Arbeiterklasse

Der „Citroën Berlingo“ im KKA-Praxistest

Mitte November 2018 ist die mittlerweile dritte Generation des „Citroën Berlingo“-Kastenwagens auf den Markt gekommen. Der Hochdachkombi soll auf die unterschiedlichen Bedürfnisse gewerblicher Kunden zugeschnitten sein – und zudem mehr Komfort und mit Hilfe optionaler Assistenzsysteme höhere Sicherheit bieten.

Der neue „Citroën Berlingo“-Kastenwagen ist erstmals in zwei verschiedenen Längen − M und XL – verfügbar. Zudem kann man zwischen den Versionen „Control“, „Club“, „Worker“ und „Driver“ wählen. Getestet wurde die Version „Worker“ im längeren Radstand XL – sie bietet bei einem Radstand von 2,97 m und einer Gesamtlänge von 4,75 m eine Laderaumlänge von 2.167 mm, 35 cm mehr als die kürzere Variante.

Spezielle Variante für Baustellenfahrten

Die Version „Worker“ haben wir bewusst als Testwagen gewählt, denn sie ist explizit auf Gewerbetreibende zugeschnitten, die „Material und Mitarbeiter auf alle Arten von Baustellen transportieren“, wie es in den Citroën-Presseunterlagen heißt. Die Version bietet dafür eine um 30 mm erhöhte Bodenfreiheit sowie einen Motorschutz. Zudem sorgt ein Assistenzsystem namens „Grip Control“ für eine bessere Traktion. Der Fahrer kann über einen Drehregler in der Mittelkonsole fünf verschiedene Antriebsmodi einstellen: Standard, Schnee, Gelände, Sand und ESP OFF. In Kombination mit der Bergabfahrhilfe sorgt das System zudem dafür, dass das Fahrzeug auch bei steilen Talfahrten eine reduzierte Geschwindigkeit einhält. Zu der Ausstattung gehören außerdem 16-Zoll-Räder mit Reifen „Mud & Snow“, ein mit Kunststoff geschützter Laderaum, eine auf bis zu 1.000 kg erhöhte Nutzlast und ein Laderaum-Paket mit besserer Beleuchtung, 12-V-Steckdose und zusätzlichen Verzurrösen in mittlerer Höhe. Praktisch ist auch die „Durchreiche“ in der Metall-Trennwand zum Laderaum: Der äußere Beifahrersitz lässt sich umlegen und eine Klappe in der Trennwand öffnen, so dass mit der XL-Version Gegenstände bis zu einer Länge von 3.440 mm transportiert werden können. Mit dem Transport von Material auf die Baustelle sollte es also schon einmal gut klappen.

Dritter Sitz nur Notsitz

Bei dem Transport der Mitarbeiter wird es allerdings eng, im wahrsten Sinne. Denn auch wenn in der Fahrerkabine neben dem – sehr bequemen – Fahrersitz eine Sitzbank mit zwei Plätzen untergebracht ist, so muss man doch klar sagen, dass der Platz in der Mitte allenfalls als Notsitz bezeichnet werden kann. Wir haben es getestet und zwei Stunden zu Dritt in der Kabine gesessen – das war nicht so berauschend. Die Konsole mit dem Schalthebel ragt so tief in den Beinraum hinein, dass eigentlich kein Platz für die Beine des mittleren Beifahrers ist. Er muss sich den Fußraum mit dem Kollegen auf dem äußeren Sitz teilen – diese verdrehte Sitzposition hält man nicht lange aus, ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Für kurze Strecken mag das noch angehen, aber für längere Distanzen ist der „Worker“ definitiv kein Drei-Sitzer.

Fahrverhalten

Komfortabel dagegen ist das gesamte Fahrverhalten. Das Fahrwerk filtert Straßenunebenheiten gut heraus, der Federungskomfort entspricht dem eines Pkw. Zusätzlich ist die Schalldämmung gut gelungen – weder Fahr- noch Motorgeräusche drängen sich auf. Unser Testwagen wird von einem „Blue HDI“-Motor mit 73 kW Leistung angetrieben. Die Leistung ist völlig ausreichend, allerdings entspricht der Motor nur der Abgasnorm Euro 6b. Wer sichergehen will, auch in Zukunft in jede Stadt einfahren zu können, sollte daher vielleicht besser den größeren „Blue HDi 130“ mit 96 kW und Euro 6d-TEMP wählen.

Zahlreiche Assistenzsysteme verfügbar

Der „Berlingo“-Kastenwagen kann mit bis zu 20 Assistenzsystemen ausgestattet werden, wobei allerding nicht jedes System für jede Variante verfügbar ist. Unser Testwagen verfügt aber zum Beispiel über ein Keyless-System, einen Fernlichtassistenten, eine Verkehrszeichenerkennung – die z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennt und anzeigt –, sowie einen aktiven Spurhalteassistenten. Letzterer ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, denn das System signalisiert nicht nur, wenn eine Fahrbahnmarkierung überfahren wird, sondern steuert selbstständig auch wieder zurück in die ursprüngliche Spur. Blinkt man aber beim Überholen zu früh oder zu spät – oder gar nicht – muss der Fahrer gegen die Lenkung arbeiten. Das geht zwar ganz leicht, man spürt aber einen ungewohnten Widerstand. Und auf Autobahnbaustellen, auf den die Markierungen nicht immer ganz eindeutig sind, kann das System sich auch mal vertun. So ganz konnte uns dieses Assistenzsystem daher nicht überzeugen.

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