Was sagt ein Kälte-Klima-Fachbetrieb zu R32?

Tipps vom Handwerker für Handwerker

Das Jahr 2018 wird in Bezug auf die Kältemittelsituation eine große Herausforderung für die gesamte Branche werden. Jeder Kälte-/Klimaanlagenbauer muss sich darauf einstellen, auch für ihn neue Kältemittel einzusetzen. Auch R32 gehört zu den vergleichsweise neuen Kältemittelalternativen – es wird vor allem im Bereich der Klimatechnik Verwendung finden. Über die Erfahrungen im Umgang mit R32 sprach die KKA-Redaktion mit Michael Schmidt, Technischer Innendienst & Vertrieb bei der Schmidt Klimatechnik GmbH, Freising.

KKA: Herr Schmidt, die F-Gas-Verordnung bringt für die Branche große Veränderungen mit sich. Können Sie die Auswirkungen in Ihrer täglichen Arbeit bereits spüren?

Schmidt: Wir merken das vor allem an den Kältemittelpreisen. Nicht nur R404A ist in den letzten Monaten deutlich teurer geworden, sondern auch R410A. R32 ist inzwischen das günstigste Kältemittel, das wir im Einsatz haben.

KKA: Auf welche Eigenschaften achten die Endkunden beim Kauf eines Klimasystems aktuell am häufigsten? Wird auch die Umweltwirkung mitberücksichtigt?

Schmidt: Bei der Anschaffung einer Klimaanlage schauen die Kunden vor allem auf Preis und Qualität. An dritter Stelle kommt im Privatkundenmarkt dann das Design der Innengeräte hinzu. Ein Bewusstsein über die Verwendung von Kältemitteln mit hohem Treibhauseffekt in den Anlagen und die Suche nach Alternativen besteht nur sehr vereinzelt.

KKA: Sie haben bereits einige R32-Systeme installiert. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Kältemittel?

Schmidt: Unsere Erfahrungen waren durchweg positiv. Im alltäglichen Gebrauch bei der Installation von Single- und Multisplit-Systemen ist kein Unterschied zu R410A festzustellen. Durch die sehr ähnlichen Betriebspunkte sind die Anlagen auch in Wartung und Service sehr ähnlich in der Handhabung. Ein deutlicher Vorteil von R32 ist, dass es aus nur einer Komponente besteht. Bei Leckagen ist es somit möglich Restmengen wiederzuverwenden, was bei R410A als Dreistoffgemisch immer ein Problem darstellt.

KKA: Was sind für Sie als Anlagenbauer die größten Vorteile von R32? Sehen Sie auch Herausforderungen?

Schmidt: R32 wird mit seinem geringen GWP auch in Zukunft einsetzbar sein. Wir können unseren Kunden mit dem umweltfreundlicheren und energieeffizienteren Kältemittel eine langfristige Perspektive bieten. Bis jetzt gibt es leider noch keine R410A-Alternativen für VRV (VRF) Systeme – hier hoffen wir auf zügige Entwicklungsarbeit der Hersteller, denn je größer die Anlagen sind, desto stärker machen sich im Moment die steigenden Kältemittelpreise bemerkbar.

KKA: Viele Geräte können auch für die Installation von R32-Systemen verwendet werden. Mussten Sie Ausrüstung neu anschaffen?

Schmidt: Wir konnten fast alles aus unserem Werkzeugbestand weiterverwenden. Die Werkzeughersteller stellen hier den Flaschenhals dar. Seit der Installation unserer ersten R32-Anlage im März 2015 hat sich die Situation zwar gebessert, aber die Freigabe von Pumpen und beispielsweise Software von Manometern passt sich nicht so schnell an, wie wir es im Klimamarkt brauchen.

Für die Kältemittelflaschen braucht man Adapter mit Linksgewinde – die Geräteanschlüsse sind dieselben wie bei R410A.

KKA: In der Branche gibt es noch Vorbehalte bei der Nutzung von A2L-Kältemitteln. Was sind Ihre Tipps für den Umgang? Gibt es wichtige Aspekte, die beachtet werden müssen?

Schmidt: Bei R32 handelt es sich zwar um ein brennbares Gas, allerdings ist es weitaus weniger gefährlich als beispielsweise Propan, da es als schwer entflammbar gilt und eine deutlich höhere untere Explosionsgrenze hat. Bei der Beachtung von einfachen Sicherheitsregeln beim Löten ist auch hier der Umgang unproblematisch.

KKA: Der Phase-down im Rahmen der F-Gas-Verordnung führt zu einer Knappheit mancher Kältemittel. Zu welchem System raten Sie Ihren Kunden aktuell bei Neubau und Sanierung im Gewerbe- und Privatbereich?

Schmidt: Wenn es möglich ist, bieten wir unseren Kunden als erste Wahl ein R32-Klimasystem an. Bei VRV-Anlagen gibt es wie gesagt noch keine Alternative mit Niedrig-GWP-Kältemitteln.

KKA: Welche großen Trends beobachten Sie allgemein in der Kälte-Klima-Branche? Wohin geht die Reise in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Schmidt: Die Reise geht gezwungenermaßen zu umweltfreundlicheren Systemen. Wie diese genau aussehen, werden wir als Fachbetriebe dann sehen, wenn die Gerätehersteller Lösungen entwickelt haben. Neben Änderungen im Kältemittel merken wir auch vermehrt Nachfragen zur Smart-Home-Anbindung.

KKA: Herzlichen Dank für das Gespräch!

R32-Referenzanlage der Schmidt Klimatechnik GmbH

Die Schmidt Klimatechnik GmbH ist seit über 23 Jahren Ansprechpartner in allen Klimafragen und betreut vom Firmensitz in Freising bei München Projekte in ganz Bayern. Auch in den eigenen Räumlichkeiten setzt der Fachpartner von Daikin auf Klimatechnik mit dem Kältemittel R32.
Die beiden dort installierten Innengeräte übernehmen die Klimatisierung von zwei Büroräumen mit jeweils 16 m². Beide Geräte sind an das Multi-Split-Außengerät angeschlossen. Der Einbau der Rohrleitungen erfolgte in der Rohbauphase, so dass am Ende keine Leitungen im Innenbereich sichtbar sind. Die Anlage kann in der Wärmepumpen-Ausführung sowohl kühlen als auch heizen und sorgt damit im Sommer wie Winter beziehungsweise in der Übergangszeit für komfortable Temperaturen in den Büroräumen. 
Seit 2016 ermöglichen die R32-Multi-Split-Außengeräte den Anschluss von bis zu fünf Innengeräten, die alle separat angesteuert werden können. Die Multi-Split-Außengeräte sind wie alle Daikin-Außengeräte mit einem Swing-Kompressor ausgestattet und zeichnen sich so durch einen niedrigen Geräuschpegel sowie eine hohe Energieeffizienz aus.

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