Wachstum und gegenseitige Unterstützung
Hintergründe zum Standortaufbau bei Girschner und der damit verbundenen Nachwuchsstrategie
Die KKA veröffentlichte am 12.2.2026 in den Online-News und in der KKA 2/2026 eine Meldung zur Gründung der Girschner Hannover GmbH
(www.t1p.de/KKA3-26Girschner). Bemerkenswert waren darin einerseits der angekündigte Wachstumskurs des Unternehmens, andererseits aber auch die Aussage, zentraler Bestandteil dieser Strategie sei die gezielte Förderung junger Fachkräfte, die ihre berufliche Zukunft in der unternehmerischen Verantwortung sehen. Insbesondere zur Frage, was sich hinter dieser „Nachwuchsstrategie“ verbirgt, sprach die KKA mit Thomas Girschner, Gesellschafter und Geschäftsführer der Girschner GmbH & Co. KG in
Delmenhorst.
KKA: Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie in den nächsten Jahren?
Girschner: In den nächsten fünf Jahren wollen wir gerne zwei bis drei weitere Standorte aufbauen. Dabei geht es uns nicht darum, möglichst schnell zu wachsen, sondern die Dinge sauber und nachhaltig aufzusetzen. Hannover ist für uns der erste Schritt gewesen. Uns ist wichtig, dass jeder Standort für sich funktioniert und von starken, eigenverantwortlichen Persönlichkeiten geführt wird. Wachstum darf bei uns nie auf Kosten von Qualität, Verlässlichkeit oder unserer Unternehmenskultur gehen – das muss immer mitwachsen.
KKA: Wie kam es zur Gründung der Girschner Hannover GmbH?
Girschner: Die Gründung hat eine sehr konkrete Vorgeschichte. Adrian Schlachter und Joel Gersner hatten ursprünglich geplant, im Rahmen einer Unternehmensnachfolge einen bestehenden Kälte-Klima-Fachbetrieb zu übernehmen. Dieser Prozess war bereits sehr weit fortgeschritten – Gespräche mit Banken waren geführt, grundlegende Zusagen lagen vor, und auch mit dem bisherigen Inhaber bestand Einigkeit. Kurz vor Abschluss kam es jedoch zu einer unerwarteten Veränderung der Rahmenbedingungen. Dadurch hat sich die wirtschaftliche Basis des Vorhabens so deutlich verschoben, dass für beide das Vertrauen in die ursprüngliche Vereinbarung nicht mehr gegeben war. In dieser Situation haben sie sich bewusst entschieden, diesen Weg nicht weiterzugehen und sich neu zu orientieren.
Über einen gemeinsamen Kontakt ist dann der Austausch mit mir entstanden. Daraus hat sich zunächst ein erstes Kennenlernen entwickelt und im nächsten Schritt ein strukturierter Workshop, in dem wir gemeinsam Ziele, Motivation und Perspektiven erarbeitet haben – begleitet durch einen externen Coach. Relativ schnell wurde klar, dass unsere Vorstellungen sehr gut zusammenpassen. Auf dieser Basis haben wir innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiges Konzept entwickelt. Rund vier Monate nach dem ersten Kennenlernen haben wir die Gründung beim Notar umgesetzt. Das Besondere daran ist: Es ist keine spontane Entscheidung gewesen, sondern ein bewusst entwickelter Schritt mit klarer Struktur und gemeinsamer Ausrichtung von Anfang an.
KKA: Wie sind die Geschäftsanteile und Stimmrechte in der neuen GmbH verteilt?
Girschner: Ganz einfach und fair: Jeder von uns ist mit jeweils einem Drittel beteiligt. Adrian und Joel sind dabei zusätzlich als Geschäftsführer operativ tätig, während ich in dieser Gesellschaft ausschließlich Gesellschafter und Berater bin. Mir war wichtig, dass die beiden nicht nur im Tagesgeschäft Verantwortung tragen, sondern auch unternehmerisch beteiligt sind. Verantwortung muss aus meiner Sicht echt sein und darf nicht nur auf dem Papier stehen. Gleichzeitig sorgt die Struktur dafür, dass wir bei der strategischen Ausrichtung und bei der Marke Girschner eine klare gemeinsame Linie haben. Unterm Strich ist das für mich eine gute Kombination aus unternehmerischer Freiheit vor Ort und einer stabilen gemeinsamen Basis.
KKA: Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Ihrem Modell und der Unterstützung durch Finanzinvestoren?
Girschner: Der größte Unterschied liegt meines Erachtens in der Perspektive. Finanzinvestoren denken meist in Zeiträumen von fünf bis sieben Jahren und verfolgen meist ein klares Exit-Ziel. Wir hingegen denken in Generationen. Unser Ansatz ist nicht, Unternehmen zu kaufen, zu optimieren und weiterzuverkaufen, sondern Strukturen aufzubauen, die dauerhaft funktionieren und Menschen eine sichere Zukunft bieten.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Herkunft unserer Entscheidungen. Wir kommen aus der Praxis, sind selbst operativ tätig und kennen die Anforderungen im Tagesgeschäft – technisch, organisatorisch und im Umgang mit Kunden und Mitarbeitenden. Das führt einfach zu anderen Entscheidungen als bei einer rein finanziellen Betrachtung.
