Das Eurovent-„Ökosystem“ einfach erklärt

Europäischer Verband vertritt Interessen von Herstellern und Branchenakteuren

Die Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Kältetechnikbranche (HVACR) spielt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung gesünderer, nachhaltigerer und effizienterer gebauter Gebäude. Um dies zu erreichen, vertritt der europäische Verband Eurovent die Interessen von Herstellern und Branchenakteuren in den Bereichen Lüftung, Raumklima, Prozesskühlung und Kühlkettentechnologien. Doch wer ist und was macht eigentlich Eurovent? Die KKA-Redaktion sprach mit Dipl.-Ing. (BA) Gerhard Frei MBA, vom Ingenieurbüro Coolplan über das „Ökosystem” Eurovent mit seinen Organisationen, Grundsätzen und Aktivitäten und fragt, wie diese Struktur Hersteller, politische Entscheidungsträger und Interessengruppen entlang der gesamten HVACR-Wertschöpfungskette unterstützt.

KKA: Herr Frei, was ist Eurovent?

Frei: Eurovent ist der europäische Indus­trieverband für Heizung, Lüftung, Kühlung und Kältetechnik. Eurovent wurde 1958 gegründet und vertritt über 100 Unternehmen direkt und mehr als 1000 indirekt über 16 nationale Verbände in ganz Europa. In Deutschland ist der VDMA Mitglied des nationalen Verbandes. Eurovent bündelt das technische und marktbezogene Fachwissen der gesamten HVACR-Fertigungsbasis und lässt es in Politik und Normungsprozesse der EU einfließen. Der Verband setzt sich für poli­tische Maßnahmen ein, die den EU-Binnenmarkt stärken und weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, Innovationen und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas im Rahmen der grünen und digitalen Wende fördern und das Potenzial des HVACR-Sektors zur Verwirklichung einer klimaneutralen Zukunft erschließen. Die Arbeit konzentriert sich auf so wichtige Themen, wie gesundes Raumklima, Produktnachhaltigkeit, Dekarbonisierung der Heizung, Umstellung auf neue Kältemittel, Digitalisierung und europäische Wettbewerbsfähigkeit. Ziel ist es, die regulatorische Fragmentierung zu verringern und den Herstellern zu ermöglichen, ihre Produkt- und Marktentwicklung besser zu steuern.

KKA: Wo ist Eurovent außerhalb Europas überall vertreten?

Frei: Der Verband ist auch in den Regionen Naher und Mittlerer Osten sowie Indien vertreten. Als Eurovent Middle East vertritt der Verband führende Hersteller von Technologien für Raumklima (HVAC), Prozesskühlung, Lebensmittelkühlketten, industrielle Lüftung und Gebäudeautomation sowie Brancheninitiativen, die in dieser Region tätig sind. Eurovent India wiederum stellt der indischen Fertigungsindustrie sowie privaten und öffentlichen Akteuren in der Region sein Fachwissen in den Bereichen Technologien und Normen zur Verfügung.

KKA: Welche Unterorganisationen gibt es innerhalb von Eurovent und wie sind sie miteinander verbunden?

Frei: Eurovent fungiert als Dachorganisation, die von mehreren Fachgremien unterstützt wird. Diese Organisationen sind rechtlich und operativ unabhängig, aber strategisch aufeinander abgestimmt. Zusammen bilden sie eine Brücke zwischen Politik, Marktdaten, Digitalisierung und Zertifizierung.

KKA: Wen vertritt Eurovent und wie sieht die Mitgliederstruktur aus?

Frei: Zu den Mitgliedern von Eurovent zählen sowohl große multinationale Konzerne als auch kleine und mittlere Unternehmen. Es gibt vier Kategorien von Mitgliedern, darunter die Mitglieder, die als nationale Verbände, die Hersteller in den Bereichen Raumklima (HVAC), Prozesskühlung und Kühlkette für Lebensmittel vertreten. Dann die mehr als 1000 angeschlossenen Hersteller, die über einen nationalen Mitgliedsverband Teil von Eurovent sind und direkt an den Aktivitäten von Eurovent teilnehmen. Des Weiteren korrespondierende Mitglieder, die als Hersteller aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika, noch keinen nationalen Verband haben. Und zu guter Letzt assoziierte Mitglieder, das sind Organisationen, die sich mit Aktivitäten in den von Eurovent abgedeckten Bereichen befassen, wie z. B. Verbände von Ingenieuren und Beratern, Messeveranstalter, Labore und Universitäten. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass Hersteller kein Mitglied der Eurovent Association sein müssen, um Zugang zu den Kernaufgaben und Dienstleistungsangeboten von Eurovent Certification, Eurovent Market Intelligence (EMI) oder ProdBIM zu erhalten.

KKA: Wie funktioniert eine Eurovent-Zertifizierung?

Frei: Eurovent Certification wurde 1993 gegründet und gilt als weltweit führend im Bereich der freiwilligen Produktleistungszertifizierung. Das Unternehmen überprüft die Leistung und Energieeffizienz von HLK-Produkten für über 600 Hersteller weltweit. Bspw. sind 74 % der auf dem europäischen Markt verkauften HLK-Produkte Eurovent-zertifiziert. Unter Verwendung europäischer und internationaler Normen validiert der Zertifizierungsprozess die Herstellerangaben durch ein unparteiisches, standardisiertes und strenges Verfahren, das unabhängige Labortests, Datenanalysen und einen laufenden Überwachungsprozess umfasst, um die kontinuierliche Einhaltung der Anforderungen sicherzustellen. Je nach Zertifizierungssystem kann der Prozess auch regelmäßige Werksaudits, Software-Audits und die Zertifizierung von Auswahlsoftware umfassen.

