Technische Leitplanken moderner Gebäudeautomation

Indoor Air Quality, Automatisierung, Zonenregelung

Die Anforderungen an moderne Gebäude verändern sich rasant. Während Energieeffizienz und Betriebskostenoptimierung lange Zeit im Mittelpunkt standen, rückt heute ein weiterer Faktor zunehmend ins Zentrum: die Qualität der Raumluft. Parallel dazu verschärft die EU-Richtlinie 2024/1275, die als EPBD bekannt ist und für „Energy Performance of Buildings“ steht, die Vorgaben für Monitoring, Automatisierung und den effizienten Betrieb der technischen Gebäudeausrüstung. Für die gesamte HLK-Branche bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Systeme müssen nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch intelligenter, vernetzter und transparenter werden. Lösungen, die Indoor Air Quality (IAQ), Energieeffizienz und digitale Gebäudesteuerung zusammenführen, gewinnen damit entscheidend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund zeigt der folgende Beitrag, wie integrierte Regelungssysteme die neuen Anforderungen nicht nur erfüllen, sondern gleichzeitig den Weg zu einer nächsten Generation energieeffizienter Gebäude ebnen.

EPBD als Treiber für digitale ­Optimierung

Die neue EPBD verfolgt das Ziel, den Energieverbrauch im Gebäudesektor deutlich zu reduzieren und den Weg hin zu nahezu klimaneutralen Gebäuden zu beschleunigen. Dabei betont sie klar die Rolle digitaler Systeme, die den Betrieb der technischen Gebäudeausrüstung überwachen und kontinuierlich optimieren sollen. Für HLK-Anlagen bedeutet dies, dass sie nicht nur effizienter und transparenter arbeiten müssen, sondern auch in der Lage sein sollen, ihren Betrieb dynamisch auf den realen Bedarf auszurichten. Eine hochwertige Indoor Air Quality (IAQ) ist dabei kein reiner Komfortfaktor mehr, sondern ein messbarer Bestandteil energieeffizienter Betriebsführung. Nur wenn Temperatur, Feuchte, CO₂-Werte und weitere Luftqualitätsparameter im Gleichgewicht stehen, lassen sich Komfortverluste und unnötiger Energieverbrauch zuverlässig vermeiden. Auch wenn die EPBD vorerst nur für Nichtwohngebäude verbindliche Luftqualitätsstandards vorschreibt, ist dies ein wichtiger erster Schritt. Für Wohngebäude wiederum legt sie fest, dass jedes Mitgliedsland selbst entscheiden kann, wie entsprechende Luftqualitätsanforderungen angewendet werden sollen.

Moderne Gebäude können nur dann energieeffizient arbeiten, wenn die Luftqualität präzise erfasst und aktiv gesteuert wird. Zu geringe Luftwechselraten führen zu schlechter IAQ, während übermäßige Lüftung oder Überkonditionierung den Energieverbrauch unnötig steigern. Eine optimale IAQ-Balance ermöglicht so den direkten Schulterschluss zwischen Energieeffizienz, Gesundheit und Nutzerkomfort. Laut einem Bericht des Umweltbundesamts (www.t1p.de/KKA26UBA) verbringen Menschen in Mitteleuropa heute durchschnittlich 90 % ihrer Zeit in Innenräumen. Pro Tag atmet der Mensch 10 bis 20 m3 Luft ein. Die Schadstoffkonzentrati­onen können dort durchschnittlich zwei- bis fünfmal höher sein als im Außenbereich. Damit rückt das Thema Indoor Air Quality von einem „Nice-to-have“ vor zu einem klaren Qualitäts- und Gesundheitsfaktor auf Gebäudeebene. Die EPBD verschärft diesen Anspruch zusätzlich, indem sie künftig Nachweise für die Luftqualität im Betrieb fordert – ein entscheidender Schritt, um IAQ ganzheitlich in die Gebäudebewertung und geltenden ESG-Kriterien zu integrieren.

Intelligente Zonenregelung als Schlüssel

Die Erfüllung der EPBD-Anforderungen an die Raumluftqualität stellt vor allem bezüglich der Abwägung zwischen ausreichender Lüftung und Energieeffizienz eine Herausforderung dar. Airzone begegnet diesem Problem mit dem sogenannten AirQ-Sensor, der die zonenspezifische Überwachung von CO₂, VOCs (Volatile Organic Compounds), PM10, PM2,5, Luftfeuchtigkeit und Temperatur ermöglicht. Zusätzlich unterstützen die Systeme durch gezielte Lüftungsansteuerung und integrierte Ionisationstechnologien ein stabiles und gesundes Raumklima.

Häufig treten CO₂-Anreicherungen durch hohe Belegung, Feuchteprobleme in schlecht belüfteten Räumen, VOC-Belas­tungen durch Materialien sowie Feinstaub durch Verkehrs- oder Produktionsumfelder auf. Besonders in gemischt genutzten Gebäuden entstehen zusätzlich stark variierende Anforderungen, die eine präzise und zonenspezifische IAQ-Steuerung notwendig machen.