Natürlich muss ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein – das ist die Grundlage von allem und die Aufgabe eines jeden Unternehmers. Aber bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt: die Entwicklung der Mitarbeitenden, unternehmerische Verantwortung vor Ort und ein stabiles, langfristiges Umfeld.
KKA: In welcher Form unterstützen Sie die jungen Geschäftsführer in Hannover?
Girschner: Wir unterstützen bei den Prozessen im Unternehmen und bei Geschäftsführungsfragen. Auch ein Teil der Buchführung läuft über die Zentrale in Delmenhorst. Wir geben ihnen ein funktionierendes Fundament mit: klare Prozesse, digitale Strukturen, kaufmännische Sicherheit und ein etabliertes Netzwerk. Gleichzeitig greifen wir im Tagesgeschäft nur dort ein, wo es sinnvoll ist. Ziel ist es, dass sie eigenständig unternehmerisch handeln können, aber nicht die typischen Fehler machen müssen, die viele Gründer am Anfang erleben. Man kann es so sagen: Sie starten nicht bei null, sondern auf einem sehr stabilen Niveau.
KKA: Gibt es Vorteile, dass allein schon der Name Girschner auch in Hannover geführt wird?
Girschner: Ja, auf jeden Fall. Wenn man selbst den Namen der Firma trägt, mag man das vielleicht nicht immer so wahrnehmen, aber der Name Girschner ist überregional durchaus bekannt und steht für Verlässlichkeit, Qualität und dafür, dass wir da beginnen, wo andere aufgegeben haben. Auch wenn der Ursprung bei meinem Vater liegt, der das Unternehmen gegründet hat, ist es heute mein Anspruch, genau diesen Namen weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Und genau das hilft uns beim Start in Hannover spürbar. Viele Kunden haben direkt ein anderes Vertrauen, weil sie merken, dass hinter dem Namen eine gewachsene Struktur mit über 40 Jahren Erfahrung steht. Das erleichtert Entscheidungen deutlich.
Gleichzeitig merken wir schon jetzt, dass beide Standorte davon profitieren, dass wir als Gruppe wahrgenommen werden. Auch im Außenverhältnis, etwa bei Lieferanten, entstehen dadurch klare Vorteile. Und am Ende ist der Name auch eine Verpflichtung. Wer unter Girschner arbeitet, muss genau für diese Werte stehen und sie jeden Tag erfüllen.
KKA: Sie hatten in Ihrer Pressemitteilung im Februar auch die Nachwuchsförderung hervorgehoben. Wie ist das zu verstehen?
Girschner: Der Schritt in die Selbstständigkeit wird oft unterschätzt. Fachlich sind viele sehr gut, aber die Themen daneben sind heute oft entscheidend. Es geht eben nicht nur um Beratung, Angebote, Ausführung und Abrechnung. Dazu kommen Themen wie Liquidität, Forderungsmanagement, Personal, Organisation, aber auch rechtliche und steuerliche Fragestellungen. Gerade dort liegen viele Stolperfallen, die einem schnell auf die Füße fallen können, wenn man sie nicht im Blick hat.
Genau hier setzen wir an. Wir wollen jungen Leuten, die unternehmerisch Verantwortung übernehmen wollen, eine Struktur geben, in der sie sich entwickeln können. Nicht, indem wir ihnen alles abnehmen, sondern indem wir ihnen ein stabiles Umfeld bieten, in dem diese Themen mitgedacht sind. So schaffen wir die Grundlage, dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können und trotzdem unternehmerisch sauber aufgestellt sind.
KKA: Was ist Ihre persönliche Motivation?
Girschner: Im Kern steht für mich das Menschliche und Familiäre im Vordergrund. Es geht mir nicht nur darum zu wachsen, sondern darum, Menschen zu entwickeln und etwas aufzubauen, das langfristig funktioniert. Ich bin im Unternehmen aufgewachsen und habe viele Entwicklungen, Entscheidungen und auch Herausforderungen aus nächster Nähe mitbekommen und mit begleitet. Dadurch habe ich ein gutes Verständnis dafür entwickelt, worauf es wirklich ankommt. Meine Motivation ist es, genau das weiterzugeben und Strukturen zu schaffen, auf denen andere aufbauen können, damit sie sich unternehmerisch entwickeln können, ohne bei null anfangen zu müssen.
KKA: Haben Sie eine Exitstrategie?
Girschner: Nein, eine klassische Exitstrategie gibt es bei uns nicht. Unser Ziel ist nicht der Verkauf, sondern der Aufbau einer stabilen, langfristig erfolgreichen Struktur. Wichtig ist mir, dass das Unternehmen so aufgestellt ist, dass es unabhängig von einzelnen Personen funktioniert. Wir denken nicht in Verkaufszyklen, sondern in Entwicklung und Kontinuität. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sich die jungen Unternehmer und meine Partner durch mich nicht gebremst fühlen, sondern dass ich für sie einen echten Mehrwert darstelle.
KKA: Herzlichen Dank für das Gespräch.
