Klimafreundlich kühlen – gesagt, getan

Europas kleine Lebensmittel- und Bio-Läden auf dem Weg zu nachhaltiger Kühlung

Die Umstellung auf klimafreundliche Kühlung und Klimatisierung ist für viele Ladenbesitzer*innen eine Herausforderung. Kleine Lebensmittelgeschäfte, z.B. im Bio-Handel, sind vielfach nicht in dem Maße in größeren Handelsketten organisiert, wie dies im klassischen Lebensmittelhandel der Fall ist. Überwiegend handelt es sich um Einzelunternehmer. Während gerade im Bio-Bereich der Fokus auf der Nachhaltigkeit der Produkte liegt, besteht zum Thema nachhaltige Kältetechnik großer Informationsbedarf. Hier bedarf es einer guten Beratung durch Kälte-Klima-Fachfirmen zu geeigneten technischen Lösungen.

Klimaschutz ist in Zeiten globaler Erwärmung eines der vorherrschenden Themen: Regierungsvertreter*innen aus rund 200 Staaten berieten im November auf der UN-Weltklimakonferenz in Glasgow über eine ambitionierte globale Klimapolitik. Deutschland hat sich konkrete Ziele zur Reduktion seiner Treibhausgas-Emissionen gesetzt: bis 2030 soll eine Minderung um mindestens 65 % (gegenüber 1990), bis 2045 eine Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden. Um dies zu verwirklichen, muss in vielen Sektoren schnell gehandelt werden. Dies gilt auch für den Gebäudesektor und im Bereich der Kältetechnik und Klimatisierung.

Die EU F-Gas-Verordnung gibt konkrete Regelungen vor, um die Emissionen fluorierter Treibhausgase (F-Gase) in der EU um 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf 35 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent bis zum Jahr 2030 zu senken. Bei der laufenden Revision der F-Gas Verordnung wird sogar eine Verschärfung der Ziele diskutiert. Die Beschränkungen sollen Anreize zur Verwendung von umwelt- und klimafreundlichen Alternativen schaffen. Natürliche Kältemittel wie CO2, Kohlenwasserstoffe, Ammoniak und Wasser bieten solche Optionen für den Kälte- und Klimatisierungsbereich und werden zunehmend eingesetzt. Parallel treibt die EU in ihrem Energie-Rahmenprogramm Vorgaben für die Energieeffizienz elektrischer Geräte voran.

Eine Herausforderung für Anlagenbetreiber*innen und

Kälte-Klima-Fachfirmen

Die zunehmenden rechtlichen Vorgaben stellen Ladenbetreiber*innen vor erhebliche Herausforderungen. Viele sind sich des Problems gar nicht in vollem Umfang bewusst, denn oft, gerade bei kleinen inhabergeführten Betrieben, fehlt das technische Wissen und die Zeit, sich im Detail mit der Kälteanlage oder effizienten Gesamtkonzepten für die Kühlung und Klimatisierung des Ladens zu befassen. Welches Kältemittel genutzt wird und welche direkten und indirekten Emissionen durch die Anlagen entstehen (können) ist den Betreiber*innen oft nicht klar. So mag manch Ladenbesitzer*in das Thema Nachhaltigkeit zwar auf der Agenda haben, betreibt aber gleichzeitig veraltete, ineffiziente Anlagen – inklusive Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial.

Und wie sieht es auf der Seite der Kältefachfirmen aus? Auch hier wird die anstehende Umsetzung der rechtlichen Vorgaben als große Herausforderung gesehen. Im Bereich der natürlichen Kältemittel ist die Zahl qualifizierter und erfahrener Techniker*innen bzw. Betriebe derzeit begrenzt. Das wurde beim Supermarkt-Symposium des ZVKKW am 6. Oktober in Darmstadt deutlich. Bei vielen Techniker*innen besonders in kleineren Betrieben besteht Weiterbildungsbedarf. Dies lässt sich aber bei gefüllten Auftragsbüchern oft nur schwer umsetzen – oder wird dadurch nicht als Priorität gesehen.

Nachwuchs in der Branche ist generell rar, was sich auch in den kommenden Jahren bei der Verfügbarkeit von Fachleuten auswirken dürfte. Dabei bietet die „klimafreundliche Kühlung“ durchaus ein attraktives Geschäftsfeld. Allein der Naturkost-Facheinzelhandel, der einen hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit der eigenen Geschäftstätigkeit hat, zählte 2019 mehr als 2.500 Geschäfte in Deutschland. Nach einer Schätzung des RefNat4LIFE Projektes fallen ca. 100.000 Läden in Deutschland in den Bereich des kleinen Lebensmitteleinzelhandels (< 1.000m² Verkaufsfläche).

