Deutsche Kälte- und Klimatagung 2023

Der DKV zum dritten Mal am Flughafen Hannover und zum fünften Mal in der Stadt

Vom 22. bis 24.November 2023 veranstaltete der Deutsche Kälte- und Klimatechnischer Verein e.V. (DKV) seine Jahrestagung im Maritim Hotel Hannover-Flughafen. Insgesamt kamen 580 Teilnehmer zur Tagung, davon 49 Gäste aus dem europäischen Ausland. Das Vortragsprogramm umfasste 119 Fachvorträge in den fünf Arbeitsabteilungen des DKV. Dazu kamen sechs Vorträge in der Sonderveranstaltung „Energieeffiziente Klimatisierung in Rechenzentren“. Am Donnerstagnachmittag wurden zudem sieben Vorträge zur Klimatisierung angeboten. Erstmalig wurde das Programm der Tagung auch in Form einer App für Smartphones zur Verfügung gestellt. Knapp 60 % der Teilnehmer nutzen die App – insbesondere die Funktion des persönlichen Zeitplans.

Schon traditionell begannen die ersten Vorträge bereits am Mittwochnachmittag bei der Studierendenveranstaltung „Von Studierenden für Studierende“, moderiert von Robin Pohler (IKET) und Valentin Falk (Hochschule Ruhr-West, Campus Bottrop, Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft). Die Veranstaltung war mit 133 Zuhörer ein sehr gut besuchter Bestandteil der Tagung. Es gab sieben Fachvorträge (bei krankheitsbedingtem Ausfall von zwei Beiträgen) von fünf verschiedenen Hochschulen. Die Qualität der Vorträge wurde von Seiten der Teilnehmer sehr gelobt. Eine fünfköpfige Jury sowie die Teilnehmer der Veranstaltung prämierten die Präsentationen.

Mitgliederversammlung

Am Mittwochabend fand schließlich die Mitgliederversammlung des DKV statt. Mit 96 Teilnehmern (92 Mitgliedern) und davon 76 Stimmberechtigten war die Versammlung besser besucht als im Vorjahr.

In knapp zweieinhalb Stunden waren alle Tagesordnungspunkte besprochen, u.a. Darstellung des Jahresberichts 2022, die Berichte von den Obleuten der Arbeitsabteilungen und aus den Bezirksvereinen, Kassenbericht, Entlastung des Vorstands, sieben Wahlen zum Vorstand, Vorstellung und Genehmigung des Budgets für 2024, zwei Anträgen wie die Erweiterung der Arbeitsabteilungen auf insgesamt sechs und die Einführung einer neuen Ehrung.

Als neuer Vorsitzender wurde Dr.-Ing. Yves Wild gewählt, zum Stellvertretenden Vorsitzenden bestimmte die Versammlung Dr.-Ing. Marek Miara. Die Obleute Prof. Dr. rer. nat. Christoph Haberstroh (AA I Kryotechnik) und Prof. Dr.-Ing. Stephan Kabelac (Obmann II.1 Grundlagen) wurden in ihren Ämtern für zwei weitere Jahre bestätigt. Frau Prof. Dr.-Ing. habil. Christiane Thomas wurde für ein Jahr als Obfrau für die AA IV gewählt und Prof. Dr.-Ing. Robin Langebach wird der neue Schriftführer.

Zum fünften Mal wurde der Tagungsordnungspunkt „Branchen-Informationen“ aufgenommen. Dr.-Ing. Rainer Jakobs berichtete über die Firmenentwicklungen, Firmenzusammenschlüsse, die Situation bei den Studierendenzahlen und die Zahlen beim Handwerksnachwuchs.

Während der Mitgliederversammlung wurden auch die Preisträger aus der Studierendenversammlung verkündet:

1. Janik Horst (RWTH Aachen, EON ERC)

2. Max Friedemann (Universität Dresden

3. Malte Radecke (Universität Dresen)

Eröffnung der Tagung

Pünktlich um 09:00 Uhr startete am Donnerstagmorgen die Eröffnungssitzung im Saal Maritim. Der Vorsitzende Dr.-Ing. Holger Neumann stellte in seiner Begrüßung den neuen Vorstand vor, dessen Amtszeit direkt nach der Tagung beginnt.

