Lösungen für die Branche suchen

Interview mit VDKF-Präsident Karl-Heinz Thielmann

Auf der Mitgliederversammlung im April 2019 wurde Karl-Heinz Thielmann zum neuen Präsidenten des VDKF (Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe e.V.) gewählt. Das erste (Kalender-)Jahr seiner Amtszeit liegt nun hinter ihm. Was wurde erreicht? Welche Aufgaben liegen noch vor ihm? Im Interview mit der KKA zieht Karl-Heinz Thielmann eine erste Bilanz.

KKA: Herr Thielmann, blicken Sie doch zunächst einmal auf den Tag Ihrer Wahl zum VDKF-Präsidenten im April 2019 in Würzburg zurück. Wie haben Sie sich vor und nach der Wahl gefühlt?

Thielmann: Mir war im Vorhinein klar, dass die Aufgabe zeitintensiv sein wird und für jeden hat jeder Tag nur 24 Stunden. Also muss die Zeit an anderer Stelle eingespart werden. Zu welchen Lasten war eigentlich die Frage, die mich umgetrieben hat. Irgendetwas wird dabei zu kurz kommen, ggf. auch die Familie. Am Tag der Wahl hat mich eigentlich nur ein klares Votum interessiert. Ob es ein klares Votum war, mögen Sie und andere, die sich dazu berufen fühlen, beurteilen. Nach der Wahl, die ja recht spät stattfand, haben mich die Ereignisse von Gratulation, Bilder machen etc. überrollt. In dem Sinne war ich nicht Akteur, sondern Getriebener. Das war aber soweit nicht schlimm, es standen ja keine staatstragenden Reden mehr an und man konnte alles auf sich zukommen lassen.

KKA: Mit welchen Vorsätzen sind Sie in Ihr neues Amt gestartet und welche konnten Sie davon bereits umsetzen?

Thielmann: Ich weiß nicht, ob man es Vorsätze nennen sollte. Auf jeden Fall muss ich authentisch bleiben. In der Tat hatte ich mir im Vorfeld eine „to-do-Liste“ erstellt, die Grundlage der ersten Schritte war. Das waren zum einen personelle Fragen, aber auch die Frage, wie es z.B. mit dem Projekt Supersmart weitergehen soll? Geht es überhaupt weiter? Was ist der Stand der Beziehungen zu den nationalen und internationalen Nachbarverbänden? Intern musste ich doch erst mal die Akteure aus Präsidium und Verwaltungsrat kennenlernen. Was nicht bedeutet, dass wir uns persönlich fremd waren, aber in der Funktion hatten wir bis dato nicht zusammengearbeitet. Wenn man dann die Satzung zugrundelegt, gibt es für alles Fristen, die eingehalten werden müssen. Also dauerte das schon mal die eine oder andere Woche.

Was konnte ich umsetzen? Die Personalfragen sind geklärt. Themen wie Digitalisierung, Innovation und Technologie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer heutigen Zeit und als solche nicht mehr aus unserer Welt wegzudenken. Präsidium, Verwaltungsrat und Geschäftsführung des VDKF sind der Überzeugung, dass auch der Verband sich diesem Umstand nicht verschließen darf und der VDKF in Bezug auf die heutigen und zukünftigen Herausforderungen verpflichtet ist, für seine Mitglieder entsprechende Kompetenzen bereitzustellen.

Wir haben mit Marcel Rehder einen jungen Mann gewinnen können, der im Zuge der Digitalisierung diese Aufgaben wahrnimmt und den VDKF in diesem Punkt hilfreich unterstützt. Außerdem handelt sich um einen Mann, der auch mit den sozialen Medien vertraut ist und so den VDKF auch für junge Leute ansprechender werden lässt.

Die Rechtsberatung ist kurzfristig geklärt worden und ich denke, mit Thomas Heuser haben wir einen Kenner der Branche, der den VDKF und deren Mitglieder kompetent beraten kann und wird.

Es sind Kooperationen mit dem ÖKKV, dem SVK, dem französischen Verband Snefcca vereinbart worden. Es ist wichtig, dass europaweit die Außendarstellung der Politik gegenüber möglichst überzeugend und länderübergreifend dargestellt wird. Da gibt es Projekte, die wir gemeinsam verfolgen.

Nicht zuletzt möchte ich den BIV nennen. Es ist meine Wahrnehmung, dass wir eine Basis gefunden haben und daran ständig arbeiten, die Zusammenarbeit zu verbessern und einstimmig die Belange der Mitgliedsbetriebe vertreten.

KKA: Was sind die wichtigsten Aufgaben, mit denen sich der VDKF aktuell beschäftigt?

