Taskforce Gebäudetechnik auf den Berliner Energietagen
12.05.2026
Unter der Moderation von Lars Klitzke (l.), M. Eng., M. Eng., MAS, Hochschule Zittau/Görlitz, V-Professur für Ingenieurwesen, TGA-Fachplanung und Bauphysik diskutierten Stefanie Lehmann (Mitte), Bezirksschornsteinfegerin, Alexander Neuhäuser (r.), Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke, und Torsten March (2. v.r.), Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks, gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Lars Rohwer (2. v.l.).
Bild: BIV
Am 5. Mai fanden sich Vertreter der Taskforce Gebäudetechnik sowie die Berliner Politik im Rahmen der Berliner Energietagen bei der Veranstaltung „Best Practices der energetischen Sanierung – Was die Politik vom Handwerk lernen kann“ zusammen. Im Fokus der Veranstaltung stand die zentrale Rolle des Handwerks bei der Umrüstung des Gebäudesektors hin zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz. Vor diesem Hintergrund diskutierten Stefanie Lehmann, Bezirksschornsteinfegerin, Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke, und Torsten March, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks, gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Lars Rohwer (CDU), wie eine erfolgreiche Transformation gelingen kann.
Kälteanlagenbauerhandwerk als Schlüsselgewerk der Energie- und Wärmewende
Torsten March, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV, www.biv-kaelte.de) stellte in seinen Statements das Kälteanlagenbauerhandwerk als zentrale Berufsgruppe der Energie- und Wärmewende dar. Dabei betonte er, dass das Kälteanlagenbauerhandwerk häufig unterschätzt werde, obwohl es den thermodynamischen Kern vieler Zukunftstechnologien beherrscht – den Kältekreislauf. Dieser spielt unter anderem in Wärmepumpen, Klimasystemen, Kälteanlagen, Rückkühlwerken, der Prozesskälte sowie bei der Abwärmenutzung eine entscheidende Rolle.
BIV-Geschäftsführer Torsten March bei seinem Statement im Rahmen der Podiumsdiskussion „Best Practices der energetischen Sanierung – Was die Politik vom Handwerk lernen kann“ bei den Berliner Energietagen.
Bild: BIV
Das Berufsbild des Kälteanlagenbauers verändert sich dabei deutlich. Der Kälteanlagenbauer ist nicht mehr nur als Anlagenerrichter zu sehen, sondern als Systemintegrator. Seine Aufgabe besteht darin, Strom, Wärme, Kälte und Gebäude zu einem funktionierenden Gesamtsystem zu verbinden und Energieflüsse ganzheitlich zu betrachten.
Im Zusammenhang mit politischen Entwicklungen erläuterte March, dass das Gebäudeenergiegesetz zunächst einen starken Fokus auf erneuerbare Energien gelegt habe, aktuell jedoch mehr Technologieoffenheit entsteht. Entscheidend sei künftig nicht die Vorschrift, sondern die Qualität der technischen Lösung. Systeme müssten effizient, robust, nachweisbar funktionsfähig und langfristig zukunftsfähig sein.
Ein Schwerpunkt der Ausführungen lag auf der Wärmepumpe. Während viele sie als einzelnes Gerät betrachten, versteht sie das Kälteanlagenbauerhandwerk als Teil eines Gesamtsystems. Entscheidend seien Kenntnisse über Verdampfung, Verdichtung, Kondensation, Überhitzung, Unterkühlung, Drucklagen und Leistungszahlen. Dabei hob March besonders den Unterschied zwischen dem bloßen Einbau einer Wärmepumpe und ihrem effizienten Betrieb hervor. In diesem Zusammenhang verwies er auf die VDI 4645, nach der Wärmepumpen nicht als Einzelgeräte, sondern als Bestandteil eines Gesamtsystems von der Planung bis zur Integration ins Gebäude betrachtet werden müssen.