Unterstützung für Anlagenbetreiber*innen und Service-Unternehmen

Das RefNat4LIFE Projekt entwickelt gezielt Informations- und Trainingsmaterialien zum Thema natürliche Kältemittel und klimafreundliche Kühlung, die über die Projektwebseite www.refnat4life.eu zugänglich sind. Zum einen werden so Ladenbetreiber*innen bei der Bestandsaufnahme genutzter Anlagen im Laden und der Entscheidungsfindung für neue Geräte unterstützt. Kälte-Klima-Fachfirmen finden hier aber auch eine Übersicht über Schulungen im Bereich natürliche Kältemittel, sowie Informationsmaterial und Beispiele aus der Praxis, die bei der Beratung von Kunden genutzt werden können.

Ab Mitte 2022 ist ein kurzer Online-Kurs verfügbar, der einen Einstieg zum Thema natürliche Kältemittel bietet, unter anderem zu deren Charakteristika, den relevanten gesetzlichen Vorgaben und den politischen Kontext, sowie zu Sicherheitsaspekten bei der Handhabung brennbarer Kältemittel. Der Kurs kann im eigenen Tempo durchlaufen und mit einem Teilnahmezertifikat abgeschlossen werden.

Über eine Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt, der Coolskills Initiative und dem Handelsverband Deutschland HDE strebt das RefNat4LIFE Projekt langfristig weitere Synergien beim Austausch zwischen Anlagenbetreibern und dem Kältesektor an.

Werden Sie aktiv

Datenbank Kälte-Klima-Fachfirmen: Für viele Ladenbetreiber*innen ist schon die Suche nach einer Fachfirma, die sich mit natürlichen Kältemitteln auskennt, eine erste Hürde auf dem Weg zu klima­freundlicher Kühlung. Um dies zu erleichtern, baut die Coolskills Initiative des VDKF, BIV, ZVKKW und der Landesinnung Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg derzeit eine Datenbank qualifizierter Fachbetriebe auf. Diese ist für Anlagenbetreiber*innen über die Webseite der Initiative zugänglich: www.coolskills.de/fachunternehmen – Fachfirmen sind aufgerufen, sich zu registrieren.

Unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Umstellung auf klimafreundliche Kühlung und Klimatisierung durch gezielte Beratung. Hilfreiche Materialien finden Sie aufwww.refnat4life.eu

Der gemeinnützige Verein Refrigerants, Naturally! e.V. setzt sich weltweit für klimafreundliche Kühlung und Klimatisierung ein und wird die Arbeit des RefNat4LIFE Projektes langfristig fortsetzen. Erfahren Sie mehr auf //www.refrigerantsnaturally.com/:https://www.refrigerantsnaturally.com/ und unterstützen Sie uns!

Fragen vieler Betreiber*innen

– Welche Auswirkungen hat die F-Gas Verordnung auf meinen Laden?

– Habe ich in absehbarer Zukunft mit Veränderungen hinsichtlich Verfügbarkeit und Kosten der Kältemittel zu rechnen?

– Welche alternativen technischen Lösungen gibt es – mit welchen Kosten- und Emissionseinsparpotenzialen?

– Wann soll ich meine Geräte austauschen?

– Wie finde ich einen geeigneten Fachbetrieb, der mich zu klimafreundlichen Lösungen berät?

RefNat4LIFE richtet sich an:

> Betreiber von Kälteanlagen im Bio-und im kleinen Lebensmitteleinzelhandel

> Fachbetriebe für Kälte-, Klimaanlagen und Wärmepumpen

> Anlagenhersteller

Ziele:

Förderung klimafreundlicher Kühlung im klein- und mittelständischen Lebensmitteleinzelhandel durch:

> Bewusstseinsbildung bei Anlagenbetreibern und Kälte-Klima-Fachfirmen

> Information und Schulung zu klimafreundlichen Alternativen

Das bietet das Projekt:

> Leitfäden zum politischen Kontext, sowie rechtliche & technische Hintergrundinformationen

> Praxisbeispiele für klimafreundliche Kühlung mit natürlichen Kältemitteln

> Datenbank für Techniker mit verfügbaren Schulungskursen zu natürlichen Kältemitteln

> Entscheidungshilfen für den Gerätekauf für Anlagenbetreiber

Mehr Info: www.refnat4life.eu ; info@refnat4life.eu

Projektlaufzeit: 2019 - 2022

Das Ref,Nat! for LIFE Projekt wird aus dem LIFE-Programm der Europäischen Union finanziert.

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