Wohin mit über acht Tonnen Kältemittel?

Absaugen und Recyceln bei Luzerner Energieversorgungsprojekt

Wenn eine große Industrieanlage saniert oder abgebaut werden soll, fallen meist größere Mengen Kältemittel an, die evakuiert und entsorgt werden müssen. Bei der See-Energie-Zentrale Inseliquai in Luzern, die nach 40 Jahren erneuert werden sollte, waren es über 8,6 t R134a. Wohin damit?

Die See-Energie-Zentrale nutzt das Wasser des Vierwaldstätter Sees, um die Bauten der Stadt mit Fernwärme und -kühlung für Heizungs-, Klima- und Kälteanlagen zu versorgen. Es wird über Wärmepumpen und Wärmetauscher in die Quartierzentralen geleitet und dort in einen Wärme- und einen Kühlkreislauf geteilt. Das alte System wurde durch eine effizientere und leistungsstärkere Anlage ersetzt, die ausgelegt ist für eine Wärmelieferung von 30 GWh pro Jahr und damit ca. 3.700 Haushalte versorgen kann. Mit dem Rückbau der Anlagen in der See-Energie-Zentrale wurde die Firma Norline AG und deren Partner I & B GmbH Dienstleistungsmanagement beauftragt. Für die Evakuierung des Kältemittels wandten sich die Unternehmen an A-Gas Rapid Recovery, Spezialist für die schnelle Evakuierung und Wiederaufbereitung von Kältemitteln. Schnelligkeit war ein wichtiger Faktor, denn für den Rückbau gab es einen engen Zeitplan.

Individuelle Bedingungen erfordern individuelle Lösungen

Das A-Gas-Team mit Fachleuten aus Deutschland und England machte sich vor Ort mit den Bedingungen vertraut. Und die hatten es in sich. Die Anlage stand im 2. Untergeschoss. Das komplette Equipment, bestehend aus drei Rapid Recovery-Maschinen inklusive Zubehör und 15 Drums (Rollfass zur Zwischenlagerung von Kältemittel) zur Aufnahme des abgepumpten Kältemittels, musste einzeln eingebracht werden. Zum Einsatz kamen wegen des geschlossenen Raumes strombetriebene Rapid Recovery-Maschinen, auf offenen Abbruchbaustellen wird dagegen häufig mit benzinbetriebenen Absaugstationen gearbeitet, da diese zu 100 % autark funktionieren. Da die 40 Jahre alten Anschlüsse der See-Energie-Anlage nicht mehr den heutigen Standards entsprachen und mit denen der Absaugstationen nicht kompatibel waren, mussten dafür eigene Verbindungselemente produziert werden. Für die gesamten Arbeiten stand nur eine knappe Woche zur Verfügung, um den Fixtermin für den Abbau einhalten zu können.

Rechtssicherheit garantiert

A-Gas Rapid Recovery übernimmt bei seinen Aufträgen neben den technischen Aufgaben auch die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Einholung aller nötigen Genehmigungen und die erforderliche Dokumentation. Der Kunde, so die Philosophie des Unternehmens, soll von allen rechtlichen Fragen und Regularien entlastet werden. In Fall der See-Energie-Zentrale galt es nicht nur die F-Gase-Verordnung zu berücksichtigen, sondern auch alle Schweizer Vorschriften.

Ein Projekt dieser Größenordnung war auch für die Schweizer Behörden nicht alltäglich. Es gab daher keine Erfahrungswerte, wie lange die Prüfung dauern könne und wann die erforderlichen Genehmigungen vorliegen würden. A-Gas Rapid Recovery musste darum dafür sorgen, das in die Drums abgepumpte Kältemittel bis zur Vorlage der Genehmigungen rechtskonform zwischenzulagern. Hier erwies sich die internationale Vernetzung des Unternehmens als Vorteil. Sie half dabei, einen Partner zu finden, der die benötigte Lagerfläche zur Verfügung stellen konnte.

