Vorbild und Ansporn für alle

Verleihung des 5. Deutschen Kältepreises in Berlin

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) im Jahr 2016 erneut den Deutschen Kältepreis vergeben. Die Preisverleihung fand am 11. April 2016 im Rahmen der Berliner Energietage statt.

Kälte- und Klimaanlagen verbrauchen rund 16 % der gesamten Elektroenergie in Deutschland und belasten das Klima erheblich. Um den Energieverbrauch in diesem Bereich zu senken und den Klimaschutzzielen näher zu kommen, fördert das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative emissionsarme und zukunftsweisende Entwicklungen in der Kältetechnik.

Mit der Verleihung des Deutschen Kältepreises sollen vorbildliche Lösungen aufgezeigt werden, die Ansporn sein sollen für andere, sich in ähnlicher Weise für die Umwelt zu engagieren. So könnte man die Rede zusammenfassen, die Umweltministerin Barbara Hendricks bei der Vergabe des Deutschen Kältepreises hielt. Bei der Vorstellung der einzelnen ausgezeichneten Projekte durch das Jurymitglied Prof. Dr. Michael Deichsel wurde aber auch deutlich, dass nicht nur die Umwelt profitiert, sondern auch die Betreiber der Anlagen, denn es werden nicht nur CO2-Emissionen eingespart, sondern auch in erheblichem Umfang Kosten beim Betrieb der energieeffizienten Anlagen. Der bundesweit durchgeführte Wettbewerb richtet sich an innovative Unternehmen und Personen, die besonders klimafreundliche, das heißt emissionsarme, Lösungen in der Kälte- und Klimatechnik entwickeln und umsetzen. In den drei Kategorien „Kälte- oder klimatechnische Innovation“, „Maßnahmen zur Emissionsminderung durch Teilsanierung von Kälte- oder Klimaanlagen“ und „Installation energieeffizienter und -suffizienter Kälte- und Klimaanlagen durch kleine Unternehmen“ gab es jeweils Preisgelder in Höhe von 10.000, 5.000 und 2.500 Euro zu gewinnen. Die Gewinner müssen das Preisgeld wieder in Klimaschutzprojekte investieren.

Klimawandel ist größtes wirtschaftliches Risiko

Fachlich perfekt eingebettet war die Verleihung des Deutschen Kältepreises 2016 in die Fachtagung „Klimaschutz: Kälte- und Klimatechnik in der Energiewende“ und diese wiederum in die dreitägige Konferenz mit Ausstellung „Berliner Energietage 2016“ im Ludwig Erhard Haus. Im Rahmen der Fachtagung erörterten vier Experten Hintergrundinformationen und Ansätze für mehr Energieeffizienz in der Kälte- und Klimatechnik. So ging Prof. Dr. Peter Höppe, Münchener Rück, auf „Wirtschaftliche und gesellschaftliche Gefahren des Klimawandels“ ein. Sein Vortrag machte mehr als deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur im Bereich der Kälte- und Klimatechnik verstärkt auf Energieeffizienz zu setzen, um den Klimawandel einzudämmen. Und zwar nicht nur aus Umweltschutzgründen: Auf dem Davoser Wirtschaftsgipfel wurde von Experten das mögliche Versagen der Klimaschutzmaßnahmen als größtes wirtschaftliches Risiko der Welt bezeichnet. Die Klimadaten und ihre Auswirkungen, die er in seinem Vortrag vorstellte, zeigen, dass dringend etwas geschehen muss:

Die Jahre 2014 und 2015 waren jeweils die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und 2016 könnte dies noch übertroffen werden.

Alle Ozeane haben sich erwärmt, und sind seit 1900 um ca. 20 cm angestiegen, was beides zu einem Zuwachs an Wetterextremen mit großen Schäden geführt hat.

Die Fläche des arktischen Meereises hat sich von 8 Mio. km² auf 4 Mio. km² halbiert, was den Klimawandel verstärkt, weil weniger Sonneneinstrahlung von den Eisflächen reflektiert wird.

