Forschung für ein gesundes Raumklima

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller, Heinz Trox Wissenschafts gGmbH

Die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH stärkt mit ihren Aktivitäten Forschungsarbeiten für ein angenehmes und gesundes Raumklima. Dabei gilt es, die Themen Komfort und Ergonomie mit den steigenden Energieeffizienz­anforderungen für Gebäude zu verbinden. Über Aufgaben, Hintergründe und aktuelle Forschungsvorhaben sprach die KKA-Redaktion mit Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller, dem Geschäftsführer der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH.

KKA: Herr Prof. Müller, mit welchen Themenbereichen beschäftigt sich die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH?

Prof. Müller: Stiftungsrat und Stiftungsvorstand haben im Rahmen der Wissenschaftsförderung der Heinz Trox-Stiftung ein Förderprogramm aufgelegt, das die Erforschung des Wohlbefindens von Menschen in Räumen als zentrales Thema verfolgt. Auf diesem Gebiet will die Stiftung mit solchen Aktivitäten zu einer weltweit sichtbaren Institution werden.

Das Förderprogramm wird über die Ende 2016 ins Leben gerufene gemeinnützige Heinz Trox Wissenschafts gGmbH koordiniert, die im direkten Umfeld der RWTH Aachen angesiedelt ist. In dieser gemeinnützigen GmbH wird der überwiegende Teil der Forschungsaktivitäten der Stiftung gebündelt – es werden mit eigenen Mitarbeitern Forschungsthemen bearbeitet, und es können Forschungsvorhaben mit anderen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden, die eine ergänzende Finanzierung durch die gGmbH erhalten können.

„Der Mensch ist der Maßstab und sein Wohlbefinden unser Ziel.“ Dieser Devise unseres Namenspatrons Heinz Trox sind wir verpflichtet. Die Heinz Trox Wissenschafts ­gGmbH ermöglicht jungen Nachwuchswissenschaftlern Forschungsprojekte, die sich schwerpunktmäßig der Verbesserung des Wohlbefindens von Menschen in Gebäuden widmen, durchzuführen.

Menschen sollen in Gebäuden zufrieden leben und produktiv arbeiten können. Diese wichtigen Aspekte, die manchmal im Rahmen der Energiewende vergessen werden, sollen mit unseren Veröffentlichungen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden.

 

KKA: Sie sind ja auch Universitätsprofessor an der RWTH Aachen und dort Direktor des Institute for Energy Efficient Buildings and Indoor Climate – mit vergleichbaren Forschungsgebieten. Wo gibt es da Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede oder sogar Konkurrenzsituationen?

Prof. Müller: Die Arbeit der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH unterstützt die Arbeiten an unserer und anderen Universitäten. Die Ergebnisse aller Forschungsarbeiten stehen Interessenten kostenfrei zur Verfügung. Beispielsweise werden wir in Kürze auf der Homepage der gGmbH (www.htx-wissenschaft.de) ein weitentwickeltes Komfortmodell veröffentlichen, das ohne Einschränkungen von Unternehmen und interessierten Wissenschaftlern verwendet werden kann. Insofern ist eine Konkurrenzsituation nicht gegeben – die Arbeiten ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Natürlich vereint uns ein zentrales Thema: Das Wohlbefinden der Menschen in Räumen. Aufgrund der gemeinschaftlichen Forschungsanstrengungen werden unserer Branche wichtige Impulse gegeben und ich hoffe, dass wir der Raumlufttechnik insgesamt einen guten Dienst erweisen.

 

KKA: Die allgemeinen Themenbereiche, mit denen sich die Heinz Trox Wissenschafts ­gGmbH befasst, haben Sie schon beschrieben. Was sind aktuelle Forschungsvorhaben und welche Projekte stehen in der Zukunft auf der Agenda?

Prof. Müller: Momentan arbeiten wir in Aachen an einer Kalibrierung eines bestehenden Komfortmodells (33NCM), an einer Probandenstudie mit Fokus auf Physiologie im Aachen Comfort Cube unter konstanten sowie transienten Bedingungen und an einer erweiterten Auswertung durchgeführter Probandenexperimente mit höherwertigen statistischen Verfahren. Das Komfortmodell wird mit allen relevanten Parametern sowie Koeffizienten veröffentlicht und auch die Auswertungen der unterschiedlichen Probandenversuche können von allen Interessierten verwendet werden. Einige der Ergebnisse wurden auf unserer ersten Konferenz im Rahmen der Eröffnung einer neuen Versuchshalle am 14. November 2018 in Aachen bereits vorgestellt.