Insgesamt stehen mehr als 40 Zertifizierungsprogramme in den Bereichen Lüftung und Raumluftqualität, Raumklima, Kältetechnik und Prozesskühlung zur Verfügung. Die Organisation zertifiziert eine Reihe von Zertifizierungszeichen, darunter sein eigenes Flaggschiff-Zeichen „Eurovent Certified Performance“. Eurovent Certified Performance-Programme, die in ganz Europa anerkannt sind, bieten auch Zertifizierungsoptionen speziell für den Nahen Osten und den indischen Markt. Darüber hinaus ist die Organisation berechtigt, ausgewählte Produkte unter den Marken NF und QB für den französischen Markt, KEYMARK für den europäischen Markt und MCS für den britischen Wärmepumpenmarkt zu zertifizieren. Die Zertifizierung schafft Vertrauen in die Produktleistung, indem sie verifizierte Leistungsdaten für die Produktauswahl, -konstruktion und -installation liefert.

KKA: Was macht die Eurovent Market Intelligence (EMI)?

Frei: Eurovent Market Intelligence ist das europäische Statistikamt für den HVACR-Markt. EMI bietet seit 1994 eine Reihe von detaillierten Marktinformationsberichten. Teilnehmende Hersteller haben Zugang zu jährlichen und vierteljährlichen Erhebungsergebnissen, Gesamtmarktschätzungen, Markttrends und Analysen. Die Teilnehmer können auch ihren eigenen Marktanteil und ihr Ranking in der Erhebung einsehen. Die von den Teilnehmern gesammelten Einzelverkaufsdaten bleiben vertraulich und die Gesamtergebnisse können nur von den Teilnehmern eingesehen werden. Das Leitprinzip von EMI ist es, unter Beteiligung der Hersteller an der Datenerhebung eine detaillierte Karte der Märkte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zu erstellen.

Mit mehr als 500 Teilnehmern weltweit in 20 verschiedenen Programmen hat EMI eine solide Datenbank aufgebaut, die ein tiefes Verständnis des HVACR-Sektors ermöglicht. Die Teilnehmer haben direkten Zugriff auf die Statistikdatenbank von EMI, in der sie Marktzahlen nach verschiedenen Segmenten – Land, Kapazität, Technologie usw. – einsehen können. Die Datenbank enthält auch Analysen wie Marktanteile, Rankings und Marktentwicklung. Die Teilnahme an den jährlichen Statistiken steht allen Herstellern offen. Für Unternehmen, die von Eurovent Certification im entsprechenden Programm zertifiziert sind, ist die Teilnahme kostenlos. Während die Erhebungsergebnisse ausschließlich den Teilnehmern der entsprechenden Erhebungen vorbehalten sind, können EMI-Berichte, die nur die Gesamtmarktschätzungen enthalten, auch von Nicht-Herstellern erworben
werden.

KKA: Was verbirgt sich hinter dem Kürzel ProdBIM?

Frei: ProdBIM widmet sich der Förderung der digitalen Transformation von Herstellern im HVACR-Sektor und ergänzenden Branchen wie Energie, Klimatechnik und AEC (Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen) widmet. Als Abteilung von Eurovent Certification bietet ProdBIM Lösungen für Datenmanagement, BIM-Management und Harmonisierung über mehrere Kanäle hinweg. Über die ProdBIM-Plattform können Hersteller, ihre BIM-Objekte und zugehörige digitale Assets zentral erstellen, strukturieren und verwalten. Die Plattform ermöglicht auch die Erstellung von EPREL-Erklärungen (European Product Database for Energy Labelling) und deren Veröffentlichung auf der ProdBIM-Website.

Nutzer können ihre Eurovent-zertifizierten Daten schnell auf der Plattform zentralisieren und ansprechende Produktseiten erstellen, die relevante Datensätze und Inhalte wie BIM-Dateien, Bilder und technische Spezifikationen enthalten. Die Plattform ermöglicht dann die nahtlose Veröffentlichung in einer Vielzahl von branchenrelevanten Kanälen, die alle mit Eurovent zusammenarbeiten, und vereinfacht gleichzeitig die Workflows zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften – wie EPREL – durch intuitive, schnelle und automatisierte Prozesse. Das Team von ProdBIM unterstützt Anwender bei jedem Schritt mit multidisziplinärem Fachwissen und entwickelt sein Serviceangebot kontinuierlich weiter, um den neuen Anforderungen der Branche gerecht zu werden, wie ETIM, EPDs, Digital Product Passport und anderen, die den Markt in den kommenden Jahren prägen
werden.

KKA: Was sind die wichtigsten Veranstaltungen der Eurovent-Organisationen?

Frei: Für Eurovent Certification ist das „Kälte Kolloquium“ eine wichtige Veranstaltung innerhalb der Kältebranche. Es fand am 21. April 2026 zum vierten Mal statt – erstmals in der BMW-Welt in München – unter dem Thema „Nachhaltige Kälteversorgung in Industrie- und Gewerbebauten”. Die Veranstaltung wird von Eurovent Certification in Zusammenarbeit mit Coolplan organisiert und von den Medienpartnern CCI Dialog GmbH, KKA und Klima Journal unterstützt. Sie soll Inspiration bieten und den Kältesektor mit einem Fokus auf Konzepte, Umsetzung, Effizienz und Betriebssicherheit beleben. Darüber hinaus ist der Eurovent Summit eine der wichtigsten Zusammenkünfte für den europäischen HVACR-Sektor. Er findet alle zwei Jahre statt und bringt Hersteller, politische Entscheidungsträger, Berater, Ingenieure, Zertifizierungsstellen und Industrieverbände zusammen, um die wichtigsten technischen, regulatorischen und marktbezogenen Entwicklungen zu diskutieren.

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