Thielmann: Ganz sicher spielt zuallererst die Novellierung der F-Gase-Verordnung eine Rolle. Es ist wichtig, dass wir eine gemeinsame Position suchen, um entsprechend gehört zu werden. Das geht nur mit einer nationalen wie europaweiten Zusammenarbeit der Verbände. Es muss ein Positionspapier erarbeitet werden, das die Verordnung für die Handwerksbetriebe, die wir vertreten, auch handhabbar macht. Wir werden auch in Zukunft in der Kälte- und Klimatechnik mit fluorierten Fluiden arbeiten müssen, wenn wir wollen, dass die Bandbreite der möglichen Applikationen, die unsere Handwerker abdecken, auch weiterhin bei uns in Europa verbleiben.

Wir werden VDKF-intern die Branchensoftware VDKF LEC weiterentwickeln, um dem Fachbetrieb ein Tool an die Hand zu geben, seinen Verpflichtungen u.a. hinsichtlich Dokumentation auch nachkommen zu können.

Aus dem Projekt Supersmart ist das Projekt „coolskills“ geworden, in Anlehnung an die „Euro Skills“ oder „World Skills“. Das Projekt ist neu aufgesetzt worden und wird auf der Mitgliederversammlung 2020 in Weimar vorgestellt werden. Lassen Sie sich überraschen. Ziel des Projektes ist es, dem Handwerksbetrieb unterstützend im Dickicht der Verordnungen, Gesetze und Normen Wege aufzuzeigen, wie es funktionieren könnte. Letztendlich bauen muss er die Anlage selbst.

 

KKA: In bzw. an der Kälte-/Klima-Branche wird öfters kritisiert, dass es zu viele Verbände und Organisationen gibt, die zudem bei wichtigen Themen nicht alle mit einer Stimme sprechen. Sehen Sie das Problem ebenfalls und falls ja, was ließe sich dagegen unternehmen?

Thielmann: Miteinander reden und um Lösungen ringen. Persönliche Eitelkeiten hintenanstellen und Lösungen für die Branche suchen. Es stimmt, wir haben ein paar Verbände zu viel. Es sollten aber Verbände aufgrund ihrer Verankerung von Gesetzes wegen und der Historie weiterhin eigenständig bleiben, aber sehr eng zusammenarbeiten. Da denke ich, sind wir auf einem guten Weg. Wie heißt es so schön: „Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden“. Gemeinsame Konzepte liegen vor. Ob die in der tatsächlichen Umsetzung dann von allen Akteuren auch so akzeptiert werden, ist derzeit noch nicht geklärt. Aber wir sind auf einem Weg, der Hoffnung aufkeimen lässt.

KKA: Auf der VDKF-Versammlung 2013 in Cochem hatte Ihr Vorgänger Wolfgang Zaremski das Ziel verkündet, bis 2020 die Zahl der VDKF-Mitglieder auf 1.000 zu erhöhen. Damals ist er von einigen belächelt worden – jetzt ist die 1.000er-Marke schon 2019 geknackt worden. Mit welchen Argumenten und Maßnahmen ist es dem VDKF gelungen, die Anzahl der Mitgliedsbetriebe zu steigern?

Thielmann: Ein ganz wesentlicher Punkt ist der, dass wir die Zeit hinter uns haben, in der wir uns mehr mit uns als um unsere Mitglieder gekümmert haben. Wir waren mit uns selbst beschäftigt und nicht auf unsere Mitglieder fokussiert. Die Menschen können sich mit der Arbeit des VDKF wieder identifizieren, schätzen was gemacht wird und haben wieder Mut in den VDKF gefasst. Auch einst ausgetretene Mitglieder konnten zurückgewonnen werden. Die Sacharbeit, die heute gemacht wird, macht das Salz in der Suppe aus. Es geht nicht mehr um Personen, sondern um Ergebnisse der Verbandstätigkeit.

 

KKA: Um trotzdem etwas Salz in die Wunde zu streuen: Bei einer VDKF-Mitgliederversammlung liegt der Altersschnitt der Anwesenden eher bei 60 als bei 40 Jahren. Ist die aktive Mitarbeit in einem Branchenverband nicht mehr attraktiv für jüngere Kälteexperten?