Auch 2023 wurden Ehrungen für 25, 35 (25 plus 10 Jahre – Eintritt in die Kammer der Technik in 1989), 40 und 50 Jahre treue Mitgliedschaft im DKV ausgesprochen. Insgesamt wurden 21 Mitglieder mit der Ehrennadel für 25 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet, 11 von ihnen waren anwesend. Eine Nadel für 40 Jahre Mitgliedschaft im DKV erhielten 18 Mitglieder. Für 50 Jahre Mitgliedschaft wurde Dr.-Ing. Efstratios Rigos geehrt. Dipl.-Ing. Hanns T. Roggenkamp wurde bereits 2022 für 60 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. In diesem Jahr wurden ihm die Urkunde und ein Buchpräsent am Abend persönlich überreicht.

DKV-Studienpreis an Tim Rudzik

Der DKV-Studienpreis 2023 geht an Herrn Tim Rudzik von der Technischen Universität Dresden, Schaufler-Professur für Kälte-, Kryo- und Kompressorentechnik. Er wird für seine Diplomarbeit zu „Experimentelle Untersuchung der Verblockungen in CO2-Sublimatoren“ ausgezeichnet. Frau Prof. Dr. Christiane Thomas, Leiterin des Lehrstuhls, hielt die Laudatio.

Rudolf-Plank-Medaille an Prof. Dr.-Ing. Michael Arnemann

Professor Arnemann wurde von insgesamt vier Mitgliedern für die Auszeichnung mit der Rudolf-Plank-Medaille vorgeschlagen. Die Laudatio übernahm Prof. Dr.-Ing. Ullrich Hesse.

Der DKV vergibt die Rudolf-Plank-Medaille an Mitglieder für ganz besondere, außergewöhnliche Verdienste um die inneren Belange unseres Vereins, und für signifikantes Wirken nach außen zum Wohle des Vereins, so die Verleihungsordnung. Die Rudolf-Plank-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die ein Mitglied für dieses Wirken erhalten kann. Die Verleihung erfolgt in unregelmäßigen Abständen. Die letzte Medaille wurde an Dr.-Ing. Josef Osthues im Jahr 2021 verliehen.

Update zum Plenarvortrag vom Vorjahr „Netto-Null – Was geht uns das an?“

Bereits im Jahr zuvor hatten Lambert Kuijpers, Jörn Schwarz und Prof. Dr. Ullrich Hesse einen sehr spannenden Vortrag zum Thema „Netto-Null – Was geht uns das an?“ gehalten (s. KKA 1/2023 https://t1p.de/KKA1-24DKV) und mit einem Blick 50 Jahre zurück auf das Jahr 1972 begonnen, als das Buch „Grenzen des Wachstums“ gerade erschienen war. Damals bezweifelte man die Genauigkeit der Computermodelle und Prognosen dieser Studie des „Club of Rome“. Aus heutiger Sicht betrachtet waren die Voraussagen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre erschreckend genau.

Die drei Autoren haben an der Thematik weitergearbeitet und Lambert Kuijpers präsentierte die neuesten Zahlen und Entwicklungen. Hier ein Zitat aus dem ausgelegten Dokument:

Die IEA und IRENA veröffentlichten in September und Oktober 2023 Berichte zum Festhalten an dem 1,5 °C Ziel, wofür sich aber die erneuerbare Elektroenergie pro Jahr verdoppeln müsse!

Im September 2023 gab es bei dem UN Climate Summit eine erste Globale Bestandsaufnahme der UNO, d.h. eine Bewertung der Klimaschutzbemühungen aller „Paris“-Unterzeichnerstaaten:

die Länder sind nicht in der Spur;

eingereichte Klimapläne reichen nicht;

aktuelle Emissionen sind zu hoch;

der Emissionsrückgang erfolgt zu langsam;

die erste globale Bestandsaufnahme erfolgt erst bei der COP28 in Dubai, die Information ist daher unsicher.

Zusätzliche Schlussfolgerungen heute:

RACHP ist auf dem Weg.

Einsatz, Geschwindigkeit und Konsequenz des Handelns reichen aber nicht.