Die CO2-Konzentration in der Luft nimmt kontinuierlich zu: Auf einer Messstation auf Hawaii ist diese von 315 ppm im Jahr 1958 auf 407 ppm in diesem Jahr gestiegen, wobei der Anstieg von Jahr zu Jahr immer steiler wird.

Seit 1980 hat sich die Zahl der registrierten wetterbedingten Schadenereignisse verdreifacht, die Schadenhöhe hat im Schnitt ebenfalls zugelegt.

Die Zahl der Stürme in Europa mit großen Schäden hat von 20 im Jahr 1980 auf 120 im Jahr 2014 zugenommen.

Die weiteren Vorträge waren: „Nationale Klimaschutzinitiative: Förderung der Kälte- und Klimatechnik zur Erreichung der Klimaschutzziele“ von Dr. Sven Reinhardt, Leiter des Referates KI I 2 im Bundesumweltministerium; „Effizienz, Suffizienz und Konsistenz in der Kälte- und Klimatechnik“, von Prof. Dr.-Ing. Ullrich Hesse, TU Dresden; und „Energie-Recycling“ von Prof. Dr.-Ing. Felix Ziegler, TU Berlin. Knapp 150 Teilnehmer zeigten großes Interesse an den informativen Fachvorträgen und der anschließenden Preisvergabe. Die Gewinner und die jeweiligen Kategorien sind im Folgenden aufgelistet.

Kategorie 1: Kälte- oder klimatechnische Innovation

Durch Innovationen in den Bereichen Komponenten, Arbeitsstoffe sowie Konzepte (zum Beispiel Nutzung verschiedener Antriebsenergien, Speicherung thermischer Energien, Nutzung selbsterzeugter Energien etc.) sind große Emissionsminderungen möglich.

1. Platz: Institut für Luft- und Kältetechnik gemeinnützige GmbH

Das Dresdner Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) hat ein auf Flüssigeis basierendes System zur effizienten Speicherung und Verteilung von Kälte entwickelt. Die erste Pilotanlage wurde in das Kaltwassernetz der Hochschule Zwickau eingebunden und ermöglicht dort eine flexible Kälteversorgung. Das ILK gewinnt mit dieser Innovation den ersten Platz und ein Preisgeld von 10.000 Euro.

2. Platz: Efficient Energy GmbH

Der Efficient Energy GmbH aus Feldkirchen bei München ist eine einzigartige Umsetzung des Kaltdampfprozesses mit Turboverdichtung gelungen, bei der Wasser als umweltfreundliches Kältemittel eingesetzt wird. Dafür wurde das Unternehmen mit dem zweiten Platz und einem Preisgeld von 5.000 Euro ausgezeichnet.

3. Platz: Eco ice Kälte GmbH

Die Eco ice Kälte GmbH aus Borna bei Leipzig hat einen Wärmeübertrager und ein Verfahren entwickelt, bei dem die für die Verflüssigung von Erdgas aufgewendete Energie so zurückgewonnen wird, dass andere Prozesse damit gekühlt werden können. Dafür muss keine Antriebsenergie aufgewendet werden. Diese Technologie wurde mit dem dritten Platz und einem Preisgeld von 2.500 Euro ausgezeichnet.

Kategorie 2: Maßnahmen zur Emissionsminderung durch Teilsanierung von Kälte- oder Klimaanlagen

Viele Anlagen werden zu lange ineffizient betrieben. Da die Komplettsanierung vor Lebensdauerende (nach circa 12 – 20 Jahren) unwirtschaftlich ist, wurden Teilsanierungen gesucht, die mit geringinvestiven Maßnahmen nennenswerte Emissionsminderungen erzielen (ohne Übergang auf ein anderes Kältemittel).

