Klimatisieren in Handarbeit

Regenwasser kollektiv verdunsten

Der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein wird in Japan in einer ganz neuen Art und Weise zelebriert. Dort gibt es nämlich einen neuen Volkssport: UCHIMIZU. Die Anhänger dieser Initiative machen es sich zur Aufgabe, in ihrer Freizeit Wasser, bevorzugt Regenwasser, auf Straßen und öffentlichen Plätzen zu verspritzen, um die Temperatur in der Stadt zu senken – in Handarbeit.

Das Ziel ist laut Website www.uchimizu.jp, die Temperatur in Innenstädten zu senken. Die überschlägige Kalkulation der Initiatoren kommt auf eine Absenkung von ca. 2 °C im Sommer in den überhitzten Großstädten. Dies setzt aber voraus, dass permanent alle öffentlichen, ebenerdig versiegelten Flächen mit Wasser besprengt werden – was nun wieder eher unwahrscheinlich ist. International in Erscheinung getreten sind die Verdunstungskühler beim World City Water Forum in Korea. Am 18. August 2009 war einer der Programmpunkte der mehrtägigen Veranstaltung die demonstrative Vorführung des „Klimatisierens in Handarbeit“. Mittags um 12 Uhr, als die Temperatur im koreanischen Incheon ca. 35 °C betrug, hat ein Kollektiv von 20 Personen begonnen, vor dem neuen Kongresszentrum der 2-Millionen-Stadt Incheon aus kleinen hölzernen Bottichen die Straße mit gesammeltem Regenwasser zu benetzen. Der Erfolg in Form einer messbaren Abkühlung wird sich aber wohl kaum eingestellt haben.

Die Bilder, die uns Klaus W. König aus Überlingen zur Verfügung gestellt hat, könnten manchen Hersteller von adiabaten Kühltechniken nervös werden lassen. Warum in Maschinen investieren, wenn man mit einem Heer von 1-Euro-Jobbern, die Wasser rund um ein Bürogebäude verschütten, den gleichen Effekt erzielen kann. Hier tut sich doch eine Marktlücke auf! Aber einige offizielle Sicherheitshinweise gilt es doch beim Ausüben von „USHIMIZU“ zu beachten: So soll man beim Besprengen der Straße darauf achten, nicht von Autos überfahren zu werden, und man sollte vorsorglich einen Hut tragen, um sich vor der Sonneneinstrahlung zu schützen – was wohl die Initiatoren der Kampagne zu oft vergessen haben. 

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