Der thailändische Kälte- und Klimamarkt

Die Fachmesse Bangkok RHVAC 2015

Der Markt für Klimageräte wird in Europa von asiatischen Anbietern dominiert – diese kommen vorrangig aus Japan, Südkorea und China. Aber auch thailändische Hersteller versuchen hierzulande Fuß zu fassen, wie die vergangene Chillventa zeigte, auf der einige thailändische Anbieter vertreten waren. Die KKA-Redaktion nahm die Fachmesse RHVAC in Bangkok im August 2015 zum Anlass, um sich über dort ansässige Hersteller und deren Produktionsmethoden, deutsche Anbieter in Thailand und die nationalen Klimaschutzbemühungen zu informieren.



Die Bangkok RHVAC (Refrigeration, Heating, Ventilation an Air Conditioning) ist alle zwei Jahre der Treffpunkt der thailändischen Kälte- und Klimabranche. Zwar lässt sich die Messe in ihrer internationalen Strahlkraft bei weitem nicht mit einer Chillventa vergleichen, aber die Veranstalter der RHVAC sehen die Messe nach der China Refrigeration auf dem zweiten Platz der bedeutendsten Fachmessen im asiatisch-pazifischen Raum. 229 Aussteller präsentierten sich in diesem Jahr vom 13. bis 16. August auf dem Messegelände in Bangkok; 7800 Besucher ließen sich das Event nicht entgehen. Und verstecken muss sich auch die thailändische Kälte- und Klimabranche nicht. Im Jahr 2014 exportierte Thailand in diesem Segment Produkte in einer Größenordnung von über 6,5 Mrd. US$. Die wenigsten davon finden ihren Weg bis nach Deutschland, aber auf der Chillventa 2014  zeigte die Messepräsenz von Firmen wie Heataway, Kulthorn, P.P.J. Engineering (Star Holding Group), Patcol oder Unico, dass thailändische Hersteller ihre Produkte auch in Europa an den Mann bringen wollen. Ob dies in Ländern, die Mitglied der Europäischen Union sind, gelingen wird, ist allerdings in zunehmendem Maße mit einem Fragezeichen zu versehen. Die stetig steigenden Anforderungen in der EU in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltschutz scheint kaum ein thailändischer Anbieter erfüllen zu können. Vor allem die strengen ErP-Richtlinien (z.B. für Ventilatoren, Pumpen und Motoren) legen die Latte, die es für thailändische Hersteller technisch zu überspringen gilt, sehr hoch – für die allermeisten wohl auch zu hoch. Herr Wuttichai Duangrat (Deputy Permanent Secretary of the Ministry of Commerce – vergleichbar mit einem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium) bezeichnete Thailand dennoch in seiner Eröffnungsansprache zur RHVAC als gut gerüstet, um sich als Produktionsstandort für umweltfreundliche Kälte- und Klimaanlagen mit entsprechenden internationalen Qualitätsstandards für den Weltmarkt etablieren zu können.

