Fresh World und brennbare Kältemittel

Interview mit Patrick Stern, Product & Market Manager, ebm-papst

ebm-papst präsentierte am 18.11.2020 das virtuelle Highlight-Event „Fresh World“ für die Kälte- und Lüftungstechnik. Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich über neue Lösungen von ebm-papst zu informieren und sich mit Spezialisten auszutauschen. Im Rahmen des Events moderierte die KKA-Redaktion ein Expertengespräch zum Thema natürliche (brennbare) Kältemittel. Die Kernaussagen von Patrick Stern, Product & Market Manager bei ebm-papst, im Rahmen der Gesprächsrunde sind nachfolgend zusammengefasst.

KKA: Wie schätzen Sie die aktuelle Markt-Situation ein in Bezug auf brennbare Kältemittel? Gibt es (noch) Bedenken seitens der Anlagenbauer bzw. auf Betreiberseite?

Patrick Stern: Zurzeit erhalten wir viele Anfragen von unseren Kunden – also von den Geräteherstellern – nach Ventilatoren, die für brennbare Kältemittel geeignet sind. Wir sehen allerdings bei vielen Geräteherstellern auch noch Unsicherheiten im Umgang mit diesem Thema. Die Situation bei den Anlagenbauern und Betreibern können wir nicht beurteilen, da wir hier keine direkten Kontakte haben.

 

KKA: Was wird sich verändern, bzw. verändern müssen, wenn wir auf das Jahr 2030 blicken, wenn die letzte Stufe der F-Gas-Verordnung greift? Werden dann nur noch natürliche Kältemittel übrigbleiben?

Patrick Stern: Nun, wir gehen davon aus, dass die Kundenanfragen nach Ventilatoren für brennbare Kältemittel bis dahin kontinuierlich zunehmen werden, da immer mehr brennbare Kältemittel zum Einsatz kommen. Die Frage, ob dann nur noch natürliche Kältemittel übrigbleiben oder auch weiterhin synthetische verwendet werden, können wir nicht beantworten. Dies hängt von der Anwendung und dem jeweiligen Gerätdesign ab und liegt somit in der Verantwortung der Gerätehersteller.

KKA: Derzeit wird viel über die Revision der F-Gas-Verordnung diskutiert bzw. gerätselt, was an Veränderungen auf uns zukommen wird. Was sehen Sie, wenn Sie den Blick in die Glaskugel werfen?

Patrick Stern: Auch wenn wir nicht direkt an dieser Diskussion beteiligt sind und auch keinen Einfluss darauf haben, denken wir, dass es auf eine Verschärfung der aktuell gültigen F-Gas-Verordnung hinauslaufen wird.

KKA: Wie wird sich durch den vermehrten Einsatz brennbarer Kältemittel das Design von Komponenten und Systemen verändern und welche Sicherheitskonzepte müssen hierbei beachtet bzw. entwickelt werden? Ergänzend: Kann das mit einem Standard-Sicherheitskonzept erfolgen oder müssen zig unterschiedliche entwickelt werden?

Patrick Stern: Aus Sicht der „Komponente Ventilator“ wird sich das Design dahingehend verändern, dass die erhöhten Sicherheitsanforderungen aufgrund der Brennbarkeit erfüllt werden. Unsere Strategie hierbei besteht darin, dass wir unsere heutigen Motoren und Ventilatoren dahingehend ertüchtigen, um die relevanten Anforderungen aus den Produktnormen, wie z.B. die EN 60335-2-40 oder die EN 60335-2-89 zu erfüllen. Hier sind insbesondere funkende Bauteile sowie die Oberflächentemperaturen zu betrachten. Die Konformität mit diesen Produktnormen lassen wir uns typischerweise durch entsprechende Zertifikate unabhängiger Prüfinstitute belegen. Mit diesem Vorgehen, d.h. durch die Orientierung an den Produktnormen streben wir im Prinzip ein Standard-Sicherheitskonzept für unsere Ventilatoren an. Die Prüfung und Zulassung unserer Motoren und Ventilatoren ist ein laufender Prozess. Für jedes Produkt wird eine gewisse Zeit benötigt, wobei die Ressourcen der externen Prüfstellen eine maßgebliche Rolle spielen.

KKA: Welche Erwartungen hat der Markt an einen Komponentenlieferanten wie ebm-papst als Hersteller hochwertiger Ventilatoren? Werden zum Beispiel ATEX-geprüfte Ventilatoren mehr und mehr zum Standard werden?

Patrick Stern: Die Erwartungen des Marktes können wir aus den Anfragen unserer Kunden ablesen und in den meisten Fällen decken sich diese Erwartungen mit unserer zuvor erwähnten Strategie, wie wir unsere Produkte ertüchtigen. Obwohl wir aus dem Markt auch Anfragen nach ATEX-geprüften Ventilatoren erhalten, sehen wir diese nicht als Standard für Geräte und Anlagen mit brennbaren Kältemitteln. Ganz einfach deshalb, weil ATEX-geprüfte Ventilatoren aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen, die über das typisch erforderliche Maß für Anlagen mit brennbaren Kältemitteln hinausgehen, entsprechend aufwendiger und teurer sind und somit weniger wettbewerbsfähig. Trotz aller Forderungen nach Umweltfreundlichkeit und niedrigem GWP-Wert müssen die Geräte und Anlagen am Ende des Tages nach wie vor wirtschaftlich sein.

KKA: Wie schätzen Sie das Wissen von Planern und Fachbetrieben ein, was den Umgang mit brennbaren Kältemitteln betrifft? Gibt es hier große Unterschiede innerhalb der EU?

Patrick Stern: Das im Markt vorhandene Wissen im Umgang mit brennbaren Kältemitteln ist teilweise sehr unterschiedlich. Allerdings sind die Unterschiede, die wir wahrnehmen, eher zwischen einzelnen Geräteherstellern und weniger zwischen den einzelnen Ländern innerhalb der EU. Dieser Umstand zeigt aber auch, dass es bei vielen Marktteilnehmern noch Schulungsbedarf gibt.

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