Kältetechnik ist ein wichtiger Hebel für das Erreichen der Klimaziele

Interview mit Ole Møller-Jensen und Stefan König, Danfoss

Bei dem Technologieunternehmen Danfoss steht Anfang 2021 ein Wechsel in der deutschen Geschäftsleitung an: Ole Møller-Jensen, bisheriger Geschäftsführer von Danfoss Deutschland, verabschiedet sich nach rund 42 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand. Sein Nachfolger Stefan König ist bereits seit 1990 bei Danfoss. Wir haben mit den beiden über die Entwicklungen in der Kältetechnikbranche gesprochen und welche Pläne das Unternehmen für die Zukunft hat.

KKA: Seitdem Sie vor 42 Jahren bei Danfoss angefangen haben, hat sich viel verändert. Wie haben Sie die letzten Jahre in der Kältetechnikbranche erlebt?

Ole Møller-Jensen: In all den Jahren hat sich einiges getan: Es begann in der R12-Ära. Damals wusste man in der Gewerbekälte genau, Normalkühlung mit R12 und Tiefkühlung mit R502. Und wenn man einen Kälteanlagenbauer fragte, welche Farbe ein Danfoss-Filtertrockner habe, dann war die Antwort: Blau. Mittlerweile haben wir bei den Trocknern mehrere Farben durch, genau wie bei den Kältemitteln. Nach den vollhalogenierten Kältemitteln kamen die teilhalogenierten Kältemittel – Stichwort R22. Auch da war die Kältemittelwahl noch ein Klacks. In der Neuzeit mit Komponenten und Lösungen für FKW, also R404A und R134a, war die Kältemittelwahl nicht mehr so einfach.

Aktuell hören wir von unserem technischen Support, dass es bei fast jeder zweiten Kundenfrage direkt oder indirekt um das Thema Kältemittel geht. Heute dreht sich alles um niedrige Treibhauspotenzialwerte und den Umgang mit in unterschiedlichem Maße brennbaren Kältemitteln. Als führender Hersteller im Bereich Kältetechnik bieten wir für unsere Kunden in diesen wichtigen Umbruchzeiten nicht nur energieeffiziente und zuverlässige Komponenten, sondern auch umfangreiche Serviceleistungen. Dies geht von sehr bedienfreundlichen Smartphone-Apps über die Unterstützung von echten Praxisexperten vor Ort oder am Telefon bis hin zu kostenlosen Webinar-Angeboten für die aktuellen Themen der Branche.

 

KKA: Herr König, wie wird sich die Branche in den nächsten Jahren entwickeln?

Stefan König: Die Europäische Kommission schätzt, dass der Kältesektor den Wärmesektor in der EU bis 2060 bezüglich des Energieverbrauchs überholt haben wird. Hierzulande nimmt der Einsatz von Klimaanlagen zu, insbesondere in Büros, Verwaltungsgebäuden, Krankenhäusern und Privatwohnungen. Ein wichtiger Grund sind die steigenden Temperaturen und die gestiegenen Komfortansprüche. Allein in der EU wird der Bedarf an Gebäudeklimaanlagen geschätzt bis 2030 um 70 % steigen. Das ist ein klarer Megatrend und wir sind unmittelbar dabei. Und die klassische Grenze zwischen Wärme- und Kältesektor ist dabei zu verschwinden: Kältetechnik ist die Zukunft der Wärmetechnik. Im Neubau ist die Wärmepumpe die Nummer eins – und sie ist Kältetechnik.

Weiterhin hat die Entwicklung der letzten Jahre gezeigt, dass wir einen Wandel durchlaufen haben, wie sich die Menschen heute ernähren. Dabei sind Tiefkühlkost sowie gekühlte Lebensmittel immer wichtiger geworden. Um die Qualität dieser Lebensmittel zu gewährleisten und die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, spielt es eine immer größere Rolle, die Kältesysteme zu überwachen und aufzuzeichnen. Damit können wir entsprechende Verluste innerhalb der Kühlkette aufzeigen und verhindern. Das ist auch im Hinblick auf die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und zur Sicherung der Qualität der Lebensmittel unabdingbar geworden. Wie Sie sehen, können wir in der Kältebranche viel für das Klima bewegen.   

