Initiative #fürmehrfrauenimhandwerk

Das Handwerk lieben lernen

Madita Brauer ist 21 Jahre alt und ausgelernte Bankkauffrau. Seit über zwei Jahren ist sie allerdings auf Baustellen zu finden. Nach einem beruflichen Tapetenwechsel startete sie die Ausbildung in der TGA-Branche u.a. für Klima- und Wärmetechnik – und sie hat das Handwerk lieben gelernt. Mit dieser Erfahrung möchte sie mehr Frauen motivieren, ebenfalls das Handwerk bei der Ausbildungssuche nicht kategorisch auszuschließen. Dazu startete sie beim Social Media-Kanal Instagram die Initiative #fürmehrfrauenimhandwerk.

Eigentlich hatte Madita Brauer etwas Anderes in ihrer Karriereplanung vorgesehen. Zunächst absolvierte sie, wie angedacht, eine Ausbildung zur Bankkauffrau – wie bei vielen Frauen spielte zu diesem Zeitpunkt das Handwerk in ihrer Lebensplanung keine Rolle. Heute steht die 21-jährige aber auf der Baustelle und befindet sich im dritten Lehrjahr zur Anlagenmechanikerin. Mit diesem Karriereschritt ist sie mehr als zufrieden: „Ich kann von Glück sprechen, dass ich mich im Handwerk ausprobiert und es lieben gelernt habe.“

Zusätzliche Perspektive

Natürlich ist eine Ausbildung im Handwerk nicht für jede Frau (und jeden Mann) etwas, aber wenn man eine handwerkliche Ausbildung generell bei den Überlegungen zur eigenen Karriere ausklammert, fehlt eine ertragreiche Option. „Ich bin überzeugt, dass mehr Frauen im Handwerk wären, wenn sie mal darüber nachdenken würden“, ist sich Madita Brauer sicher.

Dieser im Grunde einfache Ansatz war dann auch der Auslöser für die Initiative der Auszubildenden: „Ich starte das Projekt #fürmehrfrauenimhandwerk nicht aus dem Grund, dass ich mich alleine fühle, sondern mit dem Ziel Frauen aufs Handwerk aufmerksam zu machen und zu zeigen, wie viel Spaß man bei der Arbeit im Handwerk haben kann“, und Madita Brauer fügt hinzu: „Ich möchte keine Frau überreden, ins Handwerk einzusteigen, vielmehr sehe ich das Projekt als Chance für andere Frauen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Falsche Vorstellungen abbauen

Dabei möchte die junge Frau auch mit Klischees und überholten Vorstellungen in Sachen Handwerk aufräumen. Handwerk definiere sich heutzutage nicht mehr über die reine Körperkraft, sondern es gehe um vorausschauendes Arbeiten und Qualität.

„Es ist für meine Kollegen selbstverständlich, dass ich keine Wärmepumpen setze. Im Gegenzug mache ich Dinge, die mir als kleine und schmale Person leichter fallen als manchen Kollegen. Wichtig ist und bleiben das beiderseitige Verständnis und die Kommunikation im Team.“

Mitstreiter/innen gesucht

„Wenn mein Projekt so angenommen wird, wie ich es mir erhoffe, dann wäre eine Frau in fünf Jahren keine Rarität mehr auf der Baustelle. Es wäre ganz normal, dass sich Frauen fürs Handwerk begeistern und ein Teil davon sind“, blickt die Initiatorin voraus. Bereits jetzt konnte die Handwerkerin Mitstreiterinnen finden, die dieselbe Meinung vertreten. „Durch meinen Internetauftritt als @frauimhandwerk bei Instagram durfte ich viele Frauen kennenlernen, die im Handwerk beruflich tätig sind“, erklärt Madita Brauer. So kam sie auch mit Eva, Glasmeisterin & Betriebswirtin, in Kontakt. Hauptberuflich arbeitet Eva im Büro, doch daneben engagiert sie sich in Sachen Handwerk bei der Restaurierung alter Fenster. Solche und weitere Kontakte sind bei der Initiative von Madita Brauer wichtig: „Schön wäre es, wenn sich wirklich etwas ändert, wenn ich Mitstreiterinnen finde, die meiner Meinung sind und sich – egal auf welche Art – die Reichweite #fürmehrfrauenimhandwerk vergrößert.“

Instagram: @frauimhandwerk

Auf Instagram ist Madita Brauer unter @ frauimhandwerk unterwegs. Hier präsentiert sie die Ausbildung zur Anlagenmechanikern. „Ich versuche aufs Handwerk aufmerksam zu machen. In erster Linie natürlich als Erfahrungsbericht für jeden, der sich seiner beruflichen Laufbahn noch nicht sicher ist. Zusätzlich möchte ich durch meinen Social Media-Auftritt Frauen auf das Handwerk aufmerksam machen. Viele Nachrichten und Fotos haben mich schon erreicht, als ich von meiner Idee erzählt habe. An dieser Stelle möchte ich mich für den Support recht herzlich bedanken.“

Fazit

Heutzutage sind nicht nur Frauen ein seltener Anblick im Handwerk, auch qualifizierter männlicher Nachwuchs fehlt zunehmend, so bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Initiative #fürmehrfrauen­imhandwerk bietet dem Handwerk eine Möglichkeit sich als Branche positiv zu präsentieren und die Chancen im Handwerk in die Öffentlichkeit zu tragen. Madita Brauer zeigt, für welche Werte und Möglichkeiten das Handwerk steht. Die gelernte Bankkauffrau wird demnächst Gesellenbrief und hoffentlich auch bald den Meisterbrief in den Händen halten. Zusätzlich absolviert sie im trialen System ein Studium zum Handwerksmanagement.

So ausgebildet und mit dieser Qualifikation stehen ihr alle Türen offen – von der Angestellten bis zur eigenverantwortlichen Betriebsleiterin. Das sind Perspektiven, die das Handwerk bietet, und angehende Auszubildende kennen sollten.

Selbst aktiv werden

Sollte man sich im Zuge des Berichtes angesprochen fühlen und möchte Madita Brauer mit einer Idee unterstützen, darf man sich
gerne bei der KKA-Redaktion oder direkt über Instagram bei
Madita Brauer unter
@frauimhandwerk melden. Mitstreiter/innen und Feedback sind willkommen!

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