Erforderlich ist dafür eine bessere Planung für viele Sektoren, welche die Vereinbarungen noch nicht einhalten, z.B. wegen Emissionsreduzierungsschwierigkeiten bei industriellen Prozessen. Deswegen: „RACHP muss die Politik überholen. Jetzt handeln, statt auf die Politik zu warten.“

Festvorträge

Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz hat lange Zeit und bis zu seinem Tod im Jahr 1716 in Hannover gelebt und gearbeitet. Sein Name ist eng mit der Stadt verbunden und die hiesige Universität trägt seinen Namen seit 2006. Daher hatte der DKV Rainer Künnecke als Geheimrat Leibniz eingeladen, um mehr über sein Leben, seine vielfältigen Betätigungsfelder, seine internationale Vernetzung sowie über Entdeckungen und Erfindungen zu erfahren.

In dem Vortrag berichtete „Leibniz“ lebhaft über seine Aufenthalte in Wien, Paris und London. 1676 entschied er sich der Einladung des Herzogs zu Braunschweig-Lüneburg-Calenberg in die Residenzstadt Hannover zu folgen. Er betreute die umfangreiche Bibliothek und wurde zwei Jahre später zum Hofrat ernannt. Später wurde er beauftragt die historischen Quellen der Welfengeschichte zu erforschen.

Im zweiten Festvortrag berichtete Dr. Thomas Ramge (Journalist und Sachbuchautor) über „Sprunginnovation – Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in die Balance bekommen und zugleich grüne Energie im Überfluss erzeugen“.

„Dr. Thomas Ramge denkt und schreibt an den Schnittstellen von Technologie und Ökonomie, Nachhaltigkeit und Gesellschaft. Seine Vorträge zu den großen Veränderungsprozessen durch Technologie sind klug und faktenbasiert, verständlich und unterhaltsam, wissenschaftlich hinterlegt und inspirierend“, so steht es in seiner Vita.

Er veröffentlichte unter dem genannten Titel zusammen mit Rafael Laguna de la Vera ein Sachbuch und referierte dazu auch beim DKV. Schlaglichter seines Beitrages waren:

Leben wir in innovativen Zeiten? Viel Geld wird für Innovationen ausgegeben, der „Innovationsindex“ ist aber gering

Gegenwartseitelkeit

Innovation innovieren

Nerds mit Mission

Der unternehmerische Staat

Wieviel Wagnis wagt Kapital?

Was wäre, wenn wir Energie radikal neu denken…?

Too cheap to meter

Too good to be true?

Don’t be careful what you wish for.

Nutzung der Konferenz-App

In diesem Jahr setzte der DKV bei der Jahrestagung erstmalig eine Konferenz-App ein. Verwendet wurde hierfür die Plattform „Guidebook“, die mit den Daten der Jahrestagung gefüttert wurde. Hiermit war es auf dem Smart-Phone (oder Tablet) möglich, das gesamte Programm inklusive der Studierendenveranstaltung, der technischen Besichtigungen sowie DKV-interner Sitzungen darzustellen.

Vortragsprogramm der Arbeitsabteilungen

Das Vortragsprogramm 2023 umfasste 117 Vorträge über das gesamte Spektrum der Kälte-, Klima-, Kryo- und Wärmepumpentechnik und war gut bis sehr gut besucht. Vortragsausfälle konnten durch kurzfristig zugesandte Videos ausgeglichen werden.

In der Arbeitsabteilung I wurde am Freitagmorgen eine Session mit sechs Vorträgen zu Kryomedizin und Kryobanken angeboten. Die Moderation hatte Frau Prof. Dr. Birgit Glasmacher vom IMP, der Leibniz-Universität Hannover übernommen. Die Vorträge in der Session Klimatechnik am Donnerstag und Rechenzentrum am Freitag wurden sehr gut angenommen. Der gewählte Raum war teilweise zu klein und einige Zuhörer standen am Rand.

Fazit von Hannover

Die Räumlichkeiten im Maritim Airport Hotel sind teilweise nicht ganz ausreichend. Dennoch kann Hannover eine Option für die DKV-Tagung in Zukunft bleiben, da mit der Aufteilung in sechs Arbeitsabteilungen die Anzahl und Größe der Säle neu gedacht werden kann.

Insgesamt ist die Veranstaltung sehr harmonisch und im Großen und Ganzen unaufgeregt verlaufen. Sowohl der Vorstand und das Tagungsteam als auch die Teilnehmer hatten eine schöne Zeit und konnten viele interessante Informationen mitnehmen.

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