Thielmann: Sie verwechseln aktive Mitarbeit und Teilnahme an einer VDKF-Mitgliederversammlung. Was die Mitgliederversammlung angeht, mag das gefühlt so sein. Wahrscheinlich fallen Ihnen die Teilnehmer in Ihrem Alter und jünger nicht auf. Aber mit Andre Knipping, Heike Denner, Tilo Neumann und noch drei weiteren unter 50 haben wir durchaus junge Mitstreiter, die sich sehr engagiert im Verwaltungsrat einbringen. Im Coolskills-Team war es unser Wunsch, in jeder Arbeitsgruppe mindestens einen U40 zu haben. Das ist uns gelungen! Dass es trotzdem nicht nur junge Leute sind, liegt auch daran, dass diese jungen Leute mitten in ihrem Berufsleben stehen und ob der vielen Arbeit keine Zeit haben, sich in einem Verband einzubringen. Aus meiner Sicht ist es neben der Zeit auch ein gesellschaftliches Problem, dass für ein Ehrenamt kaum noch einer zur Verfügung steht. Zeitmangel und die rechtlichen Rahmenbedingungen sind die Gründe. Und dann bleibt es an denen, die es schon immer gemacht haben, oder denen, die sich schon teilweise aus dem aktiven Berufsleben zurückgenommen haben. Das ist kein Phänomen des VDKF, sondern das erlebe ich in meinem Aeroclub genauso wie in meinem Musikverein.

KKA: Neben Ihrer Tätigkeit als VDKF-Präsident sind Sie außerdem weiterhin in der ÜWG (Überwachungsgemeinschaft Kälte- und Klimatechnik e.V.) als Geschäftsführer und technischer Leiter aktiv. Gibt es hier Synergien, die Sie nutzen können, oder gar Interessenkonflikte?

Thielmann: In die ÜWG bin ich, mit Gründung 1996, als Betrieb eingetreten. Es war für mich wichtig, einen Fachbetriebsstatus nach WHG (Wasserhaushaltsgesetz) zu haben. Das war losgelöst von Gesetz und Verordnung. Vielleicht war das 1996 noch so, dass man in die Verbände der Branche eingetreten ist. Auch bin ich in die Innung eingetreten, zugestandenermaßen zu einem Zeitpunkt, wo wir angefangen haben, Lehrlinge selbst auszubilden. Konflikte gibt es zwischen den Positionen Geschäftsführer und technischer Leitung der ÜWG und dem VDKF-Präsidentenamt nicht. Wenn man von Mietzins, Nebenkosten, Parkplatzmiete etc. absieht. Sie merken, ich muss schon an große Posten des ÜWG- und VDKF-Budgets rangehen, um einen möglichen Konflikt zu konstruieren.

Sie begleiten mich lange genug, was meine Tätigkeit in der ÜWG angeht. Ehrenämter sind nicht einfach zu besetzen, weil es keiner so recht ausführen mag. Angefangen hat es als Mitglied im ÜWA, wo man die ersten Einblicke in die „Interna“ der ÜWG erhalten hat. Später folgte der 2. Vorsitzende und dann der Vorsitz. In der Zeit habe ich den Prozess der AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) intensiv begleitet, mitdiskutiert und viel Zeit investiert. Dann einfach alles liegen lassen und gehen, ist nicht meine Art. Als die Stelle des Geschäftsführers zu besetzen war, habe ich das gerne gemacht. Zuviel Herzblut ist in der ÜWG, als dass ich es hinschmeißen würde. Und es macht ja auch Spaß. Ich komme in viele Betriebe, lerne viele Menschen und Methoden kennen, wie man das eine oder andere anders oder auch besser macht, und kann das dann in den Seminaren an die Teilnehmer weitergeben. Das wäre vielleicht ein Synergieeffekt, der mir auch beim VDKF zugutekommt. 

 

KKA: Herr Thielmann, um Ihre Verbandsaktivitäten mit ganzer Kraft ausüben zu können, haben Sie sich aus dem aktiven Geschäft Ihres eigenen Betriebs zurückgezogen. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Thielmann: Überhaupt nicht schwer. Wenn wir vorher von Konflikten gesprochen haben, dann war es ein richtiger Schritt, die Verantwortung für meinen Handwerksbetrieb in jüngere Hände zu geben. Wie Sie wissen, bin ich auch als Sachverständiger in der Branche unterwegs, und das hat gelegentlich zu Konfliktpotenzial geführt. Einerseits kommt man als ÜWG-Fachprüfer in einen Betrieb, dann wird man mit mir als Sachverständiger konfrontiert (im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung) und Wettbewerber ist man dann auch noch. Insofern war es der richtige Schritt, im richtigen Alter und zur rechten Zeit Verantwortung abzugeben. Es ist ja nicht so, dass man jetzt außen vor ist. In letzter Konsequenz hat man aber nicht mehr die Verantwortung und ich habe Freiräume für ÜWG und VDKF.

KKA: Herr Thielmann, herzlichen Dank für die offenen Worte.

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