Gerade in Wohn- und Gewerbeimmobilien zeigt sich, wie eng IAQ und Energieeffizienz miteinander verbunden sind. Ein Raum, der überkonditioniert oder ungleichmäßig temperiert wird, führt zwangsläufig zu erhöhtem Energieverbrauch. Oft entstehen ineffiziente Betriebsweisen durch fehlende Sensorik, mangelnde Echtzeitdaten oder statisch arbeitende Algorithmen ohne Bezug zur tatsächlichen Nutzung. Eine zonenbasierte Regelung schafft hier Abhilfe. Durch die bedarfsgerechte Konditionierung einzelner Räume oder Bereiche lassen sich Überkonditionierung, schlechte Luftqualität und unnötige Laufzeiten der HLK-Anlage zuverlässig vermeiden. Dies sorgt nicht nur für Komfort, sondern auch für eine deutliche Reduktion des Energiebedarfs. Durch präzise Zonensteuerung wird verhindert, dass Räume unnötig geheizt, gekühlt oder überlüftet werden. Das reduziert nicht nur den Energiebedarf, sondern verbessert gleichzeitig auch die IAQ, da jede Zone genau die Menge an Frischluft erhält, die ihrer tatsächlichen Nutzung entspricht.

Echtzeit-Monitoring und ­Automatisierung

Moderne Steuerungssysteme erfassen relevante Parameter in Echtzeit, analysieren diese kontinuierlich und leiten automatisiert passende Steuerbefehle ab. Sie stellen sicher, dass Anlagen nur dann laufen, wenn es wirklich notwendig ist, und unterstützen Gebäudebetreiber oder Facility Manager mit einer transparenten Datengrundlage. Damit wird die klassische Regelung zu einem dynamischen, selbstoptimierenden System. Die Automatisierung auf hohem Niveau ist nicht nur ein Anspruch der Richtlinie, sondern auch eine Grundvoraussetzung moderner, nachhaltiger Gebäudetechnik.

Airzone setzt seit vielen Jahren auf ein integriertes Konzept, das diese Anforderungen konsequent erfüllt. Die Systeme basieren auf einer präzisen Sensorik, einer intelligenten Regelungslogik und einer modularen Architektur, die sich in nahezu jedes Gebäude einbinden lässt. Besonders im IAQ-Kontext spielt Echtzeitfähigkeit eine zentrale Rolle: Luftqualitätsprobleme entstehen häufig schlagartig, etwa wenn ein Meetingraum voll belegt ist oder in einer Produktionshalle temporär Emissionen auftreten. Systeme, die nur im Minuten- oder gar Stundentakt reagieren, greifen hier zu spät. Zonenregelungen ermöglichen es, jede einzelne Zone bedarfsgerecht zu steuern. Hochwertige Sensoren erfassen dafür Parameter wie Temperatur, Feuchte oder CO₂-Werte. Über offene Kommunikationsprotokolle lassen sich die Systeme problemlos in bestehende Gebäudetechnik integrieren, während Cloud- und App-Anbindungen die Steuerung und Überwachung erleichtern.

Vorteile einer präzisen, digital unterstützten IAQ-Steuerung:

Verbesserter Nutzerkomfort durch stabile Temperaturen und optimale Luftqualität

Geringerer Energieverbrauch durch bedarfsgerechte Lüftung und reduzierte Laufzeiten

Frühzeitige Erkennung von IAQ-Problemen dank Echtzeitdaten

Höhere Betriebssicherheit durch automatisierte, cloudbasierte Analysen

Transparente Nachweisführung für ESG-, EPBD- und Zertifizierungsanforderungen (z. B. WELL, LEED)

Auch im Bestand lassen sich deutliche Verbesserungen der Indoor Air Quality erzielen, ohne tief in vorhandene Gebäudestrukturen eingreifen zu müssen. Durch die Nachrüstung digital vernetzter Sensorik und zonenfähiger Regelkomponenten können ältere HLK-Systeme schrittweise optimiert und an aktuelle EPBD-Anforderungen herangeführt werden. Gerade hier zeigt sich das Potenzial smarter IAQ-Lösungen. Viele Bestandsimmobilien leiden unter unzureichender Luftverteilung, veralteten Lüftungsstrategien oder fehlender Sensorik. Durch modulare Konzepte können Betreiber die wesentlichen IAQ-Parameter erstmals transparent erfassen, was eine Grundvoraussetzung für ein effizientes, gesundheitsorientiertes Gebäudemanagement ist.

Die Installation von IAQ-Sensoren zur Erfassung von CO₂, VOCs, Partikeln und Feuchte schafft die notwendige Datentransparenz, um Lüftungs- und Klimatisierungsprozesse bedarfsgerecht zu steuern. Ergänzende Module wie intelligente Raumthermostate, Retrofit‑Schnittstellen oder cloudbasierte Monitoringplattformen ermöglichen eine adaptive Betriebsführung, die ineffiziente Dauerläufe, Überkonditionierung oder unzureichende Luftwechsel reduziert. Damit bieten moderne IAQ‑Systeme auch für Bestandsgebäude einen wirkungsvollen Hebel, um Energieeffizienz, Komfort und Luftqualität ohne umfassende Sanierungsmaßnahmen signifikant zu verbessern.