1. Platz: SPIE Energy Solutions GmbH

Die SPIE Energy Solutions GmbH aus Stuttgart hat den ersten Platz in der zweiten Kategorie – und damit ein Preisgeld von 10.000 Euro – gewonnen. Das Unternehmen hat für ein Pharma-Unternehmen eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage entwickelt, die in den Sommermonaten die Abwärme zum Antrieb einer Absorptions-Kältemaschine nutzt und im Winter Heizwärme bereitstellt.

2. Platz: Robert Schiessl GmbH / Regler Kälte-Klima-Wärmepumpen

Die Unternehmen Robert Schiessl und Regler Kälte-Klima-Wärmepumpen aus Oberbayern haben den zweiten Platz und damit ein Preisgeld von 5.000 Euro gewonnen. Sie installierten in einer Metzgerei eine Kälteanlage mit Wärmerückgewinnung und Abwärmespeicherung, die den Betrieb mit Kälte- und Wärmeenergie versorgt. Dadurch konnte nicht nur auf eine Gasheizung verzichtet werden – auch die Emissionen ließen sich um 60 % senken. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Projekt ist bereits in KKA 2/2016 erschienen.

3. Platz: Duschl Ingenieure GmbH & Co. KG

Die Duschl Ingenieure aus Rosenheim haben den dritten Platz und ein Preisgeld von 2.500 Euro gewonnen. Das Unternehmen nutzt den kalten Gebirgsfluss Inn, um damit den Kältebedarf eines Klinikums in Rosenheim zu decken. Die Emissionsminderung ist hier mit 90 % besonders hoch.

Kategorie 3: Installation energieeffizienter und -suffizienter Kälte- und Klimaanlagen durch kleine Unternehmen

Der bisherige Fokus bei Emissionsminderungsmaßnahmen lag bei der Steigerung der Energieeffizienz und dem Einsatz von Kältemitteln mit geringer Treibhauswirksamkeit. Weitere erhebliche Fortschritte sind durch eine Reduzierung der Kühllast beziehungsweise eine Steigerung der Genügsamkeit (lateinisch: Suffizienz) möglich (zum Beispiel durch Dämmung, intelligente Verschattung von klimatisierten Räumen oder Einsatz thermischer Speicher etc.). Die größten Effekte sind dabei durch die Kombination verschiedener Lösungen zu erzielen.

1. Platz: Heiderbeck GmbH

Das Unternehmen Heiderbeck mit Sitz in Olching bei München hat sich auf den Vertrieb von Käse spezialisiert. Seit dem Sommer 2015 geht das ganz umweltfreundlich: Ein in der Hauptsache photovoltaisch angetriebener Kaltsoleerzeuger kühlt mit dem natürlichen Kältemittel Propen das knapp 4.000 m² große Kühllager. Im Winter werden mit der Abwärme der Kälteanlage die Firmengebäude geheizt. Für diese Installation wurde das Unternehmen mit dem ersten Platz und einem Preisgeld von 10.000 Euro ausgezeichnet. 

2. Platz: Frigoteam Handels GmbH

Die Frigoteam Handels GmbH aus Berlin hat den zweiten Platz und damit ein Preisgeld von 5.000 Euro gewonnen. Ihr Projekt: ein System zur latenten Speicherung von Kälte, das in einem Kaltsolekreislauf betrieben wird und mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert ist. Die Emissionen des Unternehmens konnten so um rund 20 % gesenkt werden. 

3. Platz: InvenSor GmbH

Das Unternehmen InvenSor aus Lutherstadt Wittenberg hat ein ausgeklügeltes Energiesystem für ein Industrieunternehmen konzipiert. Herzstück sind ein Blockheizkraftwerk und fünf Adsorptionskältemaschinen. So sind erhebliche finanzielle Einsparungen und Emissionsminderungen für die Bereitstellung von Kälte von mehr als 85 % möglich. Für diese Installation vergab die Jury den dritten Platz und ein Preisgeld von 2.500 Euro.

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