW stellt eine Momentaufnahme zu aktuellen Kältemitteln dar.

Das Downphasing der F-Gase und die damit einhergehenden Probleme für Fachbetriebe und Betreiber sollten laut Forderung der Bonner Stimme in Richtung BMUB und UBA an einem „Runden Tisch“ in einem konstruktiven Kreis erörtert werden. Der „Erfahrungsaustausch“ beim UBA in Dessau am 02. Februar 2018 lief allerdings nicht wie erhofft, da vom UBA zu viele Vertreter der Branche eingeladen worden waren. Wortbeiträge waren damals durch die straffe Tagesordnung kaum möglich gewesen.

Hintergründe der F-Gase-Verordnung

In seinem Vortrag zu den Hintergründen der F-Gase-Verordnung und zur BAFA-Förderrichtlinie stellte Jörn Schwarz vom Ice-TeX Ingenieurbüro heraus, welche Auswirkungen eine Veröffentlichung aus dem Jahre 2009 auf die aktuelle Kältemittelsituation hat.

Velders et al. gehen in „The large contribution of projected HFC emissions to future climate forcing“ davon aus, dass gerade in den Entwicklungsländern der HFKW-Verbrauch für Kälte- & Klimatechnik bis zum Jahr 2050 dramatisch ansteigt und damit auch die Emissionen. Eine der Folgen daraus war das politische Ziel des globalen Ausstiegs aus den HFKW (fluorierten Kohlenwasserstoffen).

Dieselbe Veröffentlichung wurde als Grundlage für die europäische F-Gase-Verordnung herangezogen. Allerdings sei diese Veröffentlichung laut Schwarz wissenschaftlich nicht belastbar. Da die Grafik von Velders et al. als Vektorgrafik veröffentlicht wurde, können Daten exakt ausgelesen und Steigerungsraten bestimmt werden. Dadurch ergeben sich auffällige Steigerungsraten, die in der Form aus heutiger Erkenntnis als unrealistisch gewertet werden müssten. Seiner Berechnung nach seien deutlich moderatere HFKW-Raten wahrscheinlich.

So kam Schwarz unter anderem zu dem Schluss, dass der Ausstieg aus HFKW-Kältemitteln fast irrelevant für die Erderwärmung sei und dass die F-Gase-Verordnung unter Berücksichtigung wahrscheinlicher Steigerungsraten so nicht zustande gekommen wäre.

Die Frage, die sich daraus ergibt: Machen Gegenmaßnahmen jetzt überhaupt noch Sinn bzw. wollen wir überhaupt, dass die F-Gase-Verordnung gekippt wird? Die Quintessenz der anschließenden Diskussion war, dass es sehr schwierig sei, bei der Regierung bzw. EU-Kommission weiterzukommen.

Wichtig sei es aber dafür einzustehen, dass die Ziele nicht weiter verschärft werden. Dafür wolle man das parlamentarische Frühstück in Brüssel nutzen. Deshalb rief Bundesinnungsmeister Heribert Baumeister die Partnerverbände auf, sich zusammenzuschließen, um in Brüssel geballt aufzutreten: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Daumenschrauben nicht noch weiter angezogen werden.“

Unternehmensnachfolge

In seinem Kurzvortrag zum Thema „Unternehmensnachfolge“ ging Dirk G. Müller von der Unternehmensberatung DM Consulting auf die Fragen ein: Wer kauft ein Kälte-Klima-Unternehmen? Wie läuft ein Verkaufsprozess ab? Und wann ist ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Verkaufsfrage zu beschäftigen?

Grundsätzlich sei festzustellen, dass es aufgrund der guten Auftragslage aktuell nur sehr wenige Verkaufswillige gebe, der Kaufpreis für einen Kälte-Klima-Betrieb aber sehr hoch sei. Demnach sei es aktuell für Meister fast unmöglich, einen Betrieb zu kaufen und ihnen sei geraten, sich selbstständig zu machen bzw. selbst zu gründen. Für Investoren aber sei die Kälte-Klima-Branche äußerst interessant.

Auch wenn aktuell nicht der Verkaufswunsch im Raum stehe, sei es durchaus sinnvoll, sich mit dem Thema zu beschäftigen, so Müller. Denn ein guter Verkauf brauche eine gewisse Vorlaufzeit, unter anderem um einen Käufer zu suchen, das Unternehmen und die Unternehmenszahlen „aufzuhübschen“ und den Unternehmenswert zu ermitteln. Er geht von einem Zeitraum von fünf Jahren aus, der optimal sei, um einen bestmöglichen Verkaufsprozess zu gewährleisten. Unternehmensberatungen wie DM Consulting haben Erfahrungen mit der Unternehmensnachfolge und können beim Verkaufsprozess unterstützen.

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