Modernisierung der Lüftungs- und Entfeuchtungstechnik im Walter-Maack-Eisstadion Adendorf

Adsorptionsgestützte Entfeuchtung, präzise MSR-Technik und moderner Anlagenaufbau sichern Eisqualität und Gebäudeschutz

Das Walter-Maack-Eisstadion in Adendorf, unweit von Lüneburg, gehört zu den regional bedeutenden Eissportstätten Norddeutschlands. Mit rund 70.000 Besucherinnen und Besuchern pro Saison und einem breiten Nutzungsspektrum von öffentlichem Laufbetrieb über Eisdiscos bis hin zum Spielbetrieb des Adendorfer EC waren die Anforderungen an die klimatechnische Infrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die bisherige Entfeuchtungsanlage aus dem Jahr 1997 entsprach jedoch weder energetischen noch regelungstechnischen Standards und wurde den heutigen Feuchte- und Lastszenarien nicht mehr gerecht.

Die Gemeinde Adendorf entschied sich daher für eine umfassende Modernisierung. Die ingenieurbüro heimsch GmbH (ibh) aus Rastede übernahm die Fachplanung, die Ausschreibung sowie die baubegleitende Qualitätssicherung. Die Ausführung erfolgte durch die Döding GmbH & Co. KG aus Ostrhauderfehn. Kern des Projekts war der Austausch des kompletten Zu- und Abluftgeräts einschließlich des Außenkanalsystems sowie die Erneuerung der gesamten Regelungstechnik.

Besondere Anforderungen an Entfeuchtungssysteme in Eisstadien

Eisstadien stellen besondere raumklimatische Herausforderungen. Durch die kalte Eisfläche, die Abstrahlung großer Volumina, wechselnde Zuschauerzahlen und warme Außenluft entstehen kontinuierlich Feuchteeinträge. Ohne aktive Entfeuchtung kommt es zu typischen Problemen:

Reif- und Kondensatbildung auf der Eisoberfläche, was die Gleitfähigkeit beeinträchtigt.

Nebelbildung durch kondensierende Luftfeuchte über der Eisfläche.

Beschlagene Bandenverglasung, insbesondere bei stärkerem Besucherandrang.

Kondensation an Trägern und Leimbindern, die langfristig zu Schäden der Dachkonstruktion führen kann.

Vor diesem Hintergrund war eine leistungsfähige, dauerhaft stabile Entfeuchtungslösung notwendig, die auch extreme Feuchte- und Temperaturwechsel zuverlässig beherrscht.

Neues RLT-Gerät und Regelungstechnik

Im Zuge der Modernisierung wurde an der Westseite des Eisstadions ein neues kombiniertes Lüftungs- und Entfeuchtungsgerät des Typs „WK-com THERMO B85/B446“ des Herstellers Wolf Anlagen-Technik installiert. Das Gerät verfügt über einen Luftvolumenstrom von 15.000 m³/h sowohl für die Zu- als auch die Abluft.

Die Dimensionen – rund 7,15 m Länge, 2,20 m Breite, 2,11 m Höhe und ein Gewicht von knapp 5 Tonnen – machten die Einbringung logistisch anspruchsvoll. Der Zugang zum Aufstellort führte über einen schmalen Weg zwischen Eisstadion und angrenzendem Freibadgelände. Die Module wurden per Kran eingehoben und auf einem vormontierten Rahmen positioniert. Aufgrund der im Vergleich zum Bestandsgerät größeren Breite musste die bestehende Außentreppe baulich angepasst werden.

Alle Außenluft-, Fortluft- und Prozessluftkanäle bis zum Eintritt ins Gebäude wurden erneuert. Die bestehende innenliegende Luftverteilung über Rechteckkanäle und Wickelfalzrohre konnte weiter genutzt
werden.

Kern der Entfeuchtung: Adsorptionsrad aus Keramikpapier mit Aktivsilicagel

Das Herzstück des neuen Systems bildet ein rotierendes Adsorptionsrad (Durchmesser 1.500 mm), gefertigt aus einem hochspezialisierten Keramikpapier mit Sinterverbindungen zwischen Metallsilikat und Aktivsilicagel. Dieses Material besitzt ein besonders hohes Feuchtespeichervermögen und ermöglicht die Entfeuchtung auch bei niedrigen Prozesstemperaturen – ein entscheidender Vorteil für das Einsatzfeld Eisstadion.

Das Funktionsprinzip basiert auf zwei getrennten Luftströmen:

1. Prozessluft

Feuchte Hallenluft wird über Filterstufen gezogen,

durchströmt das Adsorptionsrad und wird dort getrocknet.