Zusätzlich finanziert die gGmbH Forschungsvorhaben an mehreren Universitäten und Forschungseinrichtungen. Die Technische Universität Berlin befasst sich mit Effekten des Turbulenzgrads als Treiber und Unsicherheitsfaktor des Zugluftrisikos bei instationärer Lüftung; der Einfluss der instationären Raumluftströmung auf den thermischen Komfort im Aufenthaltsbereich wird von der Forschungsstelle ILK Dresden analysiert und die Technische Universität Dresden befasst sich mit der Bewertung der erweiterten Einflussfaktoren auf das Komfortempfinden unter Berücksichtigung des Einflusses der Strahlungsasymmetrie. Alle diese Vorhaben beleuchten neue Aspekte der thermischen Behaglichkeit und viele Aktivitäten sind auf transiente Randbedingungen fokussiert, da nicht in allen Fällen ein konstantes Innenraumklima optimal für das thermische Empfinden sein muss.

Außerdem hat sich die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH aktiv und als Förderer an der international etablierten Roomvent-Konferenz beteiligt, die im Juni 2018 an der Aalto-University in Espoo, Finnland, durchgeführt wurde. Herr Dr. Sefker hat auf der Konferenz einen eigenen Workshop mit dem Titel „Thermal Comfort – new Contributions and Future Options“ geleitet, in dem über die aktuellen Aktivitäten der gGmbH mit internationalen Experten diskutiert wurde. Ich durfte zusätzlich im Rahmen einer Keynote mit dem Titel „Thermal Comfort Predictions in Ventilated Rooms“ einige der Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten vorstellen.

Im nächsten Jahr werden sich die Arbeiten der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH auf das Thema Luftqualität in Schulen konzentrieren. Hier gibt es aus unserer Sicht Klärungsbedarf, ob die heutigen Sanierungsanstrengungen im Schulgebäudebereich ausreichend das Thema einer leistungsfördernden und gesunden Umgebung berücksichtigen. Ich bin gespannt, wie die Mess­ergebnisse aus sanierten und nicht sanierten Schulgebäuden aussehen werden.

 

KKA: Heinz Trox hat schon zu Lebzeiten die Forschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Klimatechnik unterstützt. Die Heinz Trox-Stiftung führt dies nun fort. Was war seine Motivation und die der Stiftung, sich in diesem Bereich so zu engagieren?

Prof. Müller: Heinz Trox war immer ein Unternehmer, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst war. Außerdem war es ihm immer ein Anliegen, junge Menschen für die vielfältigen Aufgabenstellungen in der Klimatechnik zu begeistern. Für beide Themen hat er schon zu seinen Lebzeiten die Heinz Trox-Stiftung ins Leben gerufen, die sowohl soziale als auch wissenschaftliche Projekte, unabhängig vom Unternehmen Trox, fördern durfte. Ich freue mich sehr, dass die jetzigen Mitglieder des Stiftungsrats diesen Weg fortführen.

 

KKA: Trox ist ja nicht das einzige Unternehmen der Branche, das die wissenschaftliche Forschung in der TGA-Branche tatkräftig und mit beachtlichen finanziellen Mitteln unterstützt. Die Bitzer-Professur für Kälte-, Kryo- und Kompressorentechnik an der TU Dresden sei hier beispielhaft genannt. So löblich dieses Engagement ist, ist es nicht auch ein Armutszeugnis für Deutschland, dass unsere Hochschullandschaft anscheinend ohne Unterstützung der Industrie nicht auskommt?

