Beijer Ref

Ausbildung und Inklusion

Die Beijer Ref Deutschland-Niederlassung Stuttgart bildet erstmals einen jungen Mann mit Asperger-Syndrom erfolgreich zum Fachlageristen aus und zeigt damit – wenn familiäres, betriebliches und administratives Engagement zusammenkommen – kann Inklusion erfolgreich sein und damit auch einen wertvollen Beitrag gegen den Fachkräftemangel leisten. Der sehr erfolgreiche Abschluss der Ausbildung zum Fachlageristen ist der vorläufige Höhepunkt eines hürdenreichen Weges von Felix Kippelt und seinen Eltern, gegen viele bürokratische Widerstände, seit der Diagnose seiner leichten Form des Autismus mit drei Jahren.

Eigenmotivation und Eltern

Bereits bei der Wahl des Kindergartens entschieden sich die Eltern bewusst für einen Regelkindergarten anstatt eines Förderkindergartens. Felix sollte so viel Normalität wie möglich zukommen. Ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durchzieht und in Felix‘ Werdegang eine Grundsäule für seinen Erfolg darstellt. Dann jedoch die erste Hürde: Das Schulamt verweigerte die Aufnahme in einer Regel-Grundschule, woraufhin Felix’ Eltern in Eigeninitiative eine Grundschule mit Schulbegleitung suchten. Erst nach langer Auseinandersetzung mit den Behörden gab das Schulamt dazu die Zustimmung. Damit war Felix das erste Kind mit Asperger-Syndrom in Baden-Württemberg auf einer Regelschule.

Nach vier Jahren verließ Felix die Grundschule mit einer Empfehlung fürs Gymnasium. Einige Klassenkameraden übernahmen im Korntaler Gymnasium eine Patenschaft für Felix und so war er von Beginn an hervorragend in den Schulalltag integriert. Seine Leistungen lagen konstant im befriedigenden Bereich und dennoch verließ Felix – auf eigenen Wunsch – nach der mittleren Reife das Gymnasium, denn er beabsichtigte eine Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu absolvieren.

Die nächste Hürde: Die Arbeitsagentur sprach ihm die Ausbildungsreife ab und vermittelte einen Platz in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Für Felix und seine Eltern war diese jedoch nicht akzeptabel und Felix suchte sich – in Eigeninitiative – erfolgreich einen Ausbildungsplatz. Allerdings fühlte sich Felix im ersten Unternehmen nicht dauerhaft wohl. Die Inklusion klappte dort nicht, wie es sich Familie Kippelt erwünscht und vorgestellt hatte. Im Unternehmen waren weder Vorgesetzte noch Mitarbeiter darauf vorbereitet und bereit, sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen.

Im Juni 2015 wechselte Felix zusammen mit seinem Ausbilder zu Beijer Ref Deutschland in die Niederlassung Stuttgart und führte dort seine Ausbildung zum Fachlageristen fort. Im Juni 2017 schloss er – mit einer Belobigung der Schule – seine Ausbildung erfolgreich ab. Stolz berichtet Felix’ Mutter: „Während der Ausbildung hat Felix eine äußerst positive Entwicklung in seinen kognitiven und sozialen Kompetenzen gemacht“.

 

Betrieb und Schule

Für den Betrieb wie auch die Berufsschule, die das erste Mal einen Autisten ausbildeten, gab es zunächst keinerlei Vorkenntnisse über das Asperger-Syndrom. Die Eltern, die immer wieder in Kontakt mit dem Betrieb kamen, leisteten mit ihrem Wissen über den Umgang mit Felix wertvolle Hilfe. Die Integrationsbereitschaft der Berufsschule, von Rektorat über Lehrkräfte und Schüler, die mit Felix instinktiv richtig umgegangen sind und ihn sofort akzeptiert haben, war sehr ausgeprägt. Neben der Tatsache, dass Vorgesetzte, Kollegen und Kolleginnen unbelastet und offen mit Felix umgingen, er nie als „Sonderling“ behandelt wurde, ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Integration.