 

KKA: Kann die Kälteindustrie einen entscheidenden Beitrag für das Klima leisten?

Ole Møller-Jensen: Allein bei einem Umstieg auf natürliche Kältemittel wie NH3 oder CO2 lässt sich viel für die Umwelt tun. Durch das besonders niedrige Treibhauspotenzial lassen sich CO2-Emissionen weltweit senken. Dabei ist stets zu beachten, dass es sowieso nur um Kältemittelleckagen, also um Kältemittelverluste geht. Einen weiteren Punkt dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen: die Energieeffizienz der Endprodukte. Wir wollen verhindern, dass durch die Kältemittelumstellung plötzlich mehr Energie verbraucht wird und damit mehr CO2 ausgestoßen wird. Daher räumen Kälteexperten der Energieoptimierung, den Verdichtern und Verflüssigungssätzen eine große Relevanz ein. Konkret ist hier auch der zunehmende Einsatz von Frequenzumrichtern in der Kältetechnik zu nennen. Diese senken den Energiebedarf und lösen gleichzeitig eine der Hauptherausforderungen der Kältetechnik – den energieeffizienten Teillastbetrieb von Kälteanlagen, der im Schnitt im Jahresverlauf am häufigsten vorkommt. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch wichtig, dass die technischen Standards diese Anforderungen abbilden. Darüber hinaus wird es in Zukunft in noch höherem Maße darauf ankommen, Kälte- und Wärmeanwendungen clever miteinander zu verknüpfen. Das gilt beispielsweise für Wärmerückgewinnung und den intelligenten Einsatz von Wärmepumpen. Wir müssen auf Synergien von Kälte und Wärme setzen und diese zukünftig voll ausschöpfen. Oftmals fehlt es aber an Bewusstsein, wie gewinnbringend die Verbindung von Kälte und Wärme sein kann. Um die Synergien voll auszuschöpfen, braucht es echte Konnektivität, Systemdenken und den Willen zu weltweiter Zusammenarbeit.

 

KKA: Gibt es denn schon Pläne, wie Danfoss diesen Herausforderungen begegnet?

Stefan König: Wir arbeiten kontinuierlich daran, den Kundenfokus weiter zu stärken und für die großen zukünftigen Wachstums­chancen gut gerüstet zu sein. Mit unserem gesamten Portfolio streben wir die Position als führender Anbieter von Anwendungen und Lösungen im Bereich Kälte- und Wärmetechnik an. Kunden suchen mehr und mehr nach starken, führenden Partnern, die alle wichtigen Anwendungen abdecken und intelligente Lösungen bei der Kombination von Wärme- und Kältetechnik bieten. Gleichzeitig haben wir viele Möglichkeiten auf der Technologieseite sowie bei gemeinsamen Schlüsselanwendungen.

 

KKA: Somit wartet in Ihrer neuen Rolle gleich eine große Aufgabe auf Sie. Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Stefan König: Ich freue mich auf die kommenden Jahre und darauf, was wir bewegen können. Daneben müssen wir weiterhin den Fokus auf einen grünen Neustart der Branche setzen, denn die Kälte- und Klimatechnik ist ein wichtiger Hebel für das Erreichen der Klimaziele. So bietet beispielsweise das zu erwartende weltweite Wachstum im Kältesektor die große Chance, noch mehr nachhaltige und effiziente Technologien zu nutzen. Zudem muss die Synergie von Wärme und Kälte voll ausgeschöpft werden, sodass Abwärme effizienter genutzt werden kann und nicht mehr einfach in die Umgebung entlassen wird. Auch die Ausbildung unserer Kältefachkräfte muss den technologischen Anforderungen angepasst werden. Schließlich müssen wir die Bereiche Kälte und Wärme mit erneuerbaren Energien und nachhaltigen Konzepten verbinden, denn nur so lassen sich die CO2-Emissionen wirklich dauerhaft reduzieren.

 

KKA: Herr Møller-Jensen, wie sehen Ihre Pläne jetzt aus?

Ole Møller-Jensen: Ich freue mich nun sehr darauf, meine Energie meiner Familie und meinen Freunden widmen zu können und sehe das Unternehmen bei meinem Nachfolger und Kollegen Stefan König in besten Händen.

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