Dank guter Planung komplikationslos und schnell

Die gründliche Planung der Aktion machte sich bezahlt. Innerhalb von nur vier Tagen saugten die schnellen A-Gas-Maschinen 8.617 kg Kältemittel ab. Die ersten 1.000 kg waren nach 90 Minuten abgepumpt, 4.000 kg am Ende des ersten Tages. Die 15 Drums wurden einzeln nach und nach eingebracht und auch wieder abtransportiert. Was das bedeutet wird deutlich, wenn man sich das zu bewegende Gewicht anschaut: Eine Drum wiegt inklusive Gestell 630 kg, im gefüllten Zustand 1.350 kg.

„Die akribische Planung und professionelle Durchführung hat uns vollends überzeugt“, so Natale Filia, der Geschäftsführer der I & B Dienstleistungsmanagement GmbH. „Dass A-Gas Rapid Recovery sogar zwei Tage vor der gesetzten Deadline das Projekt abschließen konnte, zeigt, dass alle Eventualitäten berücksichtigt wurden. Uns wurde viel Arbeit und Bürokratie abgenommen, gleichzeitig konnten wir die Kosten im Vergleich zu einer konventionellen Entsorgung des Kältemittels senken.“

Aus alt wird wie neu – AHRI 700-Standard-gerechtes Recycling

Das aus der See-Zentrale evakuierte Kältemittel wird nun in den A-Gas-Anlagen in den Niederlanden analysiert. Das Ergebnis entscheidet über die notwendigen Prozeduren zur Reinigung und Aufbereitung. Verunreinigungen wie beispielsweise Öl oder auch Luft und Feuchtigkeit befinden sich in jedem benutzten Kältemittel, ggf. auch andere Schadstoffe oder Rückstände. Zudem kann sich bei Kältemittelgemischen das Produkt in seiner Zusammensetzung im Laufe seines Einsatzes verändern, wenn es zu Leckagen gekommen ist.

A-Gas bereitet das Kältemittel auf, so dass es im Anschluss wieder den AHRI 700-Standard erfüllt und wieder eingesetzt werden kann. Komponenten, die nicht wiederaufbereitet werden können, werden vorschriftsgemäß entsorgt.

Christian Raschka, Country Manager A-Gas Rapid Recovery in Deutschland und auch verantwortlich für das Projekt in Luzern: „Die Wiederaufbereitung der gebrauchten Kältemittel ist für die Umwelt wesentlich besser als das Entsorgen durch Verbrennen. Es gibt aber nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile: Wiederaufbereitetes Kältemittel aus der EU fällt nicht unter die Quotenregelung der F-Gase-Verordnung. Mit der Verfügbarkeit wiederaufbereiteter Kältemittel gewinnen zum Beispiel Betreiber älterer Anlagen Zeit für die Umstellung auf Alternativen. Mit Recoveries auf Baustellen inklusive Abfallmanagement sowie der Wiederaufbereitung und Lieferung von Kältemittel bietet A-Gas ein Komplettpaket für Anlagenbauer.“

Das Projekt in Luzern war das bisher größte in Europa, in Deutschland gab es bisher ebenfalls einige Großprojekte in der Größenordnung zwischen 4 und 7 Tonnen Kältemittel. Insbesondere bei derartigen Großprojekten lohnt es sich, die Spezialisten von A-Gas anzufragen.

A-Gas und Rapid Recovery

Das englische Unternehmen A-Gas mit Sitz in Bristol ist seit über 25 Jahren im Bereich Kältemittel und technische Gase tätig und gehört zu den Weltmarktführern im Lifecycle-Management von Kältemitteln, Treibmitteln, Industriegasen und Löschmitteln. A-Gas ist weltweit tätig. Der deutsche Markt wurde bis 2018 von England aus betreut, seitdem hat A-Gas auch eine deutsche Tochtergesellschaft: die Arthur Friedrichs Kältemittel GmbH in Seevetal bei Hamburg. Rapid Recovery wurde 2002 in den USA für die nachhaltige und gesetzeskonforme Rückgewinnung von Kältemitteln gegründet und gewinnt vor dem Hintergrund der F-Gase-Verordnung zunehmend an Bedeutung. A-Gas hat Rapid Recovery 2016 übernommen und als Geschäftsbereich eingegliedert.

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