Solar betriebener Kühlraum

Offizielle Eröffnung des ersten „Cellux“-Kühlraums in Kenia

Am 9. und 10. Oktober 2020 nahmen insgesamt mehr als 200 Gäste an der offiziellen Eröffnung des ersten ausschließlich mit Solarenergie betriebenen Kühlraums in Kithimani/Yatta teil. Unter den Gästen waren Farmer, Leiter von landwirtschaftlichen Kooperativen, Vertreter von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, politische Verantwortliche, Obst- und Gemüse-Exporteure und -verarbeitende Betriebe. In der Pilotanlage können bis zu 5 t frischer Produkte bei 6 °C sicher gelagert werden.

Mit der Pilotanlage in Kenia möchte der deutsche Hersteller suncooling/Kramer zeigen, wie einfach und wartungsfrei sich die tägliche Nutzung des „Cellux“-Kühlraums in einer äquatornahen Region gestaltet. Seit dem Einschalten läuft die Anlage einwandfrei und wird auch bereits von benachbarten Farmen mitgenutzt.

„Die Eröffnung der ‚Cellux‘-Pilotanlage in Kenia ist ein wichtiger Schritt für Kramer bzw. suncooling und bedeutet mir und insbesondere meinem Sohn sehr viel. Dabei stehen für uns eher idealistische denn ökonomische Ziele im Vordergrund. Aufgrund der großen Hitze und dem Mangel an geeigneten Kühlmöglichkeiten verderben jedes Jahr Milliarden von Tonnen hochwertiger Nahrungsmittel. Unser mit Solarenergie betriebener Kühlraum stellt für dieses Problem eine ebenso einfache wie effiziente Lösung dar, da sie keinen externen Strom­anschluss benötigt und daher auch in sehr abgelegenen Gegenden eingesetzt werden kann. Dank ihrer modularen Bauweise können viele Teile der Anlage direkt vor Ort eingekauft werden. Ich hoffe, dass wir mit dieser Anlage eine Diskussion über Mittel und Wege anstoßen konnten, wie Verluste nach der Ernte zukünftig vermieden werden können, und dass sich ‚Cellux‘ als zuverlässige Lösung für eine nachhaltigere Landwirtschaft in Afrika durchsetzen kann”, sagte Matthias Weckesser, Geschäftsführer von suncooling und Kramer in einer auf dem Event ausgestrahlten Video-Botschaft. Aufgrund der Corona-Pandemie war es ihm leider nicht möglich, persönlich am Eröffnungs-Event teilzunehmen. Er dankte der Deutschen Bundesregierung – speziell dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – sowie der Deutschen Energieagentur dena für deren organisatorische und finanzielle Unterstützung. Das Projekt wurde vor Ort von den lokalen Partnern Logicool Ltd (technische Beratung und Installation des Kühlraums) sowie Eurocomm Tekbiz Africa Ltd (Marketing, Kommunikation und Vertriebsorganisation) unterstützt.

Auch die dena-Vertreterin Sophie Heitz bedauerte in ihrer Videobotschaft sehr, nicht persönlich am Event teilnehmen zu können und betonte dabei die Wichtigkeit dieses ersten „Cellux“-Projekts in Kenia für die dena: „Der Entscheidung der dena, dieses Projekt mit allen Kräften zu unterstützen, liegt die Überzeugung zugrunde, dass der ‚Cellux‘-Kühlraum mehrere Probleme gleichzeitig lösen kann. Dank des mit Solarenergie betriebenen Kühlraums können landwirtschaftliche Produkte auch in entlegenen Gegenden ohne Stromanschluss und ohne den Einsatz fossiler Energieträger effizient gekühlt werden. So werden Nach-Ernteverluste reduziert und die Qualität der Produkte bleibt über einen deutlich längeren Zeitraum erhalten. Außerdem sorgt ‚Cellux‘ bei den Verhandlungen zwischen Farmern und Großhändlern wieder für ein gewisses Gleichgewicht, da die Farmer nun auch auf ein besseres Angebot warten oder größere Ernte-Mengen zu einem besseren Preis verkaufen können. “

Joseph Muuo, Farmer und Besitzer der Pilot­anlage, unterstrich den Nutzen des Kühlraums für seinen eigenen Betrieb sowie die seiner Nachbarn in Kithimani: „Als Farmer begeistern wir uns für das, was wir tun – und wir würden gerne noch mehr Obst und Gemüse produzieren, wären da nicht die großen Nach-Ernteverluste. Oft schon habe ich darauf verzichtet, meine reifen Früchte und Gemüse zu ernten, da ich sie bis zum Verkauf nirgends kühl und sicher lagern konnte. Dank des ‚Cellux‘-Kühlraums kann ich jetzt mit gutem Gewissen ernten und die Produkte bis zum Verkauf einlagern. Da trifft es sich gut, dass die Regierung jetzt die Kanäle in Yatta saniert und die Bohrung weiterer Brunnen auf dem Hochplateau plant. So haben wir bald mehr Wasser zur Verfügung und können deutlich mehr produzieren.”