Kältemittelrecycling als Novum

In Deutschland und in Europa werden von der Kälte- und Klimabranche enorme Anstrengungen unternommen, um die Vorgaben, die sich durch die novellierte F-Gase-Verordnung ergeben, umzusetzen. Man wächst sicher mit seinen Herausforderungen und ohne den politischen Druck würde sich wohl nicht so viel bewegen und nicht so viel geforscht und optimiert, wie wir es derzeit erleben. Da aber bekanntlich alle Länder auf dieser Welt ihre Treibhausgase in die gleiche Atmosphäre emittieren, erscheint so manche Forderung hierzulande dann doch etwas überzogen, wenn man sich anschaut, wie weit ein Land wie Thailand bei diesem Thema zurückliegt. Ein Beispiel: Auf der RHVAC war mit der Firma AHC Aohong Thai-Rhoden Refrigerant (www.atrrefrigerant.com) ein Aussteller vertreten, der als Start-Up-Unternehmen in Thailand einen völlig neuen Geschäftsbereich erschließen möchte: die Einführung von Recyclingflaschen für Kältemittel, die AHC später zurücknimmt und das Kältemittel fachgerecht recycelt. Recycling von Kältemittel als Novum? Das wird sich sicher so mancher jetzt fragen. Während es in Deutschland schon seit Jahrzehnten Usus ist, dass man Kältemittel nicht in die Umwelt entweichen lässt, dass man Recyclingflaschen verwendet, dass bei Reparaturen das Kältemittel vorher abgesaugt wird etc., so werden in Thailand fast ausschließlich Einwegflaschen verwendet, die mit ihren Kältemittelresten nach Gebrauch auf dem Schrottplatz landen. Bei Reparaturen wird das Kältemittel üblicherweise einfach abgelassen und hinterher wird neu befüllt. Selbst bei den Herstellern von Kälte- und Klimaanlagen muss die Firma AHC erst Aufklärungsarbeit leisten und diese dazu bewegen, ihre Kältemittelbehälter und -mengen fachgerecht zu entsorgen. So reagierte der Geschäftsführer eines thailändischen Klimageräteherstellers auf die Frage der KKA-Redaktion, ob das Kältemittel bei Reparaturen oder beim Abbau einer Klimaanlage aufgefangen werde, mit Unverständnis. „Das ist viel zu teuer, das macht niemand“, war seine ernüchternde Antwort. Insofern kann man der Firma AHC nur alles Gute wünschen, dass sie mit ihrem neuen Geschäftsmodell Erfolg haben werden. Anbieter von Vakuumpumpen oder Lecksuchgeräten würden in Thailand wohl auch schnell das Handtuch werfen, denn die Arbeitsschritte, für die man diese Werkzeuge benötigt,  sind den Fachkräften dort kaum bekannt. Fachkräfte sind in Thailand allerdings auch Mangelware, denn eine vergleichbare Ausbildung wie in Deutschland gibt es dort nicht. Jeder, der es sich zutraut, werkelt an Kälte- und Klimaanlagen herum. Learning by doing lautet das Motto. Und gerade bei den Millionen von kleinen Splitgeräten, die allerorts installiert sind, kümmert sich niemand um den Verbleib der Kältemittel bzw. eine sachgemäße Installation oder Wartung.

R32 als Zukunftslösung

Dass die Ausbildung der Personen, die Klimaanlagen installieren, zu wünschen übrig lässt, wissen auch die Verantwortlichen der thailändischen Kälte- bzw. Klimaverbände. In einem Interview mit der KKA räumten Jintana Sirisantana (Chairperson Air Conditioning and Refrigeration Industry Club) und Netitam Puyakul (President Thai Refrigeration Association) ein, dass das handwerkliche Know-how in Thailand nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen sei. Dies sei auch mit ein Grund dafür, warum man erst gar nicht darüber nachdenke, ob nicht natürliche Kältemittel zum Einsatz kommen könnten, wenn es darum gehe, Kältemittel mit hohem GWP mittelfristig auch in Thailand zu verbannen.  Zu groß sei das Risiko beim Einsatz von Kältemitteln wie Propan (Problem der Brennbarkeit) oder Kohlendioxid (zu hohe Drücke), wenn ungeschulte Arbeiter damit hantieren. In Industrieanlagen wird auch in Thailand z.T. Ammoniak eingesetzt, aber hier kommen auch Fachfirmen zum Einsatz. Das Kältemittel der Zukunft in Thailand wird nach Angaben von Frau Sirisantana R32 sein; hierauf hätten sich Regierung und Verbände verständigt. Weil R32 allerdings auch eine geringe Brennbarkeit aufweist, denke man darüber nach, für den Umgang mit R32 eine Zertifizierung einzuführen. Wie man diese bei den fehlenden handwerklichen Strukturen umsetzen will, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall ist die Einführung von R32 bei den oben beschriebenen Arbeitsmethoden absolut begrüßenswert, auch wenn ein Kältemittel mit einem GWP-Wert von 675 natürlich auch nicht in die Atmosphäre entweichen sollte.

Aber auch in Thailand verschließt man nicht die Augen vor den negativen Auswirkungen, die sich aus der Verwendung von Kältemittel mit hohem GWP für unsere Umwelt ergeben; auch wenn man im Vergleich zur EU um etliche Jahre hinterherhinkt. Das Kältemittel R22 wird mittelfristig vom Markt verschwinden. Ab 2017 dürfen keine neuen Geräte mit R22 mehr in den Markt gebracht werden. Für Wartungszwecke steht es aber noch bis 2030 zur Verfügung.

