Historische Schiffskälte im Hamburger Hafen
Straße der Kälte: Museumsschiff Cap San Diego
Die Cap San Diego zeigt eindrucksvoll die Bedeutung die Kältetechnik im internationalen Seetransport Anfang der 1960er-Jahre. Das heute als Museumsschiff erhaltene Stückgutfrachtschiff war nicht nur für den Transport klassischer Stückgüter ausgelegt, sondern verfügte auch über isolierte Laderäume und eine leistungsstarke Kälteanlage für Gefrier- und Kühlgut. Fleisch, Früchte und temperaturempfindliche Waren konnten so auf den langen Routen zwischen Europa und Südamerika sicher transportiert werden.
Die Cap San Diego ist das letzte noch erhaltene seetüchtige Schiff einer Serie von sechs schnellen Stückgutfrachtern, die 1961/62 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurde und das bis Ende 1981 vorzugsweise nach Südamerika gefahren ist. Seit 1988 ist Hamburgs einmaliges maritimes Denkmal ein Museumsschiff. Es liegt an der Überseebrücke im Hamburger Hafen und kann täglich von 10-18 Uhr von Brücke bis Luke und von Herz bis Kopf besichtigt werden.
In der Ladeluke 2 befindet sich die Dauerausstellung „Stückgut- und Containerumschlag“. Auf elf großen Schautafeln wird hier mit viel historischem und aktuellem Bildmaterial sowie erläuternden Texten die Geschichte des seemäßigen Güterverkehrs von 1960 bis heute verständlich und anschaulich dokumentiert. Besonders interessant für uns sind die isolierten Ladeluken 3 und 4 – sie dienten dem Transport von Gefriergut wie Rinderhälften und Kühlgut wie Bananen. Dazu war das Schiff mit einer umfangreichen Kälteanlage ausgestattet. Herz der Anlage waren vier Borsig W-Verdichter von 1961 mit einer Leistung von je 120.000 kcal/h bei -5/+45 °C. Die Verdichter konnten einzeln oder als Gruppe, sowie ein und zweistufig für die Bananenreifung bis hin zur Tiefkühlung eingesetzt werden. Leider wurde die Anlage bei den Umbauarbeiten zum Museumsbetrieb bis auf einen Verdichter entfernt, der heute noch zur Klimatisierung des Schiffes dient.
Die Besichtigung des Schiffes ist in jedem Fall sehr instruktiv und interessant. Sie zeigt sehr anschaulich die grundlegenden Veränderungen des Seetransportes: damals wurden die Güter in großen Laderäumen transportiert und – wenn erforderlich – gekühlt. Heute erfolgt der Güterverkehr vornehmlich in Containern, die autark gekühlt oder sogar beheizt werden und damit auch einen grundlegenden Wandel der Kühlung und Regelung zur Folge haben.
Die Cap San Diego ist das größte fahrtüchtige zivile Museumsschiff der Welt. Ihre elegante Silhouette gehört zum Hamburger Hafenpanorama wie die Speicherstadt und der Michel. Touristen lieben sie. Die eigene Crew – 45 ehrenamtlich tätige Seeleute im Ruhestand – hält sie mit viel Engagement in Schuss und mindestens einmal im Jahr heißt es: „Leinen los“ und die Cap San Diego fährt auf der Elbe nach Cuxhaven oder durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel.
Daten des Schiffs:
Länge ü. a.: 159,40 m
größte Breite: 21,47 m
Vermessung: 9998 BRZ
Geschwindigkeit bei Werftprobefahrt: 20,3 kn bei 118 U/min
Schiffseigengewicht: 6.700 t bei einem Tiefgang von 5,40 m in Ballast
Tragfähigkeit: 10.700 t; Tiefgang in Ballast: ca. 6 m
Hauptmaschine: 11.650 PS; MAN,
2-Takt-Motor mit 9 Zylindern,
Abgasturbolader
Hilfsdiesel: 4 x Deutz mit jeweils 500 PS
zur Stromerzeugung über Generatoren (440 V/115 V)
Allein der Schiffsdiesel mit seinen neun Zylindern und einem Kolbendurchmesser von ca. 1 m ist respekteinflößend!
Vom Stapellauf zum Museumschiff
1960
Bei drei Werften in Hamburg und in Kiel gibt die Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft Eggert & Amsinck, kurz Hamburg Süd genannt, sechs Frachtmotorschiffe in Auftrag. Eigentümer der Hamburg Süd ist der Unternehmer Rudolf-August Oetker (1916 – 2007).
1961
Nach rund acht Monaten Bauzeit läuft die „Cap San Diego” vom Stapel. Bauwerft ist die Deutsche Werft AG in Hamburg-Finkenwerder. Sie ist das jüngste der sechs Cap San-Stückgutschiffe. Die Besatzung besteht laut Musterrolle aus 48 Mann plus Kapitän, außerdem können bis zu 12 zahlungskräftige Passagiere mitgenommen werden.
1962
Die „Cap San Diego” tritt ihre erste Reise an. Zielhäfen sind Quebec, Montreal, Baltimore, New York, Recife, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Santos, Antwerpen, Rotterdam und Bremen.
1962-81
Die „Cap San Diego” verkehrt im Liniendienst zwischen Europa und Südamerikas Ostküste. Sie absolviert insgesamt 120 Reisen. Aus Südamerika kommt Stückgut wie Kaffee in Säcken, Früchte und Fruchtsaftkonzentrat, Fleisch, Häute, Wolle, Kakao, Tabak und außerdem Süßöl.
1981-86
Die Zeit der Stückgutfrachter geht ihrem endgültigen Ende entgegen; bereits in den späten 1960er-Jahren haben sich mehr und mehr Containerschiffe durchgesetzt. Hamburg Süd verkauft die „Cap San Diego” an eine spanische Reederei. Die verkauft das Schiff 1986 weiter nach Liberia. Das Schiff heißt zum Schluss „Sangria“
Ab 1986
Zum 800. Hafengeburtstag 1989 sucht die Stadt Hamburg ein passendes Flaggschiff. Auf abenteuerlichen Wegen wird die „Sangria“ ausfindig gemacht. Das Schiff soll in Hong Kong verschrottet werden. 1986 kehrt der verwahrloste Frachter nach Hamburg zurück. Er bekommt wieder seinen ursprünglichen Namen und wird bis 1990 als Museumsschiff aufgebaut. 2006 erlangt die „Cap San Diego“ bei einem Werftaufenthalt ihre Fahrttüchtigkeit zurück und ist seitdem das größte fahrtüchtige Musumsfrachtschiff der Welt.
Hier finden Sie auch ein kurzes Video: www.t1p.de/KKA26-CSD
Kontakt:
Museumsschiff Cap San Diego, Überseebrücke, 20459 Hamburg
Tel.: 040-36 42 09, Mail: info@capsandiego.de
