Schnelle und nachhaltige Kältemittel-Rückgewinnung

Interview mit Marco Pepi und Christian Raschka, A-Gas Rapid Recovery

Vor dem Hintergrund der F-Gase-Verordnung und der damit einhergehenden schrittweisen Reduzierung der zur Verfügung stehenden traditionellen HFC-Kältemittelmengen kommt der Wiederaufbereitung von gebrauchtem Kältemittel eine hohe Bedeutung zu. Doch wie lässt sich Kältemittel schnell und sicher aus Bestandsanlagen entfernen und wo bzw. wie wird es professionell wiederaufbereitet? Die KKA sprach hierzu mit Marco Pepi, European Director und Christian Raschka, Country Manager Germany für den Geschäftsbereich A-Gas Rapid Recovery bei der Arthur Friedrichs Kältemittel GmbH.

KKA: Rapid Recovery ist als Dienstleister erst seit Kurzem auf dem deutschen Markt aktiv und sicher den meisten Lesern noch unbekannt. Geben Sie uns doch bitte zunächst einen kurzen Steckbrief Ihres Unternehmens.

Marco Pepi: Rapid Recovery ist ein neuer Geschäftsbereich von A-Gas. Auch A-Gas ist vermutlich dem ein oder anderen unbekannt. Doch A-Gas ist seit über 25 Jahren im Bereich Kältemittel und technische Gase aktiv. A‑Gas gehört zu den Weltmarktführern in den Bereichen Versorgung und Lifecycle Management von Kältemitteln, Treibmitteln, Industriegasen und Löschmittel. Gegründet wurde A-Gas 1993, der Unternehmenssitz ist in Bristol, UK. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre ist A-Gas weltweit im Geschäft, in Australien, Südafrika, Asien und den USA/Kanada. Europa wurde in der Vergangenheit von UK aus bedient.

Seit 2018 ist A-Gas auch in Deutschland vertreten. Im letzten Jahr wurde die Ar­thur Friedrichs Kältemittel GmbH (AFK) mit Sitz in Seevetal bei Hamburg akquiriert. AFK feiert in zwei Jahren ihr hundertjähriges Bestehen und hat seit 1955 Kältemittel im Lieferprogramm, ist also schon lange in diesem Bereich tätig und verfügt über jede Menge Erfahrung.
Soviel zum Hintergrund des Unternehmens und der Struktur von A-Gas.

Christian Raschka: Jetzt zu Rapid Recovery: Rapid Recovery wurde 2002 in den USA gegründet und bietet die schnelle, nachhaltige und gesetzeskonforme Rückgewinnung von Kältemitteln. Insbesondere vor dem Hintergrund der F-Gase-Verordnung wird dieses Thema immer wichtiger.

Im Klartext bedeutet das, dass wir uns – als Partner des Anlagenbauers – bei Instandhaltungsarbeiten oder Anlagenerneuerungen um die Evakuierung und die Entsorgung, bzw. Wiederaufbereitung von Kältemittel kümmern.

A-Gas hat diesen Geschäftsbereich 2016 übernommen und bereits erfolgreich in England und Benelux eingeführt. Im Frühjahr dieses Jahres sind wir in Deutschland an den Start gegangen.

KKA: Herr Pepi, warum ist es so wichtig, dass gebrauchtes Kältemittel dem Markt in wiederaufbereiteter Form wieder zur Verfügung gestellt wird?

Marco Pepi: Unser Geschäftsmodell wird durch die Integration in die A-Gas-Gruppe erst richtig rund. Deshalb habe ich auch so ausführlich über A-Gas erzählt. A-Gas bereitet das rückgewonnene Kältemittel in einem aufwendigen Prozess auf und kann es wieder auf „AHRI 700“-Standard bringen. Dieser Prozess ist zwar nicht ganz verlustfrei, aber sicher sehr viel nachhaltiger, als das Kältemittel zu verbrennen oder in seine Bestandteile aufzuspalten.

Neben diesem ökologischen Aspekt gibt es noch einen weiteren Vorteil: Wiederaufbereitete Kältemittel fallen nicht unter die Quotenregelung. Deshalb ist die Wiedergewinnung von Kältemitteln ebenso ein essenzieller Bestandteil der F-Gase-Verordnung, ohne die der ambitionierte Phase-Down, also die Verringerung der neu auf den Markt gebrachten HFCs, nicht möglich wäre. So wird die Verfügbarkeit von Kältemittel verbessert und der Lebenszyklus von Anlagen verlängert.

KKA: Mit welcher Dienstleistung wollen Sie das Kälteanlagenbauerhandwerk beim Umgang mit Kältemitteln unterstützen?

Christian Raschka: Wir verstehen uns als Partner des Kälteanlagenbauers. Wir installieren nicht, wir führen keine Wartung oder Service an Anlagen durch. Wir konzentrieren uns einzig und allein auf die Rückgewinnung von Kältemittel.