Die entfeuchtete Luft gelangt zurück in die Halle und stabilisiert das Mikroklima.

2. Regenerationsluft

Außenluft wird angesaugt, filtriert und über einen Gasflächenbrenner mit einer maximalen Heizleistung von 150 kW erhitzt.

Die erhitzte Luft durchströmt das Adsorptionsrad in einem separaten Sektor,

Feuchtigkeit wird aus dem Rad ausgetrieben und anschließend über den Fortluftventilator ins Freie abgeführt.

Durch die kontinuierliche Rotation arbeitet das System im Permanentbetrieb, ohne Abschaltzyklen oder Vereisungsgefahr. Das gewährleistet ein gleichmäßiges, konstantes Entfeuchtungsniveau in der Halle.

Ventilator- und Filtertechnik

Die Anlage ist mit mehreren EC-Ventilatoren ausgestattet, darunter zweifach freilaufende Lüfterräder mit hoher statischer Effizienz. Zu- und Abluft werden mit spezifischen Druckstufen von bis zu 965 Pa (Zuluft) bzw. 834 Pa (Abluft) betrieben. Das ermöglicht eine stabile Luftströmung auch in kritischen Betriebspunkten und bei großen Kanal­längen.

Die Filterstufen umfassen:

Kompaktfilter ePM1 60 % für die Zuluft (Filterfläche 83 m²)

Taschenfilter ePM10 55 % im Regenerationsluftstrang

Differenzdruckmessung über robuste A2G-90-Manometer

Die Dimensionierung erfüllt die Anforderungen aus EN 779/ISO 16890 und ermöglicht energieeffiziente Filterstandzeiten.

Regenerationswärme über ­Gasflächenbrenner

Der Regenerationsluftstrang verfügt über einen Gasflächenbrenner inkl. vollautomatischer Zünd- und Überwachungseinrichtung. Die Verbrennungsluft wird über ein eigenes Gebläse geführt, wodurch der Betrieb unabhängig vom Zuluftstrom bleibt.

Die Gasarmaturenstrecke ist komplett vormontiert und nach EN 17082 geprüft. Insbesondere in Eissportstätten ist der Betrieb sicherer Gasflächenbrenner relevant, da die Grenzwerte für CO, NO und NO₂ in der Prozessluft streng einzuhalten sind. Das Wolf-System unterschreitet diese Werte
deutlich.

„C-MAX FLEX“ als Moderne Regelung

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Erneuerung der gesamten Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Hierfür wurde ein komplett neuer Schaltschrank mit Siemens BACnet/IP-Automationsstation „PXC100-E.D“ installiert. Die grafische Bedienung erfolgt über einen Webserver „PXG3.W100-2“ und ein fest eingebautes 15,6“ Touch-Panel „PXM50“.

Zur Feldanbindung dienen u. a.:

digitale und analoge IO-Module der Serie „TXM“

Kanalfühler für Feuchte und Temperatur

Raumfeuchtefühler zur Überwachung der Innenluft

Volumenstrommessungen (Differenzdruck-Messumformer „A2G-520“)

Filterüberwachung

Klappenantriebe für sämtliche Luftwege

Einbindung von Brand- und Rauchmeldetechnik

Alle Komponenten sind über BACnet/IP visualisiert, parametrierbar und fernwartbar. Trenddaten, Betriebszeiten und Störmeldungen sind grafisch abrufbar, sodass das Betreiberteam jederzeit einen vollständigen Überblick über den Anlagenzustand
erhält.

Sommerbetrieb und flexiblere Nutzung

Neben der Feuchteführung im Winterbetrieb kann die Anlage im Sommer zur reinen Entlüftung eingesetzt werden. Dies ist besonders für Veranstaltungen außerhalb der Eislaufsaison relevant und schafft zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für die Halle.

Fazit

Mit der neuen Lüftungs- und Entfeuchtungsanlage verfügt das Walter-Maack-Eisstadion erstmals seit fast drei Jahrzehnten über ein System, das die klimatischen Anforderungen eines modernen Eissportbetriebs vollständig erfüllt. Der adsorptive Entfeuchtungsprozess, kombiniert mit präziser MSR-Technik und energieeffizienter Ventilatorentechnik als abgestimmtes Komplettsystem von Wolf, sorgt für:

konstante Eisqualität

geringere Kondensationsrisiken

Schutz der Gebäudekonstruktion

geringere Energieverluste

planbare Betriebsführung und Fernzugriff

Die Modernisierung ist damit ein zukunftssicherer Baustein im Weiterbetrieb des Eisstadions – sowohl für den Vereinssport als auch für den öffentlichen Laufbetrieb.

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