Warum die Kälte- und Klimabranche jetzt gefordert ist
Cyber-Resilienz: NIS2 & CRA*
Die Digitalisierung verändert die Kälte- und Klimatechnik rasant. Vernetzte Regelsysteme, IoT-Sensoren, Fernwartung und digitale Serviceplattformen gehören heute zum Standard moderner Anlagen. Diese Entwicklungen steigern Effizienz und Servicequalität, schaffen aber auch neue Angriffsflächen. Mit der NIS2-Richtlinie verschärft die EU deshalb die Anforderungen an Informationssicherheit und Cyber-Resilienz. Für zahlreiche Unternehmen der Branche werden bestimmte Vorgaben künftig verpflichtend, für alle anderen entwickeln sie sich zu wichtigen Qualitäts- und Wettbewerbsstandards.
NIS2 richtet sich an Unternehmen, die eine wesentliche Rolle in kritischen Versorgungs- und Wirtschaftsbereichen spielen oder bestimmte Größenkriterien erfüllen. Dazu können – je nach Geschäftsmodell – Hersteller, Planer, Betreiber und Servicefirmen der Kälte- und Klimatechnik zählen. Die Richtlinie verlangt nachvollziehbare Prozesse: Risikobewertungen für IT und OT, abgesicherte Zugänge, eine strukturierte Update-Strategie, klar definierte Abläufe für Störungen und Meldungen sowie den Nachweis, dass Sicherheitsmaßnahmen wirksam umgesetzt werden. Die Verantwortung liegt ausdrücklich bei der Geschäftsführung. Auch Betriebe, die nicht direkt unter NIS2 fallen, werden zunehmend einbezogen, weil Betreiber kritischer Anlagen verlässliche Sicherheitsstandards entlang der gesamten Lieferkette verlangen.
Einordnung: Rolle des Cyber Resilience Act (CRA)
Der CRA richtet sich vor allem an Hersteller digitaler Produkte und spielt in der Kälte- und Klimatechnik eine ergänzende Rolle, insbesondere bei der Sicherheit vernetzter Geräte und Komponenten. Für den Großteil der Service- und Betreiberbetriebe steht jedoch weiterhin NIS2 im Mittelpunkt, weil es den sicheren Betrieb der Anlagen betrifft. Der CRA sollte daher als flankierende Produktregelung verstanden werden – nicht als paralleles Hauptthema.
Wechselwirkungen zwischen NIS2 und CRA
Trotz unterschiedlicher Zielgruppen gibt es Überschneidungen: Beide Regelwerke verfolgen einen risikobasierten Ansatz, fordern strukturierte Sicherheitsmaßnahmen und stärken die Verantwortung der Unternehmen für ihre Lieferketten. Der CRA sorgt dafür, dass Produkte über den Lebenszyklus hinweg sichere Funktionen bereitstellen. NIS2 regelt, wie diese Produkte später im Betrieb abgesichert und überwacht werden. Für die Praxis bedeutet das: Je besser Geräte dokumentiert und abgesichert sind, desto leichter lassen sich die betrieblichen Anforderungen von NIS2 erfüllen.
Warum jetzt Handlungsbedarf besteht
Cyberangriffe auf technische Gebäudeausrüstung und industrielle Steuerungen nehmen seit Jahren zu. Viele Vorfälle entstehen durch einfache Schwachstellen wie voreingestellte Standardpasswörter, veraltete Firmware oder ungesicherte Fernzugänge. Die Folgen können erheblich sein: Produktionsstillstände, unterbrochene Kühlketten oder wirtschaftliche Schäden für Kundenbetriebe. Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmen NIS2 nicht nur als regulatorische Pflicht verstehen, sondern als sinnvollen Schutzmechanismus für Verfügbarkeit, Qualität und Kundenzufriedenheit.
Schritte für den Einstieg
Am Anfang steht ein klarer Überblick über die vernetzten Komponenten im eigenen Betrieb und in den betreuten Anlagen. Viele Firmen stellen erst bei einer Bestandsaufnahme fest, wie viele Systeme tatsächlich online erreichbar sind. Anschließend lassen sich Prioritäten setzen – sichere Passwörter, kontrollierte Zugänge, einheitliche Fernwartungsprozesse, regelmäßige Updates und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Auch ein einfach strukturierter Notfallplan kann im Ernstfall entscheidend sein. Diese Maßnahmen lassen sich meist mit überschaubarem Aufwand umsetzen und erhöhen die digitale Sicherheit deutlich.
Warum sich frühes Handeln lohnt
NIS2 setzt einen neuen, verbindlichen Standard für Cybersicherheit in der Kälte- und Klimatechnik. Die Richtlinie stärkt die Robustheit digitaler Prozesse und unterstreicht die Bedeutung des Gewerks innerhalb moderner, vernetzter Infrastrukturen. Wer frühzeitig beginnt, schafft die Grundlage für sichere Serviceprozesse, eine höhere Betriebssicherheit und eine professionelle Positionierung im Markt. Der CRA ergänzt dies zwar auf Produktebene, doch für die meisten Betriebe bleibt NIS2 der entscheidende Handlungsrahmen.