Im Betrieb selbst wurden Mitarbeiter auf die Situation durch den Niederlassungsleiter vorbereitet und laufend informiert, Unsicherheiten oder Vorbehalte aufgegriffen und erläutert. Nicolas Zelewski: „Unser Niederlassungsleiter Gaetano Martino war ein echter Motivator, immer ganz eng dran und hatte alles im Blick. Er hat immer wieder das Gespräch gesucht und erfragt, ob es Probleme oder Konflikte gibt.“

Nach einer anfänglichen, längeren Eingewöhnungsphase ergab sich im Laufe der Ausbildungszeit niemals eine Situation, an der Auszubildender oder Betriebsangehörige an Grenzen gekommen wären. „Felix hat erkennbar eine stetige, extrem positive Entwicklung durchgemacht. Letztendlich sind seine ausgeprägte Stärke im Umgang mit Zahlen, sein Gefühl für Details, Ordnungssinn, logische Denkweise und Zuverlässigkeit Eigenschaften, die im Bereich der Lagerpflege von großem Vorteil sind“, freut sich Nikolas Zelewski.

Behörden und Institutionen

Von Beginn an stand die IHK dem Vorhaben sehr positiv gegenüber. Die Agentur für Arbeit war von Anfang an in den Ausbildungsprozess involviert und leistete Schulbegleitung für Felix sowie Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung an den Arbeitgeber. Das Integrationsamt (KVJS) leistete Unterstützung mit dem Förderprogramm „Ausbildung Inklusion“ und mit der IFD-Prozessbegleitung während der gesamten Ausbildungszeit.

Der Integrationsfachdienst bündelte den aktuellen Stand bei den unterschiedlichen Akteuren und agierte als Ansprechpartner für Arbeitgeber und alle Einzelakteure, wie Lehrer, Eltern und Lernbegleiter. Fragen, zum Beispiel zum Prüfungs-Nachteilsausgleich oder zu Informationen zu einer möglichen Anstellung, wurden so für alle Beteiligten zusammengefasst.

Der SES Senior Expert Service mit der Untergruppe VerA leistete im Bereich der persönlichen Lernunterstützung für schulische Arbeiten und theoretische und praktische Prüfungen einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg.

Fazit

Nach Einschätzung seines Ausbilders waren vier Faktoren maßgeblich für den erfolgreichen Abschluss von Felix’ Ausbildung zum Fachlageristen:

1. der unbelastete Umgang der Vorgesetzten und Kollegen/innen,

2. die Lernunterstützung durch den Senior Expert Service SES, Untergruppe VerA (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen),

3. die Betreuung durch den Integrationsfachdienst,

4. die Integrationsbereitschaft der Berufsschule und seiner Mitschüler.

Die Voraussetzung für das erfolgreiche Vorarbeiten in den ersten Arbeitsmarkt schufen aber das außerordentliche Engagement der Eltern, gegen alle Widerstände anzukämpfen, sowie Felix’ Zielstrebigkeit, sich nicht mit einer vorbestimmten Rolle zufriedenzugeben. Damit ist er im Stuttgarter Raum der erste Autist mit Asperger-Syndrom, der erfolgreich eine Berufsausbildung im ersten Arbeitsmarkt absolviert hat.

Dieser Erfahrungsbericht zeigt (als klassische Win-Win-Situation), wie Benachteiligte erfolgreich und mit einer sehr guten persönlichen Weiterentwicklung in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden und gleichzeitig Unternehmen zukünftig in einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel entgegenwirken können. Inklusion erfordert ein gutes Zusammenspiel aller beteiligten Parteien und erfordert natürlich Anstrengungen auf allen Seiten. Aber keinen Nachwuchs zu haben, in einem immer weiter wachsenden Markt, ist für die Branche sicherlich die schlechteste Alternative.

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