Das bedeutet für den Anlagenbauer: Er kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, während wir Anlagen evakuieren, die komplette Dokumentation vorbereiten sowie das Kältemittel abtransportieren und zur Aufbereitung bringen. Kurzum: Der Anlagenbauer spart sich nicht nur die Zeit auf der Baustelle, sondern auch lästigen Papierkram. Wir übernehmen das Ausfüllen von Begleit- und Übernahmeschein sowie die Erstellung des Entsorgungsnachweises. Damit alles zu 100 % rechtskonform ist. Dieser Service lohnt sich ab ca. 100 kg Füllmenge. Zusätzlich bieten wir den Service, dass wir Kältemittelabfall – auch Gemische – beim Kälteanlagenbauer abholen und verwerten. Das ist in der Form ziemlich einzigartig, in der Vergangenheit war die sortenreine Rückgabe Voraussetzung für die Aufarbeitung.

KKA: Warum sollte ein Kältefachbetrieb hierfür einen Dienstleister beauftragen? Das Kältemittel absaugen könnte doch jeder Betrieb selbst.

Christian Raschka: Zum einen sind unsere Maschinen bei der Anlagenevakuierung bis zu zehn Mal schneller als übliche Absaugstationen. Die Arbeit von Tagen verkürzt sich auf Stunden. Das spart dem Anlagenbauer jede Menge Zeit und die ist bekanntlich mehr als knapp. Falls auch noch Prozesse beeinträchtigt sind, macht der Zeitvorteil einen entscheidenden Unterschied. Z.B. bei Anlagen in der Industrie oder bei Supermärkten steht nur sehr wenig Zeit zur Verfügung, um die technischen Einrichtungen und Anlagen umzubauen. Da muss jeder Arbeitsschritt so schnell wie möglich ausgeführt werden. Zum anderen sind wir – historisch bedingt – mit dem Handling großer Kältemittelmengen vertraut und haben die entsprechende Logistik. Hinzu kommt die komplette Dokumentation der Arbeiten, auch diesbezüglich wird der Kunde deutlich entlastet. Wir bereiten alles vor.

Der Kälteanlagenbauer kann sein Personal – das, genau wie Zeit, ohnehin knapp ist – für andere Aufgaben einsetzen.

KKA: Wird Rapid Recovery damit nicht zum Wettbewerber des Handwerks?

Christian Raschka: Definitiv nicht. Wir sind Partner und nicht Wettbewerber. Wie bereits erwähnt, führen wir weder Installationen noch Wartung oder Service an Anlagen durch. Wir konzentrieren uns auf das Kältemittel und alles was dazu gehört, der Anlagenbauer hat mehr Zeit für sein Kerngeschäft.

KKA: Niemand möchte gerne das Versuchskaninchen sein. Haben Sie schon erste Projekte umgesetzt?

Marco Pepi: Das Geschäftsmodell an sich ist ja nicht neu, sondern existiert seit 17 Jahren in den USA und seit zwei Jahren in England und auch Benelux. In diesen Gebieten wurden bereits weit über 300 Projekte realisiert. In England arbeiten wir von Beginn an mit den bedeutendsten Supermarktketten zusammen und führen ein erfolgreiches Retrofit-Programm durch. Zudem gibt es u.a. eine Rahmenvereinbarung von Daikin mit Rapid Recovery als präferierten Partner. Ich bin sicher, dass auch diese Kunden keine Versuchskaninchen sein möchten. Und die erfolgreiche Zusammenarbeit gibt ihnen – und uns – Recht.

In Deutschland haben wir im Sommer mit den ersten Projekten begonnen, alle zur Zufriedenheit der Kunden umgesetzt und mehrere Tonnen Kältemittel der Aufbereitung zuführen können.

KKA: Was geschieht dann mit dem aus den Anlagen entnommenen Kältemittel? Kann es in jedem Fall wiederaufbereitet werden?

Marco Pepi: Zuerst wird das Kältemittel chemisch analysiert und auf Verunreinigungen überprüft. Danach erfolgen die Filtrierung und Reinigung. Das ist noch relativ einfach. Aufwendig wird der Prozess danach, wenn das Kältemittelgemisch in sogenannten Separatoren mittels der unterschiedlichen chemischen Eigenschaften der einzelnen Bestandteile in die ursprünglichen Kältemittelreinstoffe zerlegt wird. Insbesondere bei azeotropen Gemischen ist das sehr aufwendig.

Es kann nie 100 % des Kältemittels wiederaufbereitet werden, ganz verlustfrei ist der Prozess leider nicht. Es kann auch Fälle geben, in denen die Aufbereitung nicht mehr möglich ist, deshalb analysieren wir als erstes das Kältemittel in unserem Werk. In jedem Fall kann aber ein Großteil des zurückgewonnenen Kältemittels aufbereitet werden – was die Umwelt entlastet und die Verfügbarkeit verbessert.

KKA: Wer sich genauer über Ihr Dienstleistungsangebot informieren bzw. es ausprobieren möchte – an wen kann er sich wenden?

Christian Raschka: Unsere Sales- und Servicetechniker stehen deutschlandweit zur Verfügung und besuchen Interessenten gerne.

Am einfachsten ist eine E-Mail an:

Erste Informationen findet man auch auf www.agasrapidrecovery.com

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