Schließlich beschrieb der BIV Geschäftsführer die Rolle des Kälteanlagenbauerhandwerk als Grundlage der zukünftigen thermischen Infrastruktur. Das Handwerk sorge dafür, dass Wärme genutzt statt verschwendet werde und Gebäude Teil eines vernetzten Energiesystems werden. Kältetechnik werde damit zu einem Schlüssel der Wärme- und Energiewende, weil sie Heizen und Kühlen, Strom und Wärme sowie Gebäude und Infrastruktur miteinander verbindet.
Gesamtresümee
Insgesamt wurde deutlich, so der ZDH (www.zdh.de) in einer aktuellen Pressemitteilung, wie wichtig die enge Kooperation zwischen den verschiedenen Gewerken ist – darunter Elektrohandwerk, Schornsteinfeger, Kälteanlagenbauer, Dachdecker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Metallbauer. Trotz unterschiedlicher Tätigkeitsfelder leisten alle einen entscheidenden Beitrag: So sind Schornsteinfeger stark in der Gebäudeenergieberatung vertreten und mit rund 200.000 täglichen Kundenkontakten besonders nah an den Menschen. Das Kälteanlagenbauerhandwerk verantwortet mit dem Kältekreislauf einen zentralen thermodynamischen Prozess, der unter anderem bei Wärmepumpen und Klimaanlagen zum Einsatz kommt. Das Elektrohandwerk wiederum treibt die Digitalisierung im Gebäudesektor voran und schafft Datenschnittstellen, die für die gewerkeübergreifende Kooperation essenziell sind.
Ein gemeinsames Verständnis eint alle Gewerke: Im Zuge der Wärmewende verändern sich die Berufsbilder grundlegend, und Gebäude müssen heute als vernetzte Energiesysteme gedacht werden. Nur durch dieses Zusammenspiel kann die Transformation des Gebäudesektors gelingen. Dafür braucht es eine stärkere Vernetzung und intensivere Zusammenarbeit der klimatechnischen Gewerke. Einigkeit besteht auch darin, dass Daten künftig besser nutzbar gemacht werden müssen, um Kooperationen effizienter zu gestalten.
Das Handwerk bringt hierfür hervorragende Voraussetzungen mit – insbesondere durch das hohe Vertrauen der Kundinnen und Kunden sowie die starke lokale Wertschöpfung. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, sind jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen erforderlich, die Investitionen fördern und gleichzeitig Unsicherheiten in der Bevölkerung abbauen.
Rohwer betonte die Bedeutung praxisnaher ordnungspolitischer Rahmenbedingungen und begrüßte ausdrücklich die zunehmende Zusammenarbeit der Gewerke. Als zentrales Ergebnis nahm er den Wunsch des Handwerks nach Stabilität und Kontinuität bei den politischen Rahmenbedingungen mit. Ziel sei es, durch entsprechende gesetzliche Maßnahmen – etwa im Rahmen eines Gebäudemodernisierungsgesetzes – mehr Planungssicherheit für Betriebe und Endkundinnen und -kunden zu schaffen.
Über die Taskforce Gebäudetechnik
Mit einer engeren Vernetzung und einer gemeinsamen Stimme wollen die gebäudetechnischen Klimahandwerke die Energiewende voranbringen und ihre zentrale Rolle im Transformationsprozess verdeutlichen. Die Taskforce Gebäudetechnik vereint sechs zentrale Verbände des gebäudetechnischen Klimahandwerks:
• Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)
• Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)
• Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV)
• Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)
• Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV)
• Bundesverband Metall (BVM)
Gemeinsam repräsentieren sie 154.000 Betriebe mit 1.460.000 Beschäftigten und 121.000 Auszubildenden, die zuletzt einen Umsatz von 225 Milliarden Euro erwirtschafteten. Die vertretenen Gewerke sind zentrale Treiber der Energie- und Wärmewende und wichtige Ansprechpartner für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Weitere Informationen zur Taskforce Gebäudetechnik finden Sie unter: www.zdh.de/themen-und-positionen/klimahandwerk/taskforce-gebaeudetechnik/
