„Energietage 2026“ gestartet
16.04.2026Am 15.4.2026 sind die digitalen „Energietage 2026“ (www.energietage.de) gestartet. Als bundesweit größte Plattform für den Austausch zu Energie- und Klimathemen bieten sie Orientierung in einer energie- und klimapolitisch hochdynamischen Lage. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Versorgungssicherheit, der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Energiewende sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz und Umsetzung. Die „Energietage 2026“, zu deren Veranstaltungen insgesamt mehr als 31.000 Anmeldungen vorliegen, finden vom 15. bis 17. April digital statt und umfassen mehr als 60 Online-Veranstaltungen. Vom 4. bis 6. Mai folgt der Präsenzteil der Energietage in Berlin. Das umfangreiche – und für Teilnehmende kostenfreie – Kongressprogramm umfasst insgesamt mehr als 100 Veranstaltungen zu zentralen Themen von Energiewende und Klimaschutz. Die Anmeldung ist weiterhin möglich.
Bild: Energietage / Leon Kopplow
Zum Auftakt der digitalen „Energietage 2026“ gaben mehrere Lageberichte einen Überblick über zentrale Entwicklungen in der Energie-, Klima- und Sicherheitspolitik. Über 600 Teilnehmende verfolgten die Eröffnung live.
Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der Energietage, stellte die zunehmende Dynamik und Verschiebung der energiepolitischen Debatten heraus. Sicherheits- und geopolitische Fragestellungen rückten stärker in den Vordergrund, während Klimaschutz in der öffentlichen Wahrnehmung teilweise an Sichtbarkeit verliere. Auch innerhalb einzelner Themenfelder zeigten sich Verschiebungen, etwa hin zu Heiztechnologien und zulasten der Gebäudesanierung. Zugleich warnte er vor wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und plädierte für eine faktenbasierte, respektvolle Debatte. Ziel der Energietage sei es, Orientierung zu geben, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und den Fokus auf lösungsorientierte Diskussionen zu richten nach dem Motto: „Gemeinsam Lösungen schaffen“.
Lagebericht: Klima
Prof. Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e. V.) skizzierte den aktuellen Stand der Klimakrise auf Basis wissenschaftlicher Daten. Die globale Erwärmung schreite schneller voran als politisch adressiert; die 1,5-Grad-Grenze werde voraussichtlich bald überschritten. Ursache und Wirkung seien wissenschaftlich eindeutig belegt, während politische Gegenmaßnahmen nicht ausreichend schnell erfolgten. Besonders deutlich zeige sich dies in der Zunahme von Extremereignissen wie Hitze, Starkregen und Dürren mit bereits heute gravierenden Folgen. Rahmstorf warnte zudem vor möglichen Kipppunkten im Klimasystem, etwa durch Veränderungen zentraler Meeresströmungen. Entscheidend sei die rasche und dauerhafte Reduktion von Emissionen, da insbesondere die kumulierten CO₂-Mengen maßgeblich seien. Klimaschutz sei keine politische Option, sondern physikalische Notwendigkeit und Frage des Grundrechtsschutzes.
Lagebericht: Geopolitik und Energieversorgung
Dr. Pauline Sophie Heinrichs (King’s College London) betonte aus geopolitischer Perspektive, dass fossile Abhängigkeiten ein zentrales Sicherheitsrisiko darstellen. Aktuelle Krisen zeigten die strukturelle Verletzlichkeit eines auf Öl, Gas und Kohle basierenden Energiesystems. Sie kritisierte die Annahme, fossile Energien seien kurzfristig stabilisierend, und forderte ein erweitertes Verständnis von Sicherheit, das Klimarisiken systematisch einbezieht. Klimapolitik und Sicherheitspolitik seien eng miteinander verknüpft, da Klimafolgen direkte Auswirkungen auf Stabilität, Wirtschaft und Gesellschaft hätten. Erneuerbare Energien böten demgegenüber eine robustere, dezentralere und weniger krisenanfällige Alternative. Der Transformationsprozess erfordere politische Entschlossenheit, sei jedoch langfristig auch ökonomisch vorteilhaft, da wiederkehrende fossile Krisen vermieden werden könnten.
Lagebericht: Energiewirtschaft und Energiepolitik
Dr. Felix Christian Matthes (Öko-Institut e. V.) analysierte die energiepolitische Lage in Deutschland und Europa. Er beschrieb eine neue Realität dauerhaft höherer und volatiler Energiepreise infolge geopolitischer Krisen, die ein erhebliches Risiko für Wirtschaft und Industrie darstellten. Gleichzeitig befinde sich die Energiewende in einer neuen Phase: Während der Stromsektor Fortschritte mache, rückten nun schwerer zu transformierende Bereiche wie Industrie, Gebäude und Verkehr stärker in den Fokus. Dies erfordere neue politische Ansätze, insbesondere im Hinblick auf Investitions- und Betriebskosten sowie Infrastrukturentwicklung. Auch Themen wie Wasserstoff, CO₂-Management und Systemumbau gewönnen an Bedeutung. Insgesamt seien bestehende Instrumente und Steuerungslogiken nicht mehr ausreichend; die Energiewende befinde sich in einer Phase struktureller Neuausrichtung.
Lagebericht: Soziale Fragen von Energiewende und Klimaschutz
Dr. Brigitte Knopf (Zukunft KlimaSozial) stellte die soziale Dimension der Energiewende in den Mittelpunkt. Sie betonte, dass Klimapolitik nicht allein über Kompensation funktioniere, sondern ein eigenständiger Ansatz für eine sozial gerechte Gestaltung der Transformation notwendig sei. Knopf skizzierte hierfür ein Vier-Säulen-Modell aus öffentlicher Infrastruktur und Daseinsvorsorge, sozial gestaffelten Förderprogrammen, Regulierung sowie sozialer Kompensation. Während es bei Infrastrukturmaßnahmen noch Ausbaubedarf gebe, zeigten Förderprogramme wie der Einkommensbonus beim Heizungstausch bereits Ansätze einer sozialen Differenzierung – jedoch mit begrenzter Reichweite. Insgesamt komme der sozialen Dimension im Klimaschutz bislang noch nicht ausreichend Gewicht zu, um alle Haushalte wirksam auf dem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen.
