Die Patchwork-Kälte-Familie

In der Branche wird gerne von der „Kälte-Familie“ gesprochen. Das klingt recht heimelig – und ist es im Grunde auch. Es ist schon schön „in der Kälte“. Daher verliert die Familie niemanden (oder kaum jemanden). Die Leute verschwinden an der einen Stelle und tauchen an einer anderen mit neuer Visitenkarte wieder auf, was sicher auch an den spannenden und vielfältigen beruflichen Möglichkeiten liegt.

Die Vielfalt, die in fachlicher Hinsicht sicher ein Segen ist, scheint in der Verbändelandschaft jedoch eher ein Fluch zu sein. So leistet man sich in einer Branche, die um Zehnerpotenzen kleiner ist als z.B. die Gewerke Elektro oder Sanitär, zig Verbände und erfindet zudem immer neue „Initiativen“, anstatt endlich einmal an einem Strang zu ziehen.

Vorläufiger Höhepunkt dieses scheinbar lieb gewonnenen Hobbys ist das einstweilige Scheitern der Gespräche zwischen dem Bundesinnungsverband (BIV) und der Groß-Innung Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg (LIK), das Bundesinnungsmeister Heribert Baumeister anlässlich der Delegiertenversammlung des BIV am 30. September in Bonn verkündete.

Wir erinnern uns: Zum Ende des Jahres 2012 war die LIK aus dem BIV ausgetreten. Seither war es erklärtes Ziel des BIV, die „abtrünnige“ Innung wieder zurückzuholen. Nachdem man sich anfangs etwas aus dem Weg gegangen war, gab es seit einigen Jahren (ja, der Plural ist richtig!) Gespräche über einen Wiedereintritt. Dieses Projekt scheint nun doch (zumindest vorerst) gescheitert zu sein.

Woran und an wen das letztlich gelegen haben mag, ist schwer zu beurteilen. Es wäre auch müßig, sich in Schuldzuweisungen zu ergehen. Fakt ist, dass die Branche durch diese Situation eher einem Flickenteppich gleicht. Ohne jemanden oder einen bestimmten Verband persönlich anzusprechen, wirkt es so, als meine jeder, in seinem Eckchen permanent Profilpflege betreiben zu müssen. Schließlich müssen auch all diese vielen Organisationen ihre Existenzberechtigung nachweisen und „Kante zeigen“, so zumindest der Eindruck auf den unbeteiligten Betrachter. Und es geht natürlich darum, wer Erster ist beim die Branche-nach-außen-vertreten-Wettbewerb und wer deshalb mehr zu sagen hat als die anderen. Ersparen wir uns an dieser Stelle das Nachdenken über Analogien.

Erfreulicherweise gab und gibt es immer wieder Anläufe, diesen Zustand zu ändern. Allerdings war bisher keiner dieser Versuche von Erfolg gekrönt – wie der letzte nun auch. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Vielleicht schaffen es tatsächlich mal alle Verbände und wichtigen Organisationen, sich selbst etwas weniger wichtig zu nehmen, einen Schritt zurückzutreten und das gemeinsame Ziel zu sehen, nämlich eine starke Vertretung für die Kälte-Klima-Branche zu sein. Dann wird vielleicht doch noch eine richtige Familie draus, wünscht sich jedenfalls

Ihr KKA-Chefredakteur

Matthias Schmitt

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