Energieüberwachung und ­Gebäudemanagement

Moderne Gebäudesysteme erfordern eine kontinuierliche, datengestützte Überwachung. Wesentlich ist dabei die Fähigkeit zur Echtzeiterfassung und Analyse von Energie- und Betriebsflüssen. Verbrauchsorientierte Monitoringlösungen – dazu zählt auch „Enerface“ von Airzone – visualisieren Verbrauchsdaten, identifizieren Ineffizienzen wie Lastspitzen oder unnötige Laufzeiten und ermöglichen eine unmittelbare Ableitung von Optimierungsmaßnahmen. Damit erfüllen sie zentrale Anforderungen der EPBD hinsichtlich permanenter Monitoring- und Optimierungsprozesse. Dabei ist zu berücksichtigen, dass HLK-Systeme in nahezu allen Gebäuden zu den größten Energieverbrauchern zählen. Ein erheblicher Anteil des elektrischen Gesamtbedarfs entfällt auf den Betrieb von Heizung, Lüftung und Klimatisierung. „Enerface“ legt seinen Fokus daher bewusst auf den elektrischen Verbrauch dieser zentralen Komponenten. Wird eine Heizungsanlage beispielsweise mit fossilen Brennstoffen betrieben oder sollen weitere Verbraucher wie Beleuchtung erfasst werden, fallen diese Werte außerhalb des definierten Funktionsumfangs. Diese klare Spezialisierung ermöglicht jedoch eine besonders präzise und zuverlässige Analyse der relevanten HLK-Verbrauchsdaten.

Ebenso entscheidend ist die vollständige Integration in die Gebäudeleittechnik. Systeme, die offene Kommunikationsstandards wie KNX, BACnet oder Modbus unterstützen, ermöglichen eine durchgängige Interoperabilität aller relevanten Gewerke. Dies schafft die Grundlage für zentrale Regelungsstrategien, synchronisierte Betriebsabläufe und automatisierte, gewerkeübergreifende Szenarien. Betreiber profitieren dabei von einer skalierbaren, anpassungsfähigen Infrastruktur, die zukünftige Erweiterungen oder Modernisierungen ohne Systembrüche erlaubt.

Durch die Kombination aus intelligenter Zonenregelung, präzisem Echtzeit-Monitoring und BMS-Integration entstehen deutliche Effizienzgewinne. Der Energieverbrauch lässt sich dank bedarfsorientierter Betriebsführung deutlich senken, während die Reduktion von Lastspitzen und unnötigen Laufzeiten die Betriebskosten spürbar reduziert. Gleichzeitig ermöglicht die exakte Steuerung von Raumparametern ein hohes Maß an Komfort und Stabilität im Anlagenbetrieb. Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass die Produktionsgeräte schonend und kontrolliert betrieben werden, was zu einer längeren Lebensdauer der Anlagen führt. Dies wirkt sich zudem positiv auf Wartungskosten und die allgemeine Betriebssicherheit aus.

Darüber hinaus ergibt sich für den Installationsbetrieb ein klarer wirtschaftlicher USP: Er bietet seinen Kunden nicht nur effiziente Fernwartung und damit einen dauerhaft stabilen Anlagenbetrieb, sondern kann durch die Einbindung dynamischer Stromtarife auch unmittelbar messbare Kosteneinsparungen ermöglichen. Damit geht er einen entscheidenden Schritt weiter und positioniert sich als aktiver Partner, der seine Kunden beim intelligenten und kostengünstigen Energieeinsatz unterstützt.

Fazit und Ausblick

Die Bedeutung der Indoor Air Quality wird in den kommenden Jahren weiter steigen, getrieben durch verschärfte gesetzliche Vorgaben, steigende Energiepreise und wachsende Sensibilität für gesundes Arbeiten und Wohnen. Intelligente, vernetzte Systeme wie die Lösungen von Airzone zeigen, dass Energieeffizienz und hohe Luftqualität kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig verstärken. IAQ entwickelt sich damit zu einer zentralen Kenngröße moderner Gebäudeperformance, vergleichbar mit Energiekennwerten oder CO₂-Bilanzen. Perspektivisch ist zu erwarten, dass IAQ-Daten ein integraler Bestandteil von ESG-Reporting, Zertifizierungssystemen und sogar Mietverträgen werden. Smarte Regelungs- und Sensorsysteme bilden dafür die technische Grundlage. Mit zunehmender Digitalisierung werden auch KI-gestützte Analysen, lernende Regelalgorithmen und autonome Optimierungsprozesse zum neuen Standard der Gebäudetechnik. Gebäude, die ihre IAQ, Belegung und Energieflüsse selbstständig analysieren und steuern, markieren den Weg hin zu einer klimaneutralen, hochgradig effizienten und
gesunden Gebäudegeneration.

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