Deutsche Anbieter in Thailand

Auch wenn Thailand in Bezug auf Qualität, Umweltschutz und Energieeffizienz der Kälte- und Klimaanlagen noch nicht das Niveau von Europa erreicht hat, so gibt es auch dort Kunden, die großen Wert auf diese Aspekte legen. Und daher finden auch deutsche Anbieter mit ihren hochwertigen Produkten Abnehmer. Firmen wie Bitzer, Armacell oder Roller stellten auf der RHVAC ihre Produkte aus und bestätigten gegenüber der KKA-Redaktion, dass man mit dem Qualitätssiegel „Made in Germany“ durchaus auch in Thailand erfolgreich sein könne. Kittinan Kaewnate, Armacell-Verkaufsleiter Thailand, bezeichnete es allerdings als Herausforderung, mit den Argumenten für hochwertiges Dämmmaterial, mit denen man in Europa bei Kunden punkten könne, auch in Thailand erfolgreich zu sein. Zum Teil müsse man den Markt erst über die Grundlagen informieren. Doch wenn Kunden keine Anforderungen an Brandschutz, Akustik, Hygiene und langfristige Haltbarkeit von Dämmungen stellen, ja wenn die Vorteile von Isolierungen überhaupt erst verständlich gemacht werden müssen, dann fällt es auch und gerade Qualitätsanbietern schwer ihre Produkte an den Mann zu bringen – die Präsenz von Armacell auf der Messe zeigt aber, dass es gelingen kann. Auch dem schwäbischen Premiumanbieter Roller gelingt dies. Roller hat in Thailand eine eigene Verkaufsmannschaft und lässt vor Ort in Kooperation mit einem lokalen Hersteller nach eigenen Standards produzieren – mit gewissen Anpassungen, was z.B. Rohrdurchmesser etc. betrifft, aber die Flagge „Made in Germany“ wird von Roller in Thailand nach eigenen Angaben mit Erfolg gehisst. Ähnliches gilt für den Verdichterhersteller Bitzer, der zwar nicht in Thailand produziert, aber mit einem eigenen Büro mit thailändischen Mitarbeitern im Markt aktiv ist. „Ohne eigenes – aber ganz wichtig: einheimisches – Fachpersonal bekommt man sonst hier im Land wirtschaftlich keinen Fuß auf die Erde“, bemerkte ein Bitzer-Mitarbeiter am RHVAC-Messestand.

In Ermangelung entsprechender deutscher Anbieter für Klimageräte (Wohnungsmarkt), gilt das Gesagte vor allem für Hersteller kältetechnischer Anwendungen und Komponenten. Im Klimamarkt dominieren auch in Thailand die uns bekannten Marken: Daikin und Mitsubishi Electric haben nach Angaben von Jintana Sirisantana die Nase vorn, gefolgt von LG und Samsung. Den weiteren Markt teilen sich die etwa zehn lokalen Hersteller; chinesische Produkte seien weniger verbreitet – „Thailänder akzeptieren keine chinesische Qualität“, äußerte sich der Geschäftsführer eines thailändischen Klimageräteproduzenten gegenüber der KKA. Auch im Bereich der gewerblich genutzten Klimaanlagen findet man im Ranking die international agierenden Unternehmen Trane, Carrier und York ganz oben.

Einblicke in eine thailändische Produktion

Nicht nur die Messehallen der RHVAC standen auf der Besuchsliste der KKA-Redaktion, auch die Fertigung des thailändischen Herstellers P.P.J. Engineering (Star Holding Group) konnte  begutachtet werden. P.P.J. produziert seit über 30 Jahren kälte- und klimatechnische Geräte – vom kleinen Splitgerät bis zum Chiller. Hauptabsatzmarkt der eigenen Produkte (70 %) ist Thailand, 30 % werden exportiert – wobei man im Ausland ausschließlich als OEM-Lieferant aktiv ist und nicht unter dem eigenen Label. Auch für P.P.J. steht das Thema Qualität und Service ganz oben, denn nur mit dem Argument der geringen Preise sei der Wettbewerb vor allem mit chinesischen Anbietern nicht zu gewinnen.

Die Produktion selbst präsentierte sich der KKA-Redaktion als eine ungewöhnliche Mischung aus Handarbeit und hochwertigem Maschinenpark. Bei den niedrigen Lohnkosten in Thailand kann es sich ein Hersteller halt in ganz anderem Maße noch erlauben, Produktionsschritte eben nicht zu automatisieren. Da der Hersteller derzeit keine Produkte für den deutschen Markt fertigt, soll an dieser Stelle auf eine ausführliche Beschreibung der Produktionsabläufe verzichtet werden. In der Bildergalerie dieses Beitrags finden Sie aber eine Reihe an Fotos, die die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu einer Fertigung bei einem europäischen oder japanischen Hersteller dokumentieren.

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