Sammlung Tuchfabrik Werdau

Historikertagung 2026 mit zwei Stationen auf der „Straße der Kälte“

Die nächste Historikertagung findet vom 11. bis 13. Juni 2026 im Raum Zwickau statt. In der direkten Nachbarschaft – in Werdau – sind gleich zwei Stationen auf der „Straße der Kälte“ zu finden: das Dampfmaschinenmuseum und die Sammlung Tuchfabrik Werdau. In der letzten Ausgabe der KKA wurde an dieser Stelle bereits über Dampfmaschinenmuseum berichtet, in der vorliegenden Ausgabe soll es nun um die Sammlung Tuchfabrik gehen, die unter der Regie von Uwe Reinhold in Ergänzung zum Dampfmaschinenmuseum mit dem Blickpunkt auf Energie und deren Nutzung entstand. Dabei wurde auch eine Dampfmaschine mit Tandem-Verdichter aus der ehemaligen Feldschlösschen-Brauerei(*) Werdau unter erschwerten Bedingungen und mit viel Enthusiasmus aus einer Vielzahl von Einzelteilen aufgebaut und wieder zum Leben erweckt. Es besteht sogar die Möglichkeit den Verdichter über einen Druckluftkompressor anzutreiben.

Im Jahr 1896 erwarb die Brauerei Ferd. Geidel(*) in Werdau eine Dampfmaschinenanlage des Fabrikats Riedinger aus Augsburg. Dabei handelte es sich um eine Einzylinder-Dampfmaschine, die mit zwei Kältemittelverdichtern sowie einem Generator ausgestattet war. Anlass für diese Investition war der gestiegene Bedarf an technisch erzeugter Kälte. Ob vor 1896 bereits eine Kältemaschine im Einsatz war, ist nicht bekannt. Unabhängig davon verfügte die Brauerei über einen Kühlkeller, in dem zur jeweiligen Jahreszeit Eis eingelagert wurde.

In den letzten Jahren der DDR-Zeit wurde die Dampfmaschinenanlage in ihrer ursprünglichen Anordnung als Notstromaggregat genutzt. Über den Generator konnte der Betrieb mit elektrischer Energie versorgt werden, während die Kältemaschinen funktionslos mitliefen. In dieser Konfiguration blieb die Maschinenanordnung über einen längeren Zeitraum erhalten.

Nach der Stilllegung der Brauerei kurz nach der Wende verfielen die Gebäude zusehends. Korrosion, Vandalismus und ein Brandereignis führten zu weiteren Schäden. Trotz dieser Einflüsse überdauerte die robuste Technik und wurde im Jahr 1997 von Mitarbeitern des Museums Werdau geborgen. Anschließend erfolgte die Einlagerung in Museumsdepots, was einen erneuten längeren Stillstand bedeutete.

Ursprünglich war vorgesehen, die Maschinen im angrenzenden historischen Spinnereigebäude Schmelzer & Sohn aufzustellen. Dieses Fabrikgebäude wurde jedoch einige Zeit nach der Wende abgerissen. Daraufhin entschied man, die komplette Dampfmaschinenanlage mit allen Rechten und Pflichten an eine Privatperson in Werdau zu übergeben. Im Jahr 2010 erfolgte die Umsetzung in die Tuchfabrik Werdau, wodurch sowohl städtische Depotkapazitäten als auch Ausstellungsflächen reduziert werden konnten.

Der Wiederaufbau der Dampfmaschinenanlage mit Kältemittelverdichtern erfolgte 2011 durch Jürgen Schmiedchen im Auftrag der Stadtverwaltung. Die baulichen Voraussetzungen für die Aufstellung der historischen Technik wurden vereinbarungsgemäß vom Empfänger übernommen. Ebenso gingen die Bereitstellung des Aufstellungsortes, die Schaffung der Voraussetzungen für eine öffentliche Begehbarkeit sowie die Verpflichtungen zur dauerhaften Erhaltung und Pflege der Exponate auf den Eigentümer der Tuchfabrik, die Stiftung „Tuchfabrik Werdau“, über.

Heute setzt sich der Verein „Industrieentwicklung & Genealogie e. V.“ für die Erhaltung und öffentliche Zugänglichkeit der musealen Sammlung ein, deren zentrales Objekt die Dampfmaschinenanlage der Brauerei Ferd. Geidel aus Werdau ist.

Technische Daten (Erfassung 1943):

· Einzylinder-Dampfmaschine FNr. 468, 100 PS bei 100 Umdr./Min. – 1924 mit einem neuen Zylinder von der Crimmitschauer Maschinenfabrik versehen – Leistungssteigerung auf 120 PS

· Hersteller (1896): Riedinger Augsburg, mit verlängerter Welle für den Kältemittelverdichter

· Liegender NH3 -Tandem-Verdichter FNr. 1417 mit hintereinander liegenden Zylindern, 200 mm Durchmesser, 220 mm Hub.

· Leistung: 84.000 Cal/Std. bis n= 67 u. 116.000 Cal/Std.

· Klappventile, Mantelkühlung, Ölabscheider, Manometer, Fundament und Zubehör von Gustav Wehlte, Halle/Saale; Grundplatte 1896 von Riedinger.

Kontakt:

Stiftung „Tuchfabrik Werdau“

Vorsitzender: Uwe Reinhold

Katharinenstr. 18

08412 Werdau

Tel. 03761 83700

E-Mail: kontakt@stiftung-tuchfabrik-werdau.de

www.stiftung-tuchfabrik-werdau.de

(Die Sammlung befindet sich in der August-­Bebel-Straße 89)

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