Prof. Müller: Dass Unternehmen sich in unterschiedlicher Form an Hochschulen und Universität engagieren, ist aus meiner Sicht immer positiv zu bewerten. Es zeigt, wie hoch der Stellenwert einer guten Ausbildung für die Unternehmen ist und dass die Bildungseinrichtungen in der Lage sind, flexibel auf die Bedarfe und die Kooperationsangebote der Industrie zu reagieren. Auch mein Institut wurde im Rahmen einer Stiftung der E.ON SE vor elf Jahren an der RWTH Aachen gegründet. Heute sind wir mit mehr als 50 wissenschaftlichen Mitarbeitern ein national und international sichtbares Institut der Energietechnik an unserer Universität.

Unabhängig davon ist es richtig, dass gerade im Bereich der Gebäudetechnik das Ausbildungsangebot nicht ausreichend ist. Hier wird nach meiner Einschätzung übersehen, dass die Gebäudetechnik ein wichtiger Teil der deutschen Industrie ist, insbesondere wenn alle technischen Elemente des Bauens von der Planung bis zum Gebäudebetrieb berücksichtigt werden. Und wir wissen natürlich alle, dass, gemessen an unserem Bruttosozialprodukt, die Bundesrepublik mit ihren Bildungsausgaben immer noch weit unter ihren selbstgesetzten Zielen liegt.

International gesehen gibt es in den USA noch eine viel engere Verzahnung von privaten und öffentlichen Finanzierungen im Bildungswesen. Der hohe Anteil von Stiftungsgeldern in den USA hat sicher dazu beigetragen, dass die „schnellen Themen“, wie beispielsweise die Digitalisierung, hier von einigen Universitäten sehr gut aufgenommen werden konnten. Auch aus diesem Grund sollten wir insbesondere Stiftungen im Bildungswesen sehr offen gegenüberstehen.

 

KKA: Wie frei sind dann noch unsere Hochschulen bei der Wahl ihrer Forschungs­gebiete? Spitz formuliert: Dient die wissenschaftliche Forschung als Unterstützung der wirtschaftlichen Interessen eines Herstellers?

Prof. Müller: Hochschulen und Universitäten sind frei in der Wahl ihrer Forschungsgebiete. Für die Finanzierung von Forschungsvorhaben können ganz unterschiedliche Wege gegangen werden. So unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) grundlagenorientierte Arbeiten, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energie und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) alle Themenbereiche der Energiewende.

Es ist aus meiner Sicht immer ein Gewinn, wenn Unternehmen als Partner in anwendungsorientiere Forschungsprojekte eingebunden werden. Die Forschungsstellen profitieren von dem Praxis- und Marktverständnis der Unternehmen und die Unternehmen haben die Chance, neue Methoden, und natürlich auch potentielle Nachwuchskräfte, kennenzulernen. Ich habe in meinem Berufsleben nie erlebt, dass uns ein Unternehmen bei unseren Forschungsaktivitäten eingeschränkt hat. Ganz im Gegenteil: Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen sind oft neue Ideen für die Forschung entstanden.

An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass es sich bei der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH nicht um eine ausgegliederte F & E-Abteilung der Trox GmbH handelt. Alle Arbeiten dieser gGmbH werden veröffentlicht und stehen interessierten Unter­nehmen gleichermaßen zur Verfügung. Wir wollen mit der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH die Heiz- und Raumlufttechnik in Bezug auf das Wohlbefinden des Menschen unterstützen. Ziel ist es, die Qualität des gebauten Raumes zu verbessern und das Thema national und international stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Heinz Trox-Stiftung ist gemeinnützig und an strenge rechtliche Bedingungen sowie Regeln gebunden. Sie unterliegt der Stiftungsaufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen, ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und wendet die im Bundesverband empfohlenen „Grundsätze guter Stiftungspraxis“ an. Mit ihr werden ausschließlich und unmittelbar wissenschaftliche, gemeinnützige und mildtätige Ziele verfolgt.

 

KKA: Einmal losgelöst von allen Sachzwängen, Personalfragen und finanzieller Situation: Was würden Sie gerne als Forschungsprojekt angehen, wenn Sie unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten?

Prof. Müller: Wenn wir uns länger in Gebäuden aufhalten, wollen wir mal wieder nach draußen an die frische Luft. Warum eigentlich? Was fehlt uns? Diese Frage ist eine der Fragen, die mich seit einigen Jahren beschäftigt.

 

KKA: Prof. Müller, herzlichen Dank für das Gespräch und die offenen Worte!

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