Newton Matope, Geschäftsführer des ostafrikanischen Kühllogistik-Dienstleisters BigCold mit Sitz in Nairobi, betonte nochmals die Wichtigkeit geeigneter Kühl-Lösungen für die Qualität von Frischeprodukten. „BigCold ist einer der führenden Logistikpartner für Exporteure von kenianischen Früchten und Gemüsen wie z. B. Avocados, Mangos oder grünen Bohnen. Der Mangel an geeigneten Kühlmöglichkeiten hat einen großen negativen Einfluss auf die Qualität dieser landwirtschaftlichen Produkte und somit auch auf die Einkünfte der Farmer selbst. Wir sind davon überzeugt, dass der mit Solar­energie betriebene Kühlraum maßgeblich dazu beitragen wird, diese Situation zum Wohlergehen aller Akteure der Supply Chain nachhaltig zu verbessern.“

Höhere Einnahmen und ein nachhaltiges Business-Modell

„Cellux“ unterstützt Farmer in mehrfacher Hinsicht: Empfindliche Produkte können dank der Kühlung deutlich länger gelagert werden, so dass über mehrere Tage geerntet und größere Mengen in besserer Qualität zu höheren Preisen verkauft werden können. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit der Farmer und Kooperativen gegenüber den Aufkäufern und Großhändlern. Nicht zuletzt können freie Kapazitäten in Kühlräumen an andere Farmer vermietet und so zusätzliche Einnahmen erzielt werden.

„Cellux“ ist aber auch ein ebenso nachhaltiges wie verlässliches Business-Modell für soziales Unternehmertum, da durch die Vermietung dauerhafte Einnahmen erzielt werden können.

Die Kühllösung gibt es in zwei Größen, S und L. In der kleineren Version können bis zu 240 Kunststoff-Körbe gelagert werden, mit einem Gewicht von bis zu 5 t. Die Version L kann bis zu 400 Körbe aufnehmen, hier beträgt die max. Kühlmenge bis zu 10 t. Wenn man einen Korb (Maße ca. 50 x 50 x 50 cm) für 25 KSH pro Nacht vermietet, so können z. B. bei einer Auslastung von ca. 80 % mit einem „Cellux S“ bis zu 5.000 KSH pro Tag (~37 €) und bis zu 1.500.000 KSH pro Jahr (in 300 Tagen) erzielt werden.

Projekt-Partner

Das dena-RES-Projekt Kenia wird im Zuge des von der Deutschen Energie-Agentur (dena) ins Leben gerufenen und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen der „Exportinitiative Energie“ geförderten dena-Renewable-Energy-Solutions-Programms realisiert.


Kramer GmbH

Das Unternehmen Kramer mit Stammsitz in Umkirch bei Freiburg in Deutschland hat mehr als 90 Jahre Erfahrung in den Bereichen Dämmtechnik, Kühlraumbau und Ladenbau. Mit europaweit über 280 Mitarbeitern zählt die Kramer GmbH zu den führenden Anbietern in der Branche. Das Leistungsspektrum umfasst in allen Geschäftsbereichen die komplette Wertschöpfungskette von der Planung über die Produktion und Montage bis zum schlüsselfertigen Projektabschluss.  (www.kramer-freiburg.com


suncooling GmbH
Als Tochterunternehmen von Kramer, Kälte Grohmann und Planungsbüro Nürnberger hat sich suncooling dem Thema solare Kühlung verschrieben. Drei Spezialfirmen bringen ihr Know-how zu diesem Thema ein. Neben dem erfolgreichen Forschungsprojekt Agrokühl (solarthermischer Antrieb für eine Absorptionskältemaschine) ist „Cellux“ das zweite Projekt zur Solarkühlung. Neben diesem Thema befasst sich suncooling auch mit anderen Themen rund um erneuerbare Energien. (www.suncooling.de)


Eurocomm Tekbiz Africa Ltd

Eurocomm Tekbiz Africa begleitet und berät europäische Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, die den ostafrikanischen Markt erobern oder weiter entwickeln möchten. Durch eine Agentur in Nairobi verfügt Eurocomm über ausgeprägte Marktkenntnisse, gekoppelt mit der interkulturellen Kompetenz des afrikanisch-europäischen Teams.  (www.eurocomm-tekbiz-africa.co.ke)

 
LogiCool Ltd
Mit mehr als 2.500 Kunden und rund 800 erstellten Kühlräumen ist Logicool Marktführer für Kühltechnik in Kenia. Logicool bietet schlüsselfertige Lösungen für Kälteanlagen bzw. Kühlräume, Vakuum-Verdampfer, Klimaanlagen und mechanische Belüftung.  (www.logicool.co.ke)

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