„Jammern gibt es bei uns nicht!“

Interview zur Ausbildungssituation bei der KKL Klimatechnik-Vertriebs GmbH

In der gesamten Kälte- und Klimabranche ist der Bedarf nach Fachkräften und auch nach qualifizierten Azubis groß. Viele beklagen diese Situation, tun aber wenig, um etwas an diesem Zustand zu verändern. Nicht so die KKL Klimatechnik-Vertriebs GmbH aus Düsseldorf, die über 40 Azubis gleichzeitig beschäftigt. Im Interview mit der KKA-Redaktion  erläutern die Geschäftsführer die Hintergründe.

KKA: Herr Kohmann, Herr Hoffmann, Herr Peters – von Ihren ca. 240 Mitarbeitern sind 42 Auszubildende. Was sind Ihre Beweggründe, in diesem Umfang auszubilden?

Kohmann: Jeder in der Branche kennt die Problematik, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Die Branche befindet sich im Wachstum, sprich die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich für die Arbeitgeber tendenziell eher verschärfen. Es liegt also nahe, die Mitarbeiter auf dem von uns gewünschten hohen Niveau selbst auszubilden.

 

KKA: Wie organisieren Sie intern die Ausbildung? Laufen die Azubis „so mit“ oder haben Sie eine Art internen Lehrplan für sie entwickelt? Gibt es Mitarbeiter, die sich besonders um die Azubis kümmern?

Hoffmann: Neben dem Lehrplan des Berufskollegs und der überbetrieblichen Lehrwerkstatt werden unsere Auszubildenden in unserer eigenen Lehrwerkstatt individuell und praxisorientiert geschult. Wir beschäftigen einen übergeordneten, auf die Ausbildung spezialisierten Ausbildungsmeister, der sich ausschließlich um die Belange und Schulung unserer Auszubildenden kümmert. Er legt die zusätzlichen Schulungsinhalte der verschiedenen Lehrjahre fest und behält den Fortschritt und die fachliche Entwicklung des Einzelnen im Auge. In unserer Lehrwerkstatt baut er zusammen mit den Auszubildenden Kälteanlagen, führt mit ihnen eigene Projekte durch und prüft zusammen mit einem Team, das sich aus je einem leitenden Mitarbeiter pro Abteilung zusammensetzt, bei welchen Projekten die Auszubildenden eingesetzt werden können. Mit anderen Worten – wer macht was, wann, wo und mit wem. „Nur so mitlaufen“ gibt es also bei uns nicht.

 

KKA: Sehen Sie in Zeiten des Fachkräftemangels die Ausbildung vor allem als In­strument, um künftige Mitarbeiter an Ihr Unternehmen zu binden? Und wie viele Azubis können Sie nach Beendigung der Lehrzeit übernehmen?

Peters: Die Ausbildung eigener Fachkräfte steht dabei wie gesagt sicherlich im Vordergrund. Doch auch das Aufzeigen von Chancen und Möglichkeiten für eine sichere berufliche Zukunft in Zeiten, in denen in anderen Branchen viele hochqualifizierte Menschen verzweifelt auf Jobsuche sind oder Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Wir würden gerne alle Auszubildenden übernehmen und tun dies auch, soweit sie keine anderen Pläne haben.

 

KKA: Gelingt es denn überhaupt die Gesellen im Betrieb zu halten, wenn Industrie, Handel und Handwerk gleichermaßen um qualifizierte Mitarbeiter buhlen und sich diese gegenseitig abwerben?

Kohmann: Der KKL-Standard ist hoch. Unsere Mitarbeiter erhalten überdurchschnittliche Vergütungen und werden gehegt, gepflegt und gefördert: Ob Fortbildungsmaßnahmen, modernes Equipment, Aufstiegschancen oder interne Kommunikation wie Intranet, Newsletter und sportliche Firmen-Events – wir machen es unseren Mitbewerbern ganz schön schwer, Leute von KKL abzuwerben. Die Fluktuation geht gegen Null. Ganz im Gegenteil – wir haben im Moment einen enormen Zulauf an Bewerbern, die an ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind.

 

KKA: Von vielen Handwerksbetrieben wird beklagt, dass es zunehmend schwer fällt, geeignete Kandidaten als Azubis zu finden, weil die schulischen Vorkenntnisse zu wünschen übrig lassen. Wie sind hier Ihre Erfahrungen? Und wie wählen Sie Ihre Azubis letztendlich aus, bzw. wie finden Sie diese überhaupt – denn schließlich ist die Kältebranche nicht unbedingt besonders weit oben auf der beruflichen Wunschliste von jungen Leuten?

Hoffmann: Jammern über Fachkräftemangel und offene Ausbildungsplätze im Handwerk gibt es bei uns nicht – wir gehen offensiv an Schulen und in die Öffentlichkeit und bewerben den Beruf als eine hochqualifizierte und spannende Tätigkeit, in der man fachübergreifende Fähigkeiten entwickelt und tolle Zukunfts-Perspektiven hat. Über Informationstage und Praktika lernen die jungen Leute unser Unternehmen und den Beruf kennen. Wir fördern die Gemeinschaft der Auszubildenden, indem wir gemeinsame Ausflüge organisieren, und stärken ihre Position innerhalb der Firma durch einen von ihnen gewählten Sprecher aus den eigenen Reihen, der ihre Belange vertritt. So schaffen wir es auf die Berufe-Wunschliste der jungen Leute!

 

KKA: Und wie sieht es bei der Leistungsbereitschaft aus? Die sogenannte Work-Life-Balance hat sich bei vielen jüngeren Menschen – nicht nur im Handwerk – verschoben. Karriere zu machen ist nicht mehr unbedingt oberstes Ziel; Freizeit, Urlaub und angenehme Arbeitszeiten sind vielen wichtiger als Karriere und Gehalt. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

Peters: Jeder liebt Freizeit, Urlaub und geregelte Arbeitszeiten. Das steht auch jedem Mitarbeiter zu. Inzwischen weiß aber auch jeder, dass Freizeit und Urlaub Geld kosten. Es liegt also an jedem selbst zu entscheiden, wie seine persönliche „Work-Life-Balance“ auszusehen hat. Wer viel Leistung bringt, wird bei KKL dafür auch belohnt.

 

KKA: Lenken wir den Blick doch zeitlich einmal weiter zurück. Herr Hoffmann, wenn Sie an Ihre Ausbildungszeit zurückdenken: Was wurde damals verlangt, was wurde Ihnen geboten? Was sind aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen in der Ausbildungssituation im Vergleich von früher zu heute?

Hoffmann: Ich habe vor 20 Jahren meine Ausbildung bei KKL begonnen und bin heute in der Geschäftsführung. Ich denke, mehr Chancen kann eine Firma einem Mitarbeiter nicht bieten.

Die größte Veränderung in der Ausbildungssituation ist, dass die jungen Leute den Wert eines Ausbildungsberufs nicht mehr richtig kennen – daran muss von allen Seiten gearbeitet werden.

 

KKA: Was würden Sie Schulabgängern mit auf den Weg geben, um ihnen eine Ausbildung in der Kälte schmackhaft zu machen?

Kohmann: Der Beruf verlangt eine große Bandbreite an Fähigkeiten. Wer Spaß an anspruchsvollen technischen Tätigkeiten hat, sich viele unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten offen lassen möchte und die Aussichten auf eine sichere berufliche Zukunft verlockend findet, der sollte sich unbedingt für diesen Beruf interessieren.

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