Gemeinsam gegen den illegalen Kältemittelhandel

Interview mit Felix Flohr, Sprecher des EFCTC

Seit Monaten setzt sich der europäische Herstellverband EFCTC verstärkt gegen den illegalen Handel mit Kältemitteln in Europa ein. Ein Ergebnis: die branchenweite „Initiative Ehrenwort“ (Die KKA berichtete in Ausgabe 6/2020). Die Redaktion sprach dazu mit Felix Flohr, Kältemittel-Experte bei Daikin Chemicals und Sprecher des EFCTC.

KKA: Herr Flohr, pünktlich zum Chillventa eSpecial hat der EFCTC im Oktober die „Initiative Ehrenwort“ ins Leben gerufen – mit welchem Ziel?

Flohr: Die gesamte Wertschöpfungskette – von Herstellern, Händlern und Importeuren bis zu Handwerkern und Endanwendern – ist dazu aufgerufen, sich gegen den illegalen Handel mit Kältemitteln zu positionieren. Ziel der europaweiten Initiative ist die Eindämmung des Schwarzmarktes, der die Klimaziele der EU untergräbt und das organisierte Verbrechen finanziert.  Die Unterzeichner der Initiative verpflichten sich, keine illegal gehandelten Kältemittel weiterzugeben und illegale Aktivitäten zu melden. Mittlerweile hat die Initiative über 275  Unterzeichner, darunter viele namhafte Unterstützer wie die Westfalen AG oder die zentralen Branchenverbände VDKF, ZVKKW und BIV.

KKA: Warum sollte sich die Kältemittelbranche der Initiative anschließen?

Flohr: Illegal importierte Kältemittel zu kaufen oder zu verwenden, unterstützt kriminelle Aktivitäten. Das kann Folgen für den Ruf der betroffenen Unternehmen haben, außerdem kann die Arbeit mit illegalen HFKWs strafrechtlich verfolgt und mit Geldstrafen belegt werden. Zudem sind Monteure und Anwender ernsthaften Sicherheitsrisiken ausgesetzt, da niemand für die Qualität der illegal importierten Behälter oder deren Inhalt garantieren kann. Deswegen appelliere ich an alle, die mit Kältemitteln zu tun haben: Unterstützen Sie die „Initiative Ehrenwort“! Zeigen Sie ihren Kunden, Kollegen und Mitarbeitern, dass Sie den illegalen Handel ablehnen und ausschließlich mit zuverlässigen Produkten und Lieferanten zusammenarbeiten.

KKA: Wie können Privatpersonen und Unternehmen an der Initiative teilnehmen?

Flohr: Auf der Website www.stopillegalcooling.eu/pledge können Sie sich beteiligen – die Anmeldung dauert nicht länger als zwei, drei Minuten. Die Initiative ist eine Selbstverpflichtung; als Unterzeichner erklären Sie, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um den illegalen Handel zu beenden. Im Gegenzug stellt die Initiative Material zur Verfügung, um Ihre Unterstützung deutlich zu machen: Logos und Inhalte für die sozialen Medien und Poster für Werkstatt und Büro. Möglich ist auch eine gemeinsame Pressearbeit.

KKA: Wie groß ist das Problem mit illegal gehandelten Kältemitteln?

Flohr: Der Schwarzmarkt für HFKWs floriert in ganz Europa und bedroht nicht zuletzt auch die Existenzgrundlage vieler kleiner und mittlerer Unternehmen. Untersuchungen im Auftrag des EFCTC haben gezeigt, dass der illegale Handel mit Kältemitteln bis zu 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent umfasst. Das entspricht rund einem Drittel der Quoten, die die F-Gas-Verordnung für das Jahr 2018 vorgegeben hat – also einem Drittel